Sina Trinkwalder: Nähen für eine bessere Welt

Sina Trinkwalder führt das erste Social Business Deutschlands: Sie beschäftigt die, die sonst keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben.

Wer sie ist: Eine 35-jährige Unternehmerin aus Augsburg, die im April 2010 die ökosoziale Kleidermanufaktur manomama (mano + mama = aus den Händen der Mütter) gründete - ohne Businessplan. Eine Idee, die Aufsehen erregte: So zeigt RTL eine vierteilige "Real-Life-Doku" über ihren Arbeitsalltag und die Hürden, die man mit einem solchen Konzept meistern muss. Die Reihe "Made in Germany" startete am 6. Januar.

Wie sie dahin kam: Mit 13 fing sie an, für eine Zeitung zu schreiben und zu fotografieren. Mit 15 zog sie von zu Hause aus, mit 20 bildete sie in ihrer eigenen Werbeagentur Menschen aus. Ihr Politik- und BWL-Studium brach sie ab. Und ihren gut bezahlten Job als Werberin und Unternehmensberaterin gab sie auf, um sich in der Textilwirtschaft - der "Drecksaubranche", wie sie es nennt - für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen. Ihr Mann hält ihr den Rücken dafür frei: Er kümmert sich um den gemeinsamen achtjährigen Sohn und führt die Werbeagentur weiter.

Was sie tut: Früher schmiss sie im Auftrag anderer Leute raus, heute stellt sie Leute ein - und zwar die, die sonst keiner will: Langzeitarbeitslose, Aussortierte. Vor allem Frauen, von denen viele eine lange Leidensgeschichte haben. Manomama ist das einzige Social Business in der Textilbranche in Deutschland. In ihrer Fabrik, die mitten in Augsburg zwischen einem Einkaufscenter und einem Fastfood-Restaurant liegt, gehört Sina Trinkwalder zu den Jüngsten. Rund 100 Näherinnen produzieren dort ökologisch einwandfreie, aus der Region stammende Textilien unter transparenten und fairen Bedingungen. Statt viel Geld in Werbung und Einzelhandel zu stecken, beschränkt sich die Sozialunternehmerin lieber auf den Onlineverkauf und bezahlt ihre Mitarbeiter über Tarif - plus Bonus, wenn sie mehr als ihr Mindestsoll schaffen. Der Gewinn von manomama wird in neue Arbeitsplätze investiert.

Ihre größten Hürden: Sie bekam keinen Kredit von der Bank und keine Fördermittel vom Staat, denn ihr Konzept ist für den Wirtschaftsfonds zu sozial und für den Sozialfonds zu ökonomisch. Stattdessen finanzieren über Facebook und Twitter rekrutierte Maschinenpaten die 87 Industrie-Nähmaschinen. Außerdem stecken der gesamte Gewinn aus Trinkwalders Werbeagentur und das Erbe des Schwiegervaters in dem Unternehmen - mehr als eine Million Euro.

Was sie sagt: "Produzieren, mit den Händen arbeiten, da müssen wir hin. Wir müssen die Leute mitnehmen. Wir können doch nicht alle rumhirnen." "Ich wollte nie einen Chef haben. Darum habe ich meine eigene Agentur eröffnet." "Lieber echte Ideale als falsche Karriere."

Live auf Facebook: Sina Trinkwalder im Interview

Wir haben Sina Trinkwalder auf Facebook interviewt. Hier ihre Antworten zum Nachlesen.

Erfahren Sie mehr über Sina Trinkwalders Label manomama

BRIGITTE-Redakteur Georg Cadeggianini hat Sina Trinkwalders Textilfabrik besucht. Lesen Sie hier seine Reportage "Willkommen im Paradies"

Sina Trinkwalder auf Twitter

Zitatquellen: taz
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