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Viele Mädchen haben keinen Zugang zu Verhütungsmitteln

In vielen Teilen der Welt haben die Menschen keinen Zugang zu Verhütungsmitteln - so wie Purity (2.v.r.) aus Sambia.

"Leute, die über Kondome aufklären, fördern Prostitution"

Am Anfang ist es eine Teenagerromanze, wie sie millionenfach passiert auf der Welt. Purity, 13, und Saviour, 15, beide aus Sambia, lernen sich auf dem Schulweg kennen. Sie unterhalten sich, mögen sich, küssen sich. Irgendwann schlafen sie miteinander. Ohne Kondom. Denn über Verhütung wissen sie nichts. "Leute, die über Kondome aufklären, fördern Prostitution", findet der Chief ihres Dorfes im Norden Sambias. Aufklärungsveranstaltungen gibt es in seiner Gemeinde daher nicht. Und die nächste Gesundheitsstation, wo man Kondome kriegen könnte, ist weit weg.

Fast jede dritte Frau wird hier Mutter, bevor sie 18 ist

Purity wird schwanger, mit 14. Und das Paar muss seine Träume begraben: Purity wollte Krankenschwester werden, Saviour Arzt. Doch wenn ein lediges Mädchen schwanger wird, sehen die meisten Eltern im ländlichen Sambia nur einen Weg, seine Würde zu retten. "Ihr heiratet", bestimmten sie. "Und mit der Schule ist Schluss. Sucht euch Jobs, die Geld bringen."

Purity ist nicht die einzige mit diesem Schicksal. Fast jede dritte Frau in Sambia wird Mutter, bevor sie 18 ist, fast jede zweite heiratet minderjährig. Ohne Abschluss haben sie aber kaum Möglichkeiten, einen Beruf zu erlernen. Die meisten bleiben deshalb zu Hause, ohne Chance auf finanzielle Selbstständigkeit.

Die Schulbildung ist damit beendet

Doch Purity hat Glück. Vor drei Jahren startete die Hilfsorganisation "Plan International" in ihrem Dorf und vielen anderen Gemeinden rund um die Provinzstadt Mansa ein Projekt, das Mädchen dabei unterstützt, kleine Unternehmen zu gründen. Aus jeder Gemeinde darf mindestens ein Mädchen an einem sechsmonatigen Berufstraining in Mansa teilnehmen. Mit einer Grundausstattung von Plan für eine Schneiderei, eine Viehzucht oder einen Kiosk kehrt es danach zurück und gibt sein Wissen an die anderen Mädchen weiter.

Parallel dazu versuchen die Plan-Mitarbeiter, den Chiefs der Dörfer klar zu machen, wie verhängnisvoll frühe Schwangerschaften und Ehen für die Mädchen sind: Sie sollen Familienplanung und Verhütung stärker fördern.

"Auch Mädchen können Unternehmen gründen"

Als sie 15 ist, wird auch Purity in die Mädchengruppe ihres Dorfes aufgenommen. Regelmäßig arbeitet sie seither im Kiosk, den die Jugendlichen gegründet haben, und freut sich, dass sie und ihre inzwischen zwei Kinder nicht mehr komplett von Saviours Arbeit in der Landwirtschaft abhängig sind.

Nebenbei lernen die Mädchen, neue Einnahmequellen zu erschließen. Purity züchtet jetzt auch Hühner und pflanzt Maniok an. Und wird mit jedem Projekt selbstbewusster. "Auch Mädchen können Unternehmen gründen", sagt sie. "Es ist wichtig, dass die Leute das wissen." Die Verzweiflung von Saviour und ihr über die ungewollte Schwangerschaft ist dem Willen gewichen, ihre Zukunft besser zu planen. "Jetzt reden wir auch über Verhütung", sagt sie.

Der Chief ihres Dorfes ist noch nicht so weit. Doch zumindest lehnt er Teenagerehen neuerdings ab, zehn hat er so schon verhindert. Und er sorgt dafür, dass die Eltern ihren verheirateten Kindern erlauben, weiter zur Schule zu gehen. "Als Strafe", sagt er, "müssen sie sonst einen Teil meines Felds bestellen oder mir zwei Ziegen geben."


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