"Frauen, die abends ausgehen, sind selbst schuld!"

Die tödliche Vergewaltigung einer jungen Frau in Neu-Delhi sorgte 2012 für weltweites Entsetzen. Jetzt meldet sich einer der sechs Täter zu Wort - und gibt dem Opfer die Schuld.

Am 16. Dezember 2012 beging Mukesh Singh aus Neu-Delhi ein grausames Verbrechen. Zusammen mit fünf anderen Männern vergewaltigte der damals 26-jährige Inder eine junge Frau in einem Minibus. Mehr als eine Stunde lang fielen sie über sie her, schlugen mit einer Eisenstange auf sie ein, warfen sie anschließend nackt auf die Straße und versuchten, sie zu überfahren.

Die 23-jährige Medizinstudentin Jyoti Singh war mit einem Freund auf dem Heimweg von einem Kinobesuch. Auch er wurde schwer misshandelt. 13 Tage nach der Gruppenvergewaltigung starb die junge Frau an ihren inneren Verletzungen. Der Fall sorgte weltweit für Entsetzen und löste eine Debatte über die Stellung der Frau in der indischen Gesellschaft aus.

Nun hat sich einer der sechs Täter erstmals öffentlich zu der Tat geäußert. "Ein Mädchen ist weit mehr verantwortlich für eine Vergewaltigung als ein Junge", sagte Mukesh Singh einem BBC-Reporter, der ihn im Gefängnis besuchte. Am 8. März, dem Weltfrauentag, soll seine Dokumentation ausgestrahlt werden. "Mit einer Hand kann man nicht klatschen - dazu braucht es zwei Hände", zitiert der britische Telegraph Singh aus dem Interview.

Und weiter: "Ein anständiges Mädchen würde nicht abends um 21 Uhr noch draußen herumlaufen." Für Mädchen sei der Haushalt vorgesehen - in Bars und Diskos würden sie in falscher Kleidung falsche Dinge tun. "Nur 20 Prozent der Mädchen sind gut", sagte Singh im Interview.

Mukesh Singh schiebt jegliche Verantwortung von sich. Er bezeichnet den brutalen Mord sogar als "Unfall", der nicht geschehen wäre, wenn sich das Opfer nicht gewehrt hätte: "Sie hätte einfach ruhig sein sollen und die Vergewaltigung geschehen lassen. Dann hätten wir sie abgesetzt, nachdem wir mit ihr fertig waren, und nur den Jungen verprügelt."

Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, gibt Singh eine düstere Zukunftsprognose ab. Sollte die Todesstrafe, die gegen ihn verhängt wurde, vollstreckt werden, würde dies das Leben künftiger Vergewaltigungsopfer bedrohen. Bisher hätten Männer, die Frauen vergewaltigen, ihre Opfer nach der Tat laufen lassen. "Nun töten sie die Frauen aus Angst vor einem Schuldspruch", ist sich der Vergewaltiger sicher.

Nicole Wehr

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