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Ukraine-Krieg Die Ukraine ist die "Kornkammer Europas" – was der Krieg für Weizenpreise und -versorgung bedeutet

Ukraine: Weizenfeld
Oben blau, unten gold: Weizen erinnert nicht nur optisch an die Flagge der Ukraine, sie sind für das Land ein wichtiges Exportgut.
© Ievgenii Meyer / Shutterstock
Die Ukraine ist einer der wichtigsten Weizenexporteure der Welt. Der Krieg in der Ukraine beeinflusst auch den Anbau und die Ernte. Was das für den Verbraucher bedeutet, erklärt der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft.

Im Januar lag der Weizenpreis bei rund 275 Euro pro Tonne. Das war viel. Seitdem kennt er nur noch eine Richtung: nach oben. Aktuell kostet eine Tonne fast 450 Euro, ein Aufschlag von mehr als 60 Prozent in wenigen Wochen und ein Preis, den es seit mindestens 15 Jahren so nicht gegeben hat.

Verantwortlich dafür ist der Krieg in der Ukraine: Beide Beteiligten, Russland und die Ukraine, sind wichtige Exportländer für Getreide und insbesondere Weizen. Was Verbraucher in den nächsten Wochen erwartet, hat dem stern Dr. Peter Haarbeck, Geschäftsführer Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS), beantwortet.

Ukraine-Krieg: Eine Weizenknappheit droht in Deutschland nicht

Zumindest einen teilweise beruhigenden Fakt kann Dr. Haarbeck nennen: Die hiesigen Mühlen kaufen zu 95 Prozent Getreide aus Deutschland, Russland und die Ukraine hingegen liefern "so gut wie kein Getreide" nach Deutschland. Eine direkte Knappheit durch ausfallende Lieferverträge wird es also wahrscheinlich nicht oder nur in geringem Maße geben.

Nicht nur wegen des Ukraine-Krieges: Warum der Weizenpreis gerade explodiert

Für die zweite wesentliche Frage, die nach dem Preis, spielt das allerdings keine Rolle: Wenn große Marktteilnehmer ausfallen oder nicht so viel wie üblich liefern können, treibt das den Preis nach oben. Schließlich wollen immer noch viele Menschen Brot und Brötchen kaufen oder ihr Vieh füttern. Wenn das Angebot dafür sinkt, steigt der Wettbewerb und die Kunden müssen mehr bezahlen, um ihr Getreide zu bekommen.

Das sehen wir aktuell im Weizenpreis in doppelter Hinsicht: Erstens wegen des Krieges in der Ukraine. Und zweitens, weil die aktuelle Krise auf eine "sowieso schon sehr angespannte Lage auf den Getreidemärkten" trifft, wie der VGMS erklärt. Überall auf der Welt sei weniger als üblich geerntet worden, die Läger seien knapp gefüllt, bestimmte Getreidequalitäten in Deutschland nur schwer zu bekommen und Staaten wollten sich genau jetzt mit Getreide eindecken, um schwierige Zeiten zu überstehen. Die Folge: Schon im November hat es Börsennotierungen von 310 Euro gegeben.

Steigende Weizenpreise: Wo es für Verbraucher jetzt besonders teuer wird

Eine Daumenregel für die Verbraucherpreise nennt der VGMS: Je weniger verarbeitet die Produkte sind und je größer der Anteil des Getreides im Lebensmittel ist, desto enger hängen auch die Verbraucherpreise für Lebensmittel aus Getreide von den Rohstoffpreisen ab.

Bei Nudeln, die ausschließlich aus Hartweizengrieß, Wasser und Salz bestehen, ist der Preis also beispielsweise besonders stark vom Preis der Ausgangsprodukte abhängig. Steigt der Preis für Hartweizen deutlich an, wird das also auch Auswirkungen auf den Verkaufspreis im Supermarkt haben.

Diese Auswirkungen lassen sich aber nicht unbedingt sofort spüren, auch wenn der Weizenpreis schon aktuell enorm steigt. Der VGMS erklärt dazu: Viele Lieferverträge laufen zu fest vereinbarten Preisen über Monate, was eine gewisse Stabilität für die Verbraucherpreise bedeutet.

Quellen: VGMS, boerse-online.de, finanzen.net

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei stern.de


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