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Studie zeigt Viertklässler:innen können deutlich schlechter lesen als vor der Pandemie

Ein Mädchen sitzt an einem Tisch und liest ein Buch
© wong sze yuen / Shutterstock
Die Ergebnisse sind alarmierend! Die aktuelle Generation von Schüler:innen der vierten Klassen in Deutschland zeigen generell eine wesentlich geringere Lesekompetenz als noch vor fünf Jahren – die Pandemie hat den Effekt noch verstärkt.

Die Corona-Pandemie hat die schulischen Bildungsprozesse weltweit beeinträchtigt. Ein Forschungsteam am Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) der TU Dortmund unter der Leitung von Prof. Dr. Nele McElvany hat nun nach eigenen Angaben erstmalig wissenschaftlich repräsentative Daten zum Stand der Lesekompetenz von Viertklässler:innen vor und während der Corona-Pandemie vorgelegt. Für die Studie wurde bei insgesamt fast 4.300 Grundschüler:innen an 111 Schulen das flüssige und sinnerfassende Lesen getestet.

Die Lesekompetenz der Schüler:innen der vierten Klassen haben deutlich nachgelassen

Das wichtigste Ergebnis: Die mittlere Lesekompetenz von Schüler:innen in der vierten Klassenstufe im Jahr 2021 unterscheidet sich von derer Gleichaltriger vor der Pandemie im Jahr 2016 erheblich. Den Kindern fehlt in etwa ein halbes Schuljahr.

Nach häufigen Wechseln zwischen Distanz- und Präsenzlernen und den dazu kommenden Ausfällen stellten die Forscher:innen Leistungsabfälle bei allen Gruppen unter den Viertklässler:innen fest. Demnach sank der Anteil der starken und sehr starken Leser:innen auf 37 Prozent – 2016 waren es noch 44 Prozent. 28 Prozent können nur schwach oder sehr schwach lesen – vor fünf Jahren waren das mit 22 Prozent noch deutlich weniger Schüler:innen.

Schlechte Lernbedingungen führen zu einer abgeschwächten Lesekompetenz

Grundsätzlich haben Mädchen meist eine stärkere Lesekompetenz. Sie lesen zwar weiterhin besser als die Jungen, jedoch seien bei beiden Geschlechtern die negativen Effekte der Pandemie in etwa gleichem Ausmaß festgestellt worden, heißt es in der Studie. Zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund wurde der ohnehin schon bestehende deutliche Unterschied tendenziell noch größer. Hinzu kommt, dass auch die Lernbedingungen eine Rolle spielen, also etwa Lernen ohne eigenen Schreibtisch, die technischen Geräte oder zuverlässiges Internet. Kinder, die mit diesen Umständen zu kämpfen haben, verlieren noch stärker.

Die Lesekompetenz wird zentral in der Grundschule erworben und ist eine Schlüsselqualifikation für den weiteren Bildungsweg. Gerade die vierte Klasse ist aufgrund des Wechsels in weiterführende Schulen ein besonders kritischer Zeitpunkt.

Verwendete Quellen: "Pressemitteilung der TU Dortmund", "Institut für Schulentwicklungsforschung", "zeit.de"

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei Eltern

slr

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