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Waris Dirie: Wurde die Frauenrechtlerin vergewaltigt?


Vor dem EU-Parlament wollte sie eine flammende Rede gegen die Beschneidung afrikanischer Frauen halten und später an einer Konferenz zum Thema "Gewalt gegen Frauen" teilnehmen. Dann verschwand UN-Sonderbotschafterin und Bestseller-Autorin Waris Dirie in Brüssel drei Tage lang spurlos.

Das aus Somalia stammende Ex-Model, das sich weltweit gegen die Beschneidung von Frauen einsetzt, hatte seine Rede am Abend des 4. März zusammen mit seinem Manager vorbereitet und war danach in eine Disko gefahren. Später in der Nacht habe eine Polizeistreife Waris Dirie ohne Geld und Papiere aufgegriffen, heißt es, und sie bei der Suche nach ihrem Hotel unterstützt. Nach einer zweistündigen Irrfahrt sei sie schließlich vor dem Crowne Plaza Hotel ausgestiegen und habe sich ein Taxi genommen. Dann verlief sich ihre Spur.

Drei Tage später wurde die 43-Jährige auf dem Grand Place in Brüssel von der Polizei entdeckt. Sie erklärte, sie habe sich verlaufen. Ohne Geld sei sie durch Brüssel geirrt und habe sich in den Foyers verschiedener Hotels ausgeruht. Später sagte sie dem belgischen Fernsehsender VTM, alles sei nur ein "kleines Missverständnis" gewesen, das ihr sehr leid tue. Ihr Verschwinden hatte eine Großfahndung ausgelöst - bereits Anfang Februar war das afrikanische Model Katoucha Niane tot in der Seine bei Paris aufgefunden worden. Auch sie hatte sich gegen die Genitalverstümmelung eingesetzt.

Entgegen Diries' ursprünglicher Aussage wird ein Verbrechen inzwischen nicht mehr ausgeschlossen: Am Abend des 9. März erklärte ihr Anwalt Gerold Ganzger, der auch das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch vertritt, dass die UN-Sonderbotschafterin zwei Tage lang von einem Taxifahrer festgehalten und sexuell bedrängt worden sei. Bei einer versuchten Vergewaltigung habe das Opfer Verletzungen an Schultern und Beinen erlitten. Sie habe den Behörden nichts über die Vorfälle erzählt, "weil sie nicht darüber reden wollte." Nach ihrer Aussage bei der Polizei am Freitag habe die Frauenrechtlerin einen Nervenzusammenbruch gehabt. Danach wurde Dirie in ein österreichisches Krankenhaus gebracht.

Inzwischen wurde sie in ihrem Krankenbett von Regisseur Hannes Rossacher gefilmt. In dem Video erzählt Waris Dirie ihre Version der Geschichte, in der sie die belgische Polizei anklagt: Man habe sie wegen ihrer Hautfarbe wie eine Prostituierte behandelt. Das Video "Waris Dirie - My Belgium Nightmare" ist auf Youtube zu sehen.

In ihrem Bestseller "Wüstenblume" (1998) hatte Dirie beschrieben, wie sie in ihrer Heimat Somalia beschnitten wurde und mit 13 Jahren nach London floh, weil sie zwangsverheiratet werden sollte. Es folgten die Werke "Nomadentochter", "Schmerzenskinder" und "Brief an meine Mutter". Im Jahr 2002 gründete die vielfach ausgezeichnete Frauenrechtlerin die heutige "Desert Flower Foudation". Die Stiftung sammelt Geld für eigene Projekte in Somalia, Senegal und Sudan.

Text: sar

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