Warum so viele Mädchen nicht zur Schule gehen

Das äthiopische Mädchen Shesheg (13) konnte lange nicht zur Schule gehen - weil sie für ihre Familie Wasser holen musste. Wie viele andere auch. 

Shesheg, 13, lebt in der Nähe des Wallfahrtsortes Lalibela in Äthiopien. Dank einer neuen Pumpe in ihrem Dorf muss sie nicht mehr täglich mehrere Stunden zur nächsten Wasserstelle gehen. "Jetzt kann ich mich auf die Schule konzentrieren", sagt sie.

Sechs Stunden Fußmarsch täglich - nur für sauberes Wasser 

Drei Stunden hin, drei Stunden zurück, das war der Weg, den Shesheg täglich laufen musste. Mit einem 25-Liter-Kanister auf dem Rücken wanderte die 13-Jährige jeden Morgen durch das felsige Hochland von Äthiopien, um für ihre Familie Wasser zu besorgen - stets auf der Hut vor Dorfjungen, die sie mit Steinen bewarfen, und vor Männern, die sie vergewaltigen könnten. Erst danach konnte sie mit großer Verspätung zur Schule gehen. Oft klappte es gar nicht.

Shesheg ist ein zartes Mädchen mit wachem Blick. Mit ihren Eltern und ihren sechs Geschwistern lebt sie in einer schlichten Steinhütte in der Nähe der Stadt Lalibela. Der 800 Jahre alte Wallfahrtsort ist ein wichtiger Treffpunkt für äthiopisch-orthodoxe Christen. Elf Kirchen wurden hier im 12. und 13. Jahrhundert in das rote Basaltgestein des Bodens gemeißelt, sie gehören zum Weltkulturerbe der Unesco. Die Landschaft ringsum mutet biblisch an: strohbedeckte Hütten, Ochsen vor Pflugscharen, in der Ferne die Berge.

Der Regen blieb aus

Doch die Idylle hat sich in eine Todeszone verwandelt. Seit 2015 herrscht hier die schlimmste Dürre, die Äthiopien in den vergangenen 30 Jahren erlebt hat. Das Wetterphänomen El Niño hat die beiden üblichen Regenzeiten ausbleiben lassen, das Hochland wurde zur Wüste, in der nichts mehr gedeiht. Die Menschen verhungern oder sterben an Krankheiten, mit denen sie sich durch das Trinken von verschmutztem Wasser infizieren. Deshalb gehen viele Mädchen wie Shesheg kaum noch zur Schule, sondern jeden Tag auf Wassersuche.

Eine Pumpe für Sheshegs Zukunft

Zumindest für Shesheg haben die Gewaltmärsche zur nächsten Wasserstelle aber nun zum Glück ein Ende gefunden. Fünf Minuten von ihrem Haus entfernt wurde mit Unterstützung von Plan International im letzten Jahr eine Pumpe installiert, die 333 Haushalte – mehr als 1600 Menschen – mit sauberem Trinkwasser versorgt.

Shesheg muss keinen Unterricht mehr versäumen, das ist für sie das Allerwichtigste. Denn sie will Ärztin werden – ein Beruf, den Äthiopien dringend braucht: 2013 gab es dort laut Weltgesundheitsorganisation nur drei Ärzte pro 100 000 Einwohner, in Deutschland waren es fast 400. "Ich bin so froh", sagt Shesheg. "Seit wir die Pumpe haben, hat sich mein Leben völlig verändert."

Seit 1974 ist Plan International in der Region aktiv. Auch Sheshegs Schule wurde, finanziert durch Patenschaftsbeiträge, von der Organisation mit den Bewohnern der Gegend errichtet. 337 Schüler werden hier unterrichtet, mehr als die Hälfte davon sind Mädchen. Deren Bildung ist ein Schwerpunkt der Arbeit von Plan International. Weil man seine Familie mit Wasserschleppen zwar vor dem Verdursten retten kann, aber nicht aus der Armut. Und genau das hat Shesheg ziemlich fest vor.

Info: Falls ihr Plan International unterstützen möchtet, könnt ihr für 28 Euro/Monat eine Patenschaft abschließen.  

Wer hier schreibt:

Kristina Maroldt
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