Was brauchen wir zum Leben?

Dafür gibt es keine Geheimformel, denn das ist sehr individuell. Aber es gibt ein paar elementare Dinge, die unser Leben besser, leichter und spannender machen: eine Portion Wahnsinn, Mut zu Fehlern, lautes Lachen, ein bisschen Exzentrik, Gottvertrauen, weniger Informationen, mehr Visionen, den richtigen Gang und mindestens vier Umarmungen am Tag...

Berührungen

Regelmäßiger Hautkontakt ist unverzichtbar. Aber leider fassen wir uns viel zu wenig an. Das muss sich dringend ändern.

Ohne Tastsinn sterben wir Wir können blind oder taub auf die Welt kommen, aber wenn der Tastsinn nicht funktioniert, sind wir nicht lebensfähig. Das sagt Martin Grunwald, Tastsinn-Forscher und Leiter des Haptiklabors der Universität Leipzig. Aufnahmen von Baby-Großhirnen zeigen ein wahres Neuronen-Blitzgewitter, wenn die Eltern mit ihrem Kind schmusen. Dann verschalten sich wie auf Knopfdruck Milliarden von Nervenzellen und bilden neue Netzwerke. Häufiger Körperkontakt macht Kinder kräftiger und klüger. Fehlt der Hautkontakt, hören Babys auf zu wachsen, die Intelligenz bleibt zurück, das Immunsystem ist schwächer.

Globale Berührungsarmut Aus Angst, wegen sexueller Belästigung verklagt zu werden, berühren sich die Menschen in den USA immer weniger. Die Folgen sind zunehmende Gewalt und Aggressivität. Doch auch in Deutschland, England und Skandinavien ist Körperkontakt auf einem historischen Tiefststand. "Noch nie haben wir uns so wenig angefasst wie heute", warnt Charles Spence, Psychologe an der englischen Oxford University, der 2005 eine Studie über die Verwahrlosung des Tastsinns veröffentlichte. Sein Fazit: Der Boom der Wellness-Industrie ist der Versuch der modernen Menschen, den Hunger nach Berührung zu stillen.

40 x streicheln pro Minute Mindestens vier Umarmungen am Tag brauche der Mensch, um glücklich zu sein, las Harley King, Chef einer Versicherungsfirma in Ohio, in einem Psycho-Ratgeber. Prompt schickte er seine Leute zu einem Schmuse-Seminar, seitdem knuddeln sie sich jeden Morgen. Laut der schwedischen Forscherin Kerstin Uvnäs-Moberg ist aber nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Art der Berührung wichtig. Sie hat gemessen, dass eine Streichelfrequenz von 40-mal pro Minute (das ist ungefähr die Geschwindigkeit, mit der wir spontan Katzen oder Kinder streicheln) für die optimale Ausschüttung des Hormons Oxytocin sorgt.

Text: Meike Bruhns

Schuhe

Frauen brauchen sie wie die Luft zum Atmen. Aber wie viele? Da sind sich Experten nicht ganz einig. BRIGITTE-Redakteurin Sina Teigelkötter suchte eine Antwort auf die existenziellste aller Fragen.

"Non, je regrette." Sie bedauert. Der Meister ist heute nicht zu sprechen. Dabei möchte ich doch wissen, wie er gerade auf diese Zahl kommt. Pierre Hardy, berühmter Schuhmacher aus Paris, sagt doch tatsächlich, eine Frau sollte 50 bis 250 Paar Schuhe besitzen. Mehr sei nicht gefährlich, weniger sei zu wenig. Mais pourquoi? Hardys Assistentin weiß es auch nicht, "versuchen Sie es in ein paar Tagen noch mal".

"Ein Paar elegante Pumps zum Kostüm oder Kleid, zwei Paar Sneakers, Trotteurs oder Collegeschuhe, drei Paar sommerliche Schuhe oder Sandaletten, Sportschuhe, Badepantoletten... wie viele waren das jetzt?" Brigitte Wischnewski, die Vorsitzende des deutschen Schuh-Einzelhandels, kommt durcheinander, schließlich aber auf acht überschaubare Paare. So viele brauche eine Frau. Im Sommer. Im Winter reichten gar sechs, "plus Gummistiefel, wenn Sie einen Hund haben".

Glaubt man den Meinungsforschern von Emnid, stehen in Deutschlands Schuhschränken aber einige Paare mehr, in dem jeder vierten Frau sogar mehr als 20 Paar. 28 Prozent besitzen immerhin zwischen 10 und 14 Paar. Und laut Branchenreport kauft jeder Bundesdeutsche im Jahr rund vier neue Schuhpärchen.

"Glaube ich nicht", sagt Gabriele Schwedux, Produktmanagerin bei Görtz. Nach ihren Informationen kauft die Durchschnittskundin gerade mal 2,8 Paar im Jahr und gibt dafür zwischen 100 und 400 Euro aus. Und sie selbst? "Oh Gott!", stöhnt Wischnewski am Telefon. "Ich hab mir in der letzten Saison sogar sechs Paar gekauft, bis heute aber erst eines davon wirklich getragen. Ich habe nie den passenden Schuh." Schuhe ließen sich ja auch viel schneller und einfacher kaufen als zum Beispiel Badeanzüge. Keine unerbittlichen Umkleidespiegel, dafür das Gefühl, sich etwas Gutes getan zu haben. Und klar, Schuhe seien auch Ersatzbefriedigung bei Stress, Liebeskummer, Ärger mit dem Chef - "aber schreiben Sie das lieber nicht, sonst denkt mein Chef, ich hätte ein Problem mit ihm".

Mein Problem hat nur indirekt mit meinem Job zu tun: Ich gehe in die Stadt, um mir eine Hose zu kaufen, und komme mit einem Doppelgänger des schwarzen Stiefels nach Hause, den ich vor einem Monat erworben habe. Aber der hier hat doch diese niedliche Blume vorn an der Spitze und sieht überhaupt viel schicker aus... Vielleicht sehnen wir uns so nach Schuhen, weil sie uns wie niemand sonst (wer denkt hier gleich an Männer?) das Gefühl geben, gut an uns auszusehen. Meine. Für immer. Nie leisten sie Widerstand, wenn wir sie entdecken und in die Tüte stecken. Wollen wir deshalb immer mehr? Hängen wir darum so an denen, die wir bereits in unsere Tüte, sprich unser Leben gelassen haben?

Denn sich von Schuhen zu trennen ist fast unmöglich: Als ich mich einmal endlich dazu durchgerungen hatte, ein von Leben und Regen arg strapaziertes Paar zu entsorgen, schlich ich voll schlechten Gewissens nach draußen zum Abfalleimer. Der Deckel war schon geöffnet, als mich Herr Griesberg aus dem Parterre ansprach: "Die wollen Sie doch nicht etwa wegwerfen?" Nein, Blödsinn, wollte ich natürlich nicht. Wer wirft denn Schuhe weg!? Schnell schmiss ich meine frisch gekaufte Zeitung in den Müll.

War das schon zwanghaft? Hab ich vielleicht ein Problem? Psychologischer Rat ist gefragt. Wie viele Schuhe muss ich wirklich haben? Anruf bei Psychologin Dr. Angelika Faas. "Wie viele Rollen spielen Sie denn so in Ihrem Leben?", kommt die Gegenfrage. "Kollegin, Chefin, Freundin, Mutter, Verführerin, Nordic-Walkerin, Lesungsbesucherin usw. - Frauen müssen in Beruf und Freizeit immer mehr, immer unterschiedlichere soziale Rollen erfüllen."

Die verlangten spezielle Outfits, also auch die passenden Accessoires. Gerade Schuhe können viele verschiedene Facetten eines momentanen Lebensgefühls ausdrücken. "Manchmal brauchen wir mehr, manchmal weniger Bodenhaftung, mal greifen wir also zu festen Halbschuhen, mal zu leichten Sandalen. In denen läuft es sich automatisch beschwingter. Schuhe sind eine Plattform, auf der man agiert und sich darstellt."

Verstehe ich das richtig: je mehr Schuhe, desto mehr Rollen, also desto unsicherer oder schizophrener die Frau? "Sehen Sie es doch mal so: Je mehr Schuhe eine Frau besitzt, desto weniger will sie sich festlegen, sondern findet heraus, was sie alles sein könnte", so Faas. Aber erstaunlicherweise kämen solche Frauen in den Ferien dann oft mit einem einzigen Paar aus. Rollenvorstellungen müssen eben auch mal Urlaub machen. Pierre Hardy hätte dafür aber wohl wenig Verständnis.

Zeit, den Meister noch mal mit Beweiszahlen zu konfrontieren. Wirklich "très tragique", so Marie Jo, aber Monsieur sei schon wieder abgereist und noch bis nächste Woche in Italien. Wahrscheinlich Schuhe kaufen. Irgendwer muss das schließlich noch tun. Hoffentlich bringt er mir welche mit.

Fehler

Wir träumen vom perfekten Leben. Und vergessen dabei den Charme des Unvollkommenen. Wir sollten unsere Macken nicht peinlich kaschieren, sondern mutig kultivieren, sagt der Autor Stephan Grünewald*

Ein attraktiver Mann betritt mit seiner Angebeteten ein Restaurant. Nur keinen Fehler machen, denkt er. Wenn dieser Abend gut verläuft, entwickelt sich vielleicht etwas. Aber die bange Frage "Wie verhalte ich mich richtig?" stürzt den Mann in immer neue Inszenierungskrisen: Soll ich sie bei der Menüauswahl beraten oder nicht? Soll ich die Gesprächsführung an mich reißen oder meine Sensibilität durch Zuhören dokumentieren? Soll ich die Rechnung zahlen oder halbe-halbe machen? Nichts lähmt uns mehr als die beständigen Versuche, Fehler zu vermeiden. Der Wunsch, ein möglichst perfektes Bild abzugeben, raubt die eigene Spontaneität und Authentizität. Beim Abschied vor dem Restaurant resümiert die Frau: Gut aussehen tut er ja, nett ist er auch, aber irgendwie auch langweilig...

Es ist höchste Zeit für eine Rehabilitierung des Fehlerhaften und Unvollkommenen. Denn der beinahe wahnhafte Anspruch auf Makellosigkeit - sowohl im Verhalten als auch im Aussehen - macht das Leben nicht reicher und sinnvoller, sondern nichtssagender, austauschbarer und entwicklungsloser. Der Mensch verliert dabei seine einzigartige und liebenswerte Schrägheit, er erstarrt in autistischer Perfektion.

Psychologisch betrachtet sind Fehler oder persönliche Defizite keine Hemmnisse, sondern Entwicklungs-Anreize: Der wunde Punkt kann die ganze Leistungsfähigkeit der Seele mobilisieren. Die Menschheitsgeschichte steckt voller Beispiele: Demosthenes, der bedeutendste Redner des antiken Griechenlands, war von Geburt Stotterer. Die berühmtesten Liebhaberinnen wie die Pompadour waren nicht schön, aber sie besaßen ein gewisses Etwas. Karl der Große war klein und unansehnlich. Der Kulturhistoriker Egon Friedell kommt daher zu dem Umkehrschluss, dass nicht zu jedem Achill eine Ferse gehört, sondern zu jeder Ferse ein Achill: Nicht aus der Vermeidung unserer Fehler und Verwundbarkeiten, sondern aus dem mutigen Umgang mit ihnen erwächst die persönliche Eigenart, die liebenswerte Stärke oder die bewunderungswürdige Meisterschaft.

Aber wieso ist das Fehlermachen in unserer Gesellschaft so in Misskredit geraten? Weil unser Lebenskonzept sich grundsätzlich gewandelt hat. Früher lebten wir analog nach dem Vorbild einer Schallplatte: Man rieb sich in einer vorgegebenen Schicksalsrille auf. Dabei entstanden Risse und Kratzer. Aber man erlebte dabei auch eine unmittelbare Sinnlichkeit. Heute träumen wir von einem digitalen Leben nach dem Vorbild einer CD oder DVD: einem perfekten Leben im ewigen Glanz, in dem man auf Knopfdruck von Höhepunkt zu Höhepunkt springen kann. Was nicht passt oder Mühe macht, wird einfach weggezappt. Im digitalen Forever-Young-Leben soll alles ohne Risiken und Schicksal möglich sein. Fehler erscheinen nicht als produktive Herausforderung, sondern als lästige Betriebsstörung. Aber der Kampf gegen den Fehler ist letztendlich ebenso sinn- wie aussichtslos, weil Menschen von Natur aus widersprüchlich sind. Wir wollen immer mehreres zugleich: die sichere Geborgenheit und den berauschenden Neuanfang, Durchsetzungsstärke zeigen und Sensibilität demonstrieren, den Kuchen essen und behalten. Egal, wie wir uns auch entscheiden, unsere Lösungen sind notwendig unvollkommen und fehlerhaft. Aber diese Unvollkommenheiten motivieren uns ständig dazu, unser Leben immer weiterzuentwickeln.

Hoffnung macht, dass viele Menschen langsam wieder den Mut haben, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen. Männer erkennen wieder, dass man es den Frauen nicht recht machen kann, wenn man ständig versucht, es ihnen recht zu machen. Frauen sehnen sich immer stärker nach einer Abkehr von überzogenen Perfektionszwängen oder Schönheitsidealen. Die Fehler, die wir nicht peinlich kaschieren, sondern mutig kultivieren, stiften nicht nur Individualität, sondern auch Gemeinschaft. Denn die Perfektion macht einsam, nicht die Fehler. Unsere Schwächen verwandeln uns in nahbare Menschen, weil sie unserem Gegenüber das Gefühl geben, von uns gebraucht zu werden.

*"Deutschland auf der Couch", Campus-Verlag, 220 S., 19,90 Euro

Farben

BRIGITTE: Ist unser Leben farbig genug?

Birgit Weller*: Nein, es fehlen die mannigfaltigen Zwischentöne, wie wir sie in der Natur finden. Knallrot,Knallgelb, Tiefblau und dazu noch einfache Slogans - grelle oder auch unreine Farben beherrschen zwar die meisten modernen Orte, aber wir sehen in unserem Alltag einfach nicht genug Nuancen. Und in Büros dominiert fast überall das Monochrome, farblich kalt bis fade.

BRIGITTE: Warum ist Farbe so wichtig?

Birgit Weller: Wir sind zu 80 Prozent visuell gesteuert, der größte Teil unserer Wahrnehmung läuft über das Sehen ab. Leider gucken wir viel zu selten bewusst hin. Deswegen gilt: Je feiner unser Farbempfinden ist, desto sensibler reagieren wir. Wenn wir unsere Umwelt nur noch in extremen Kontrasten wahrnehmen, verarmen unsere Sinne, und unser Kommunikationsverhalten stumpft ab. Theoretisch können wir 100 000 bis 200 000 Farbnuancen erkennen und deuten. Unsere Bildschirme lassen sich auf 16,7 Millionen Farben einstellen, manche Gobelins leuchten in 35 000 Tönen. Aber viele Menschen können heute nicht mal mehr sehen, ob ein Apfel reif ist.

BRIGITTE: Sie sagen, die Deutschen hätten eine regelrechte Angst vor Farbe...

Birgit Weller: Ja, aber das läuft natürlich unbewusst ab. Es ist vor allem eine unterschwellige Angst da, die enorme Vielfalt von Farben zu entdecken. Gepaart mit Gedankenlosigkeit: Wir nehmen sie für selbstverständlich. Die Deutschen haben auch keine eigene Farbwelt. Das hat übrigens unter anderem geschichtliche Hintergründe, denn der Faschismus hat nationale Farben in Verruf gebracht.

*Birgit Weller, Professorin für Design und Medien an der FH Hannover

Interview: Harriet Wolff

Visionen

Haben wir Zukunftsträume? Und wenn ja, welche? Man kann Leute mit dieser Frage erschlagen. Aber es lohnt sich.

"Eine Lebensvision?" Acht von zehn Partygästen reagieren erst erstaunt, versuchen dann auszuloten, wie ernst die Frage gemeint ist, schließlich folgt betretenes Schweigen. Falls der Abend bis dahin gut lief, ist die Stimmung jetzt im Eimer. Zugegeben, die Frage ist heikel. Zum einen ist sie nervtötend allgemein: Prompt möchte man nachhaken, um was genau es denn eigentlich geht - um das nächste Karriereziel, einen persönlichen Traum, ein gesellschaftliches Ideal? Zum anderen, und das wiegt schwerer, ist die Frage nach den eigenen Visionen unverschämt dreist, denn sie dringt schnurstracks vor in die intimsten Kammern unserer Seele: Wer uns seine wahren Lebensträume, Hoffnungen und Ideale verrät, gibt preis, was ihn im Leben hält und vorantreibt. Nackiger kann man sich nicht machen.

Nur was, wenn dort, wo wir den Wesenskern eines Menschen vermuten, gar nichts ist? Kürzlich veröffentlichte das Kölner Rheingold-Institut eine bemerkenswerte Studie. Untersucht wurden die Lebenskonzepte von rund 20 000 Menschen. Das Ergebnis: Die meisten Deutschen fühlen sich wie in einem Hamsterrad. Sie geben täglich ihr Bestes, doch am Ende des Tages wissen sie nicht, wozu das Ganze. Visionen? Ideale? Zukunftsbilder? Fehlanzeige. "Gibt es keine Vision von etwas Großem, Schönem, Wichtigem, dann reduziert sich die Vitalität, und der Mensch wird lebensschwächer", meinte der Psychoanalytiker Erich Fromm. Keine Visionen zu haben, das klingt mindestens so schlimm, als hätte man seine Stimme verloren oder einen Arm.

Dabei wissen wir als Kinder sehr genau, was und wer wir einmal sein wollen, meint die Publizistin Gerti Samel. Schon als Sechs- oder Siebjährige spüren wir eine tiefe Sehnsucht, das, was in uns steckt, entwickeln zu können. Wir kennen früh bereits unbewusst eine Reihe von Situationen, die unserem Verlangen nach innerem Wachstum besonders entgegenkommen: Singen im Chor, exzessives Pilot-Spielen oder die Märchenstunde bei der Lieblingstante.

Später führen die Erwartungen anderer, Kritik oder Gleichgültigkeit jedoch häufig dazu, dass wir diesen frühen, wegweisenden Glücksmomenten immer weniger Beachtun schenken, uns zunehmend nach Anforderungen richten, die von außen an uns herangetragen werden. Doch unsere verschütteten Lebensträume lassen sich wiederfinden, meint Samel. Das Einzige, was wir dafür brauchen, ist Zeit. Zum Beispiel, um uns zu erinnern, was uns in Kindertagen wirklich glücklich gemacht hat. Und was davon uns auch heute noch begeistern könnte: Waren wir impulsiv oder eher strategisch, fantasievoll oder pragmatisch?

Zeit nehmen sollten wir uns auf der Suche nach den eigenen Visionen auch, um eine Art Tagebuch zu führen, in das wir alle Erlebnisse, Gedanken und Gespräche eintragen, die uns im Laufe eines Tages besonders faszinieren. Irgendwann, so Samel, bekommen wir wieder ein Gefühl dafür, welche Dinge uns wirklich wichtig sind und wohin wir uns entwickeln wollen.

Vielleicht muss man ja auch die Untersuchung des Rheingold-Instituts in erster Linie als Momentaufnahme begreifen. Zwei Stunden lang haben die Wissenschaftler alles notiert, was die Probanden über sich und ihr Leben, über ihre Vorlieben, Ängste und Einstellungen erzählen mochten. Das ist viel im Vergleich zu anderen Untersuchungsmethoden, möglicherweise aber immer noch zu wenig. Könnte es nicht sein, dass 20 000 Menschen, die eine Woche Zeit hätten, sich über ihre Hoffnungen, Wünsche und Ideale Gedanken zu machen, doch noch den einen oder anderen Lebenstraum zutage fördern würden?

Eigene Lebensträume mögen bescheiden sein und sehr persönlich. Doch wer sagt, dass sie deshalb weniger Gewicht haben? Jeder gesellschaftliche Wandel beruht auf Einzelpersonen, die ihren inneren Überzeugungen gefolgt sind. Aber eine Vision ist nicht immer edel und allgemeinnützig - sie kann auch gefährlich und zerstörerisch sein. Nur eins ist sie immer: kraftvoll und elementar. Weil sie aus inneren Gewissheiten heraus wächst. Und die zu erkennen, kann nicht verkehrt sein, oder?

Text: Lotta Wieden

Fotos: Simone Scardovelli BRIGITTE Heft 13/2006

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