Unbekannter Bekannter: HPV

Mittlerweile weiß fast jeder: HPV kann Gebärmutterhalskrebs auslösen. Aber das Humane Papillomvirus kann noch mehr anrichten: Feigwarzen, so genannte Kondylome. Das geht in der Öffentlichkeit oft unter. Weil es nicht dieselbe Schlagkraft besitzt wie Krebs und nicht lebensbedrohlich ist. Trotzdem kann es das Leben der Betroffenen ganz schön durcheinander bringen ...

Eine HPV-Infektion ist eine der am häufigsten durch sexuellen Kontakt übertragenen Krankheiten. Sie kann Gebärmutterhalskrebs auslösen. Das hören wir immer wieder. Die Infektion kann aber auch noch andere Folgen haben. HPV ist nämlich nicht gleich HPV. Es gibt viele verschiedene Virus-Typen, die sich in zwei Gruppen unterteilen lassen. Die high-risk-Gruppe ist die gefährlichere, weil sie Gebärmutterhalskrebs auslösen kann. Die low-risk-Viren scheinen dagegen nebensächlich. Sie können jahrelang im Organismus herumgeistern, ohne auszubrechen. Doch wenn sie ausbrechen, weil das Immunsystem geschwächt ist, dann wird es unangenehm: Es bilden sich nämlich Feigwarzen, sogenannte Kondylome. Im schlimmsten Fall äußerlich und innerlich.

Diese Auswüchse des Virus' können im Frühstadium durch eine spezielle Essiglösung sichtbar gemacht werden. Später sind die Kondylome auch mit bloßem Auge zu erkennen. Egal wie groß: Sie müssen weg. Das ist die einzige Chance, dem Virus Einhalt zu gewähren. Und das tut ziemlich weh: Die Kondylome können beispielsweise mit einer Salbe weggeätzt oder -gelasert werden. Je nach Ausmaß der Infektion ist teilweise auch ein Krankenhausbesuch notwendig.

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Wenn Sex weh tut

Amelie ist Anfang 20 und studiert. Sie hat mehrere Operationen hinter sich. Mit dem Laser wurden die Kondylome entfernt. Die oberste Hautschicht einer der empfindlichsten Stellen des Körpers wurde verbrannt. Eine Woche nach der Entlassung aus dem Krankenhaus fiel ihr das Laufen wegen der Schwellungen und den Schmerzen immer noch schwer. Und die fiesen Dinger kamen wieder.

Das passiert ziemlich häufig, sagte ihr die Ärztin damals. Die gerade frisch verheilte Haut wurde wieder behandelt. Diesmal ambulant. Die Schmerzen waren wieder da. Damit nicht genug: Die Kondylome kamen auch ein drittes Mal zurück. Jetzt sollte eine stark ätzende Salbe den Rest zerstören. Das Präparat entzündet die Hautstellen, damit die geballte Kraft des Immunsystems auf den Plan gerufen wird und dem Virus Paroli bietet. Die Haut blutet, pocht und brennt. Die akuten Operationsschmerzen gehen irgendwann vorbei.

Aber: Wenn der Eingriff äußerlich geschehen ist, kann eine kleine Narbe zurückbleiben.
Das hört sich zunächst nicht weiter schlimm an. Wer achtet an dieser Stelle schon auf Narben? Das Problem liegt anderswo: Das Narbengewebe ist nicht so elastisch wie gesunde Haut. Genau an der Stelle des Körpers, die elastisch sein muss. Im Klartext bedeutet das: Wird die Narbe nicht regelmäßig massiert und damit geschmeidig gemacht, reißt sie auf. Sex tut dann weh.

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Warum das Virus oft unbemerkt bleibt

Niemand weiß, von wem er wann die Infektion bekommen hat. Die lange Zeit, in der das Virus im Körper schlummert, macht die Identifizierung unmöglich. Männer übertragen die Viren meistens unbewusst. Selten sind die Kondylome für einen Laien erkennbar. Erst wenn sie sich gebildet haben, läßt sich das Virus bekämpfen.

HPV wird von vielen jungen Menschen unterschätzt. Die Gefahr, in jungen Jahren Krebs zu bekommen, sollte Abschreckung genug sein. Aber auch die vom Virus verursachten Kondylome sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Sie bedeuten nicht das Ende der Welt. Aber ihre Folgen sind bitter. Viele Paare trennen sich nach langer Leidenszeit. Eine junge Beziehung, in der Sex über Monate oder Jahre mit Schmerz gleichgesetzt wird, hat es schwer zu überleben.

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Interview mit einem Frauenarzt

BYM.de: Eine HPV-Infektion ist eine der am häufigsten sexuell übertragenen Geschlechtskrankheiten. Kann man sich mit dem Kondom zuverlässig gegen den HPVirus schützten?

Dr. Prohaska: Nein. Das Kondom ist kein 100-prozentiger Schutz. Die Viren sind nämlich nicht nur am Penis oder an der Scheide, sondern unter Umständen auch in anderen Bereichen, die mit dem Sekret in Kontakt gekommen sind. Durch Anfassen und Küssen kann das Virus durchaus übertragen werden. Das Kondom ist aber die beste Möglichkeit, sich vor dem Virus zu schützen.

BYM.de: Viele Paare schlafen nach einiger Zeit ohne Kondom miteinander. Ist es ratsam, sich vor dem ersten ungeschützten Geschlechtsverkehr auf HPV testen lassen?

Dr. Prohaska: Es gibt einen low-risk Test, der mittels eines Abstriches gemacht wird. Das Problem dabei ist aber, das die Viren überall in der Scheide sein können. Aber man kann ja nicht den ganzen Scheidenbereich abstreichen lassen. Deshalb muss man vor dem Abstrich genau wissen, welche Region betroffen ist. Die high-risk Gruppe wird am Muttermund festgestellt. Dieser Test ist insofern für ein Paar nicht notwendig als dass, wenn die Frau den Virus bereits hat, es für den Mann keine Konsequenz hätte, denn es löst bei ihm keinen Krebs aus. Er kann das Virus nur an andere Frauen weitergeben. Beim Mann ist es sehr schwierig, verlässliche Tests zu erhalten. Die Erkennungsrate liegt nur bei 60 Prozent.

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BYM.de: Wenn sich Kondylome einmal gebildet haben, ist eine Operation immer notwendig?

Dr. Prohaska: Bei ausgeprägtem Befall wird normalerweise operiert. Es gibt drei Möglichkeiten. Die Kältebehandlung, die selten gemacht wird, die Verbrennung der Kondylome durch Strom und die Lasermethode. Die Lasermethode ist am hautschonendsten. Aber auch hier können Narben entstehen. Und die bleiben. Wenn der Befall nicht sehr ausgeprägt war, habe ich immer erst versucht, die Patienten konservativ, also mit Medikamenten, zu behandeln.

BYM.de: Das Risiko einer Narbenbildung gehört also zu der Operation dazu. Wenn die Narbe einmal da ist: Was kann man dagegen machen?

Dr. Prohaska: Man kann die Narbe mit Creme weicher machen. Aber wenn die Narbe dauernd Beschwerden bereitet, dann kann man nur versuchen, mit einer sorgfältigen Operation entweder die Narbe herauszuschneiden und eine neue Narbe zu bilden, damit es weniger Narbengewebe gibt. Oder mit einer plastischen Operation das Narbengewebe umzugestalten und zu verschieben.

BYM.de: Seit einiger Zeit wird eine HPV-Impfung von der Ständigen Impfkommission (Stiko) und dem Robert-Koch-Institut empfohlen. Schützt die Immunisierung auch gegen die Kondylome?

Dr. Prohaska: Man kann vorbeugend gegen das low-risk-Virus impfen. Es gibt einen vierfachen Impfstoff. Der wirkt gegen zwei low-risk Viren und gegen zwei high-risk Viren. Man könnte auch die Männer impfen. Das wird diskutiert. Es ist aber nicht unbedingt sinnvoll so viel Geld (die Impfung kostet ca. 500 bis 600 Euro) für die Impfung auszugeben, weil Kondylome behandelbar sind und sie keinen Krebs auslösen.

Text und Interview: cr
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