"Litterati": Mit Fotos gegen den Müll auf der Straße

Mit #Litterati-Hashtag gegen den Müll auf der Straße: Der Amerikaner Jeff Kirschner nutzt Instagram gegen die alltägliche Umweltverschmutzung.

"Papa? Das gehört da nicht hin, oder?" Diese Frage stellen wohl alle Kinder ihren Eltern, wenn sie zum ersten Mal sehen, dass jemand seinen Abfall in die Landschaft statt in die Mülltonne geworfen hat. Auch Jeff Kirschners vierjährige Tochter zeigte vor einem Jahr auf eine alte Plastikwanne mit Katzenstreu, die jemand in einen Park geworfen hatte, und wollte eine Erklärung. Und Kirschner, ein Digital-Unternehmer aus San Francisco, hatte einen Geistesblitz, wie er die Welt ein kleines bisschen für seine Tochter verbessern könnte: Wenn die Leute sowieso schon buchstäblich jeden Müll mit ihren Handys fotografieren, könnte man doch auch dokumentieren, wie groß das Problem tatsächlich mittlerweile ist. Das "Litterati"-Projekt (ein Wortspiel aus "Literat" und dem englischen Wort "Litter" für den Müll auf der Straße) war geboren.

Slideshow: #Litterati-Fotos im Überblick

#Litterati: Gemeinsam gegen Müll

Mitmachen kann bei den "Litterati" jeder: Einfach ein Foto vom herumliegenden Müll machen und mit Ortsangabe mit dem Hashtag #Litterati auf Instagram ( /litterati) laden, danach das Motiv in die nächste Mülltonne werfen - fertig. Online entsteht so eine "digitale Mülldeponie", wo es neben den Fotos auch Statistiken darüber gibt, welche Regionen sich am stärksten an der Aktion beteiligen und welche Stadtteile besonders verschmutzt sind.

Kirschners Idee ("Ich kann nicht der einzige sein, den der ganze Dreck wahnsinnig nervt") zündete: Seit letztem Jahr haben Menschen aus 40 Ländern rund 30.000 Fotos hochgeladen - und entsprechend viele alte Verpackungen, Dosen, Papierschnipsel und anderen Abfall entsorgt.

Vor allem die Statistiken haben einen zusätzlichen Nutzen: "Wir sehen mittlerweile genau, an welchen Straßenecken besonders viel auf den Boden geworfen wird", erklärt Kirschner auf seiner Website. "Für die Stadtverwaltung ein handfestes Zeichen, dass hier zusätzliche Mülltonnen aufgestellt werden müssen."

Und auch die "Weggeworfenen" können neue Einsichten gewinnen. "Wenn etwa eine Marke wie Starbucks mitbekommt, dass speziell ihre Kaffeebecher besonders oft achtlos fallen gelassen werden, könnte das ein Anstoß sein, eine Kampagne gegen die Vermüllung zu starten."

Der wichtigste Punkt ist vor allem Aufmerksamkeit. Wer ein Taschentuch fallenlässt, hat selten das Gefühl, gerade das Ökosystem des Planeten zu zerstören. Dass er (oder sie) aber genau das tut, gemeinsam mit Millionen anderer "Ach, ist nicht so schlimm"-Sagern, ist ein Problem, das durch das Projekt ein Stück sichtbarer geworden ist.

Wird die Welt durch das Projekt also gerettet? Kirschner bleibt Realist: "Ich kann immerhin für zwei Menschen garantieren, dass sie niemals ihren Müll irgendwo liegen lassen: meine beiden Kinder", sagte er kürzlich in einem Interview. "Selbst wenn das die einzigen sind, die 'Litterati' beeinflusst hat, ist das für mich ein Erfolg."

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