Bitte keine Plastiktüten mehr!

BRIGITTE-Redakteurin Lisa van Houtem möchte keine Plastiktüten mehr in ihrem Leben - und hat sich erfolgreich umerzogen. Aber wäre es nicht viel besser, wenn die Plastiktüten aus unserem Alltag verschwinden würden? Eine Petition will eine drastische Reduktion in der EU erreichen.

"Danke, das geht so mit!"

Man muss den richtigen Moment abpassen! Wenn die Verkäuferin das neu erworbene Kleidungsstück bereits vorbildlich zusammengefaltet hat und darauf wartet, dass der Kassenbon dem EC-Kartenlesegerät entfleucht, heißt es, volle Konzentration zu wahren.

Die Verkäuferin mit festem Blick fixieren, den Jutebeutel im Anschlag bereithalten und dann - bevor die Hand unter den Tresen zu den Plastiktüten schnellt - blitzschnell mit entschiedener Stimme dazwischenfunken: "Danke! Das geht so mit!" Dann heißt es, dem leicht irritierten Blick des Verkaufspersonals standzuhalten, dem "Keine Tüte!?" noch mal mit einem freundlichen Kopfschütteln den Garaus zu machen, bei Bedarf ein nachdrückliches "Nein, wirklich nicht!" hinterherzuschießen, die Ware blitzschnell im Beutel zu verstauen und unauffällig das Geschäft zu verlassen.

Zugegeben, das braucht ein bisschen Übung und Disziplin, sorgt auf lange Sicht aber für ein Leben ohne bergeweise Plastiktüten im Abstellschrank – einer der Auslöser für meine selbstauferlegte Umerziehung. Die Hauptmotivation sind natürlich die absurden Auswirkungen, die der Plastikmüll auf unsere Umwelt hat. Plastiktüten haben eine Lebenserwartung von mehreren hundert Jahren, kommen aber nur für wenige Minuten zum Einsatz und verschmutzen danach unsere Meere. Sie finden sich in den Mägen von Fischen, Walen und Seevögeln wieder und sorgen für ein qualvolles Sterben. Die Produktion frisst irrsinnig viel Energie und verbraucht Erdöl ohne Ende, das Verbrennen des Plastikmülls wiederum heizt den Klimawandel an.

Zurzeit ist noch unklar, ob bei uns eine Tütensteuer eingeführt wird. Bis es soweit ist, kriege ich wohl weiterhin ungefragt Plastiktüten aufgedrängt - im Supermarkt, im Elektrohandel, in Klamottenläden, in der Drogerie. Dagegen anzugehen bedarf es einiger Maßnahmen. Zunächst habe ich alle meine Handtaschen (auch die kleinen Schultertaschen) mit ein, zwei Stoffbeuteln ausgestattet. Falls ich doch mal keinen Beutel zur Hand habe, wird nur in Geschäften gekauft, die Papiertüten anbieten. Dann habe ich mir zwei Rucksäcke zugelegt, die erfreulicherweise sowieso gerade ein modisches Comeback feiern. Obst und Gemüse kaufe ich vermehrt beim Gemüsehändler ein. Hier kann ich die Ware einfach in meinen Einkaufskorb legen, gewogen wird eh erst auf der Silberwaage an der Kasse. hinunter Müllbeutel zu benutzen, beiße ich in den sauren Apfel und trage den Mülleimer aus dem sechsten Stock runter zum Müllcontainer.

Kommt die Tütensteuer?

Jein. Denn die EU will die Verantwortung auf die einzelnen Mitgliedsländer übertragen. Die Staaten sollen selbst entscheiden, ob und welche Maßnahmen sie gegen die Tütenflut umsetzen wollen: ob sie Steuern auf Plastiktüten erheben, ob sie Ziele zur Verminderung des Verbrauchs festschreiben oder ob sie ein Tütenverbot verhängen. Am 17. April 2014 stimmt das EU-Parlament über eine entsprechende Gesetzesvorlage ab, danach geht sie an den Ministerrat. Als vorbildliche Beispiele dienen bislang Dänemark und Irland, die nach der Einführung einer Tütensteuer den Verbrauch um mehr als 80 Prozent reduziert haben. Die Deutschen verbrauchen im Schnitt laut EU-Angaben jährlich 71 Tüten, in einigen europäischen Staaten seien es weit mehr als 400 Stück.

Mitmachen: Unterschreiben Sie die Petition von "Rettet den Regenwald e.V."

Nach Angaben von "Rettet den Regenwald e.V." gelangen jedes Jahr in der EU acht Milliarden Plastikbeutel in die Umwelt. Der EU-Gesetzesentwurf, über den am 17. April abgestimmt wird, enthalte zwar "Schritte in die richtige Richtung," die Fristen seien aber sehr lang, so der Verein. Und die angestrebte Reduktion der besonders schädlichen dünnen Gemüse- und Obstbeutel um 80 Prozent bis 2019 bedeute immer noch 20 Milliarden erlaubte Plastiktüten pro Jahr. Unter https://www.regenwald.org/aktion/935/aktion-stoppt-die-plastiktueten können Sie eine Petition unterschreiben, die die Abgeordneten des EU-Parlaments, den EU-Ministerrates und die Regierungen der Mitgliedsstaaten auffordert, sich "für eine drastische Verminderung des Plastikmülls in der EU und für ein rasches Verbot von Plastiktüten einzusetzen." Eine Maßnahme, die nur wenige Minuten Zeit kostet und dabei helfen kann, die riesigen Müllberge zu verkleinern.

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