Überzeugte Nicht-Mutter Verena Brunschweiger: "Ein Kind ist das Schlimmste für die Umwelt"

Verena Brunschweiger verzichtet bewusst auf Kinder, denn für sie ist "ein Kind das Schlimmste für die Umwelt". Mit ihren Thesen bringt die Autorin Millionen Eltern gegen sich auf - klickt auf das Video und seht, warum sie so eine extreme Meinung vertritt!

Wenn eine Frau sich heutzutage gegen Kinder entscheidet, sorgt das noch immer für viel Entsetzen und Unverständnis. Eine Frau, die keine Kinder will, wird oft mit kritischen Nachfragen konfrontiert. Wie, du willst keine Kinder? Warum denn bloß? 

Die deutsche Lehrerin und Buchautorin Verena Brunschweiger (38) war so genervt davon, immer wieder nach den Gründen für ihre Entscheidung gegen Kinder gefragt zu werden, dass sie all ihre Antworten in einem Buch gebündelt hat. Und das hat es in sich. Ausführlich beantwortet die aktive Feministin, Soziologin und Philosophin Verena Brunschweiger in "Kinderfrei statt kinderlos: Ein Manifest", warum sie sich für ein Leben ohne Nachwuchs entschieden hat und stößt damit Millionen Menschen mit Kindern extrem vor den Kopf.    

Denn unter anderem spielte für Verena Brunschweiger eine ganz entscheidende Rolle bei ihrer Kinder-Entscheidung der Gedanke an unsere Umwelt. Sie sagt:

Ein Kind ist das Schlimmste, was man der Umwelt antun kann. Jedes nicht in die Welt gesetzte Kind bedeutet eine CO2-Einsparung von rund 50 Tonnen im Jahr. 

Mit dieser umstrittenen Aussage beruft sich Verena Brunschweiger auf eine kanadische Studie. Außerdem, so Brunschweiger, sei ihr kinderfreier Lebensstil auch eine Rebellion gegen soziale Erwartungen und eine feministische Entscheidung. "Die ganze Kultur ist darauf ausgerichtet, Kinder zu wollen“, erklärt die Autorin in einem Interview mit dem österreichischen "Kurier". Der Status der Frau sei noch immer sehr eng mit der Rolle als Mutter verknüpft.

Verena Brunschweiger spricht bewusst von "kinderfrei" statt "kinderlos". Letzteres beziehe sich auf Frauen, die nicht schwanger werden können, obwohl sie sich ein Kind wünschen. "Kinderfrei" stehe hingegen dafür, so Brunschweiger, "eine profunde und reflektierte Entscheidung getroffen zu haben".

Wie genau sie zu diesem Entschluss kam, erläutert Verena Brunschweiger hier im Interview mit BRIGITTE.de:

BRIGITTE.de: Frau Brunschweiger, Sie sind überzeugte "Nicht-Mutter": Wann und warum haben Sie sich gegen Kinder entschieden?  

Verena Brunschweiger: Im Prinzip war das ein Prozess: Je mehr ich gerade zum Klimawandel las, desto mehr verfestigte sich mein Entschluss. Ich rezipiere ja vor allem die angloamerikanische Presse, wo es längst bekannt ist, dass der Verzicht auf ein Kind der mit Abstand größte individuell mögliche Beitrag zum Umweltschutz ist.

Hatten Sie niemals Zweifel an Ihrer Entscheidung?  

Ich bin "erst" 38... Vielleicht überkommen mich in zehn Jahren Zweifel, was ich aber nicht glaube, da ich die Thematik ja rational angehe und immer stolz sein werde, dass ich dazu beigetragen habe, dass es nicht auch bei uns in 20 Jahren schon Kämpfe um lebensnotwendige Ressourcen gibt.   

Wie hat Ihr Mann auf Ihre Entscheidung gegen Kinder reagiert?   

Wie ich es von einem Feministen erwarte: positiv! Er unterstützt mich in jeder meiner Entscheidungen. Außerdem kann er als Mathe-Lehrer gut logisch denken und verstand meine Ausführungen sofort.

Sie behaupten: "Kinder sind mit das Schlimmste, was man der Umwelt antun kann". Warum?   

Alle anderen Beiträge zum Umweltschutz, die individuell möglich sind, wie zum Beispiel aufs Fliegen und Fleisch essen verzichten (tue ich übrigens zusätzlich), zusammen genommen ergeben nur einen winzigen Bruchteil der Einsparung an CO2 pro Jahr pro Kind – insofern ist das eine klare, erschreckende Tatsache.  

Basierend auf den Forderungen der Wissenschaftler des "Club of Rome" halten Sie es für eine gute Idee, dass jede Frau, die der Umwelt zuliebe kein Kind bekommt, mit 50 Jahren 70.000 Euro Prämie erhalten sollte – glauben Sie wirklich, dass viele Frauen für eine solche Prämie auf Kinder verzichten würden?   

Es geht eher darum, Frauen, die sich auch jetzt schon – ohne Prämie – für ein umwelt- und verantwortungsbewusstes Lebensmodell entscheiden, zu fördern und zu unterstützen und nicht nur immer die anderen.  

Was glauben Sie, ließe sich erreichen, wenn mehr Menschen auf Kinder verzichten würden?   

Der unaufhaltsame Klima-Kollaps könnte wenigstens verlangsamt werden. Ich fände es schön, wenn es auch in 20 Jahren noch freilebende Großtiere gäbe und Luft und Wasser für alle, die schon da sind.   

Außerdem sind Sie der Meinung, dass Familien nicht mehr staatlich unterstützt werden sollten. Warum das?   

Siehe oben ... Ich frage mich, warum ein Projekt, das so schädlich ist für die Umwelt, gefördert wird. Ich zitiere aus dem Vorwort zu meinem Buch: 'Bringing children into this world is like carrying wood to a burning house'. 2019 sollten wir eigentlich weiter sein und wissen, dass man, wenn man keine Luft und kein Wasser mehr hat, auch keine Rente mehr brauchen wird ...  

In Ihrem Buch beschweren Sie sich auch über das "asoziale Gebaren" von Müttern. Was genau meinen Sie damit?  

Das ist ja Gott sei Dank nur eine kleine Gruppe von Müttern und Vätern, die ihren Erziehungsauftrag nicht erfüllen wollen und oder können. Wenn man seine Kinder beispielsweise stundenlang im Wohnzimmer Fußballspielen lässt, obwohl darunter Leute arbeiten wollen, finde ich das eine Katastrophe.  

Fühlen Sie sich als kinderlose Frau diskriminiert?   

Ich bin eine kinderfreie Frau und fühle mich als solche tatsächlich diskriminiert im pronatalistischen Deutschland. In anderen Ländern ist das ganz anders ...  

Keine Kinder zu bekommen ist für Sie auch eine feministische Entscheidung. Warum?   

Gebären ist der wichtigste patriarchale Imperativ, insofern kommt das für mich gar nicht in Frage. Ich erfülle ja die anderen Imperative auch nicht (Haarefärben etc.). Mir missfällt jede Doktrin, die Frauen auf ihren Körper reduzieren will. Man gerät als Mutter leicht in Abhängigkeiten aller möglichen Art, setzt sich körperlichen Risiken aus usw. Darüber hinaus lasse ich mich von rechten Parteien auch nicht für ihren Geburtenkrieg einspannen. 

Wenn Sie Eltern danach fragen, warum sie sich für Kinder entschieden haben, sagen viele: aus Liebe. Ihre Kinder sind für sie das größte Glück auf Erden. Spielen solche Gefühle für Sie gar keine Rolle?

Doch, natürlich, sonst hätten mein Mann und ich ja auch nicht ernsthaft überlegt, ob wir eventuell doch selbst Eltern werden wollen... Die Zahlen haben uns dann aber zur rücksichtsvolleren Entscheidung gebracht. Es ist eben keine rein private Entscheidung; sie betrifft immer alle.

Wenn es nach Ihnen geht, wäre es also optimal, wenn Menschen überhaupt keine Kinder mehr bekommen und die Menschheit somit eines Tages ausstirbt?

Ich persönlich bin nicht bei VHMT (Voluntary Human Extinction Movement - ("eine Bewegung, die für das freiwillige Aussterben der Menschheit eintritt", Anmerkung der Redaktion)), kann die Position aber gut verstehen, da es für die restliche Biosphäre natürlich sehr erholsam wäre ... Aber die für Deutschland "ideale" Zahl von 38 Millionen – das fände ich gut, dann gibt es vielleicht erst in 30, nicht schon in 20 Jahren Ressourcenkriege hier bei uns. Unsere momentane Zahl bedeutet leider, dass wir mehr als 3 Erden brauchen würden – und wir haben halt nur eine.

Sie arbeiten als Lehrerin und verbringen viel Zeit mit Kindern. Haben Sie infolge Ihrer kinderfeindlichen Äußerungen jetzt Schwierigkeiten im Job?   

Wir haben momentan Ferien ... Außerdem sind meine Äußerungen ja in keinster Weise kinderfeindlich; nur dumme und oder böse Menschen verstehen mich da (absichtlich?) falsch. Wie ich schon mehrfach betont habe, geht es überhaupt nicht um Kinder, die schon da sind, sondern um potenzielle neue. Ich wende mich an junge Paare, die sich überlegen, ob sie ein Kind wollen oder nicht.   

Sie schreiben auch, dass Sie von Fluggesellschaften eigentlich eine Ermäßigung bekommen müssten, wenn ein Kind den ganzen Flug über schreit und damit andere Passagiere stört. Finden Sie, dass in Deutschland generell mehr für "Kinderlose" getan werden müsste?   

Kinderfreie und Kinderlose haben gar keine Lobby oder Stimme in Deutschland. Das möchte ich ändern.

Viele Menschen heutzutage haben Angst vor polarisierenden Äußerungen, weil Sie einen Shitstorm fürchten. Wie ist das bei Ihnen?  

Das juckt mich ehrlich gesagt nicht die Bohne. Aber ich habe es in meinem zweiten Buch ja auch schon furchtlos mit der gesamten Porno- und Prostitutionsindustrie aufgenommen, insofern ist Mut wohl eine charakteristische Eigenschaft von mir ...

Heftig Kritik für die Lehrerin

Für ihre Thesen wird Verena Brunschweiger heftig kritisiert. In sozialen Netzwerken ist beispielsweise zu lesen, ihre Aussagen seien "menschenverachtend" und "ihre sofortige Entfernung aus dem Schuldienst sei gut vertretbar und geboten." Eltern zeigen sich genervt von der erneuten Debatte zu den Fragen, wer dem Klima am meisten schadet und wer warum wie viel Unterstützung vom Staat erhalten sollte. 

Ablehnend  zu dem Manifest von Brunschweiger äußert sich gegenüber der "Bild" auch der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger: "Ich hoffe, dass die Dame als Lehrkraft mehr Empathie für ihre SchülerInnen aufgebracht hat, als diese unsäglichen Äußerungen befürchten lassen." 

Allerdings gibt es auch Stimmen, die die Autorin in Schutz nehmen und Verständnis für ihre Positionen signalisieren. Eine Frau schreibt zum Beispiel auf Twitter: "Twitter Diskussionen sind immer so extrem. Man kann sich doch eingestehen, dass Kinder in die Welt zu setzen die Umwelt belastet, und sich trotzdem für Menschen freuen, die sich Kinder wünschen und bekommen ... Jepp, beides geht."

Videotipp: 

Verena Brunschweiger
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