Unwort des Jahres: Herdprämie

Die Sprachkritiker haben "Herdprämie" zum Unwort 2007 gewählt. Ihre Begründung: Der Ausdruck beleidigt Frauen, die ihre Kinder zu Hause betreuen.

CSU-Politiker forderten im vergangenen Frühjahr einen Erziehungsbonus für Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen. Kritiker beschimpften diese geplante Zahlung als "Herdprämie". Die Jury um den Sprachwissen- schaftler Horst Dieter Schlosser wählte die "Herdprämie" jetzt zum Unwort des Jahres 2007.

Auf Platz 2 der Unwort-Liste steht das Wort "klimaneutral". Die Juroren kritisierten, dass mit dieser beschönigenden Bezeichnung der Ausstoß von Kohlendioxid ausgeweitet werden soll, ohne dass die Klimabelastung tatsächlich "neutralisiert" werde, wie es das Wort sagt. Professor Schlosser: "Uns lag eine Pressemitteilung vor, in der der Verband der deutschen Verkehrsflughäfen behauptet hatte, dass 50 Prozent der Steigerung des Flugverkehrs seit 1991 'klimaneutral' gewesen seien."

Der Kölner Kardinal Meisner ist mit einem Ausdruck aus der Zeit des Nationalsozialismus auf Platz 3 der Unwort-Liste gerückt. Er nannte Kunst und Kultur, die ihre religiöse Bindung verliere, "entartet". Die Nationalsozialisten bezeichneten mit diesem Wort die Werke von Künstlern, die sich nicht in ihre Ideologie einfügten. Die Werke dieser Künstler wurden zerstört und aus Museen entfernt, sie selbst verfolgt oder ermordet.

Ein Unwort ist ein sprachlicher Missgriff, der sachlich unangemessen ist oder sogar die Menschenwürde verletzt. 2006 entschied sich die Jury für "Freiwillige Ausreise".

Die "Herdprämie" wurde unter anderem von Userin "Eva 2" auf Brigitte.de als Unwort des Jahres vorgeschlagen. Auch die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden hat den Ausdruck bei der Wahl zum Wort des Jahres auf Platz 2 gewählt. Im Gegensatz zum "Unwort" ist das "Wort des Jahres" jedoch nicht negativ belegt. Es hat lediglich die öffentliche Diskussion eines Jahres besonders bestimmt.

Wie finden Sie den Ausdruck "Herdprämie"?

Eine Frechheit gegenüber Frauen, die sich entscheiden, ihr Kind selbst zu betreuen? Oder eine treffende Bezeichnung für das CSU-Vorhaben, die Frauen durch das Betreuungsgeld zurück an den Herd zu drängen?

Was sagen Sie zum Ausdruck "Herdprämie"? Nutzen Sie die Kommentarfunktion!

mhe/ Foto: TV-yesterday
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