Wie Bilder von Models auf Kinder wirken

Die spanische Künstlerin Yolanda Domínguez bat Kinder, die Werbemotive bekannter Modemarken zu beschreiben. Ihre Antworten stimmen nachdenklich.

Mal schauen sie ungläubig, mal verwirrt, mal ernst auf das iPad vor ihnen: Die achtjährigen Kinder in diesem Video betrachten Werbekampagnen großer Modemarken - wie etwa Hugo Boss, Alexander Wang oder Marc Jacobs. Besonders die Inszenierung der weiblichen Models stellt die Grundschüler vor viele Fragen: "Hat sie Angst? Weint sie? Braucht sie Hilfe? Ist sie hungrig? Muss sie sterben?"

Das sind völlig berechtigte Fragen, denn die Motive zeigen Frauen in meist unterwürfigen Posen. Am Boden kniend, reglos auf der Straße, im Streit mit anderen Frauen oder (warum auch immer) lachend in der Mülltonne. Doch egal, wie absurd Models inszeniert werden: Wir haben uns offenbar so sehr daran gewöhnt, dass wir solche Bilder nicht mehr hinterfragen.

Das will die spanische Künstlerin Yolanda Domínguez, die schon 2013 mit ihren modekritischen Aktionen für Aufsehen sorgte, mit ihrem Video ändern. Sie bittet die Kinder, die Bilder zu beschreiben und zu überlegen, wie sich die gezeigten Models wohl fühlen.

Die Antworten fallen sehr ähnlich aus: Während die Fotos der Frauen bei den jungen Betrachtern vor allem Mitleid und ein Verlangen nach Fürsorge auslösen, denken sie bei den Männern an starke, glückliche und erfolgreiche Heldenfiguren - was auch kaum verwundert, werden sie doch mit stolzer Brust und vorzugsweise von unten fotografiert, sodass sie noch größer wirken.

Am Ende des Videos stellt Domínguez die berechtigte Frage: "Nehmen nur Kinder die Gewalt wahr, mit der Frauen in Modestrecken dargestellt werden?" Offenbar - und leider - ja.

nw
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.