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Wasserknappheit in Deutschland Warum wir dringend an lebenswichtigen Ressourcen sparen müssen

Warum wir dringend an lebenswichtigen Ressource sparen müssen
© Chart69 / Adobe Stock
Wer an Wasserknappheit denkt, hat wahrscheinlich eher das amerikanische Silikon Valley vor Augen und nicht gerade deutsche Weiden und Wiesen. Dem Klimawandel geschuldet, wird allerdings auch bei uns bereits seit einigen Jahren von Wasserknappheit gesprochen. Wir verraten euch, warum wir dringend Trinkwasser sparen müssen und wo am meisten Wasser verbraucht wird.

Deutschland verliert jährlich 2,5 Kubikkilometer Süßwasser – aufgerechnet auf 20 Jahre ist das einmal die Menge des kompletten Bodensees. Doch woran liegt dieser dramatische Rückgang? An den privaten Haushalten schon mal nicht. Tatsächlich hat der Trinkwasserverbrauch in deutschen Haushalten in den vergangenen Jahrzehnten eher abgenommen. 1990 lag der Verbrauch pro Haus bei 147 Litern, heute liegt er bei 127 Litern – obwohl der Pro-Kopf-Verbrauch in den einzelnen Bundesländern variiert.

Die Gründe für den allgemeinen Rückgang sind sparsame Haushaltsgeräte und ein bewussterer Umgang mit der Ressource Wasser. Diese von Expert:innen als "direkter Wasserverbrauch" bezeichnete Nutzung trägt also nur zu einem geringen Teil zur Wasserknappheit bei.

Corona: Die Anschaffung von Pools hatte Auswirkungen auf die Wassernutzung

Die Corona-Pandemie hat allerdings dazu geführt, dass der Verbrauch pro Haushalt wieder angestiegen ist. In Hamburg erklärte Nathalie Leroy von Hamburg Wasser: "Ja, wir haben einen Corona-Effekt", so der NDR. Mehr Homeoffice, längeres Duschen und Kochen sowie das häufige Händewaschen hätten zu einem Anstieg geführt. Gut jeder fünfte Haushalt in Hamburg hätte mittlerweile ein Planschbecken, einen frei stehenden oder eingelassenen Pool.

Das große Problem ist jedoch die "indirekte oder virtuelle Wassernutzung". Dahinter verbirgt sich die Wassermenge, die für die Herstellung eines Lebensmittels oder eines Produkts verwendet, verdunstet oder verschmutzt wird. Daher müsste man die beiden Verbrauche – also indirekt und direkt – zusammenfassen, um den tatsächlichen "Wasserfußabdruck" einer Person zu ermitteln. Der erschreckende Befund: Pro Kopf ist der Verbrauch bei 7.200 Litern täglich – das entspricht 48 gefüllten Badewannen, so eine Studie der Technischen Universität Berlin, die die Werte im Auftrag des Bundesumweltamtes ermittelte (Stand: 2022).

Wassernutzung: Das Hauptproblem liegt in der Industrie

Das Hauptproblem liegt also in der Industrie, dennoch werden aktuell immer mehr Gemeinden und Kommunen beschränkt. Brandenburg ist eines der trockensten Bundesländer Deutschlands, und das Wasser wird dort tatsächlich knapp. Das Problem: der Klimawandel. Seit Jahrzehnten erhöht sich die Durchschnittstemperatur in Brandenburg, gleichzeitig bleibt die Menge der Niederschläge aber konstant. Durch weniger Regen und mehr Hitzewellen verändern sich die Böden, die trockene Erde kann nicht mehr viel Wasser aufnehmen, gerade Sturzregenfälle prallen einfach ab und können nicht in den Boden eindringen.

Die Folge: Badeseen und andere Gewässer könnten über kurz oder lang austrocknen, und das Grundwasser kann sich nicht regenerieren. Um der Knappheit zumindest ein wenig entgegenzuwirken, hat der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) beispielsweise sehr drastische Maßnahmen beschlossen. In ihrem Einzugsgebiet ist der Wasserverbrauch für Neukund:innen ab 2025 auf 105 Liter pro Person und Tag limitiert, erklärt Bürgermeister und Mitglied im ESE Henryk Pilz (CDU). Brandenburg ist dabei kein Einzelfall, auch andere Regionen in Deutschland haben mit Wasserknappheit zu kämpfen.

Mancherorts wird das Befüllen von Pools unter Strafe gestellt

Besteht denn jetzt eine akute Wasserknappheit in Deutschland? Wir laufen zwar nicht Gefahr, in den kommenden Jahren gar kein Trinkwasser mehr zu haben, dennoch zeigt sich, dass wir jetzt anfangen müssen, Wasser zu sparen und sinnvoll einzusetzen, um auch weiterhin auf die Ressourcen der Natur zurückgreifen zu können. Am stärksten betroffen von der neuen Klimarealität sind Mittel- und Ostdeutschland. Hier gab es aufgrund einer akuten Wasserknappheit im Sommer bereits Probleme für Land- und Forstwirtschaft, Energieerzeugung und Flussverkehr.

Das Problem: Gerade die Grundwasserregeneration leidet unter den trockenen heißen Sommern. Vom Grundwasser hängt allerdings die öffentliche Wasserversorgung ab. Das führt gerade in betroffenen Regionen dazu, dass es wie in Nordrhein-Westfalen teilweise Verbote für das Befüllen von Pools gab oder die Wassernutzung in Niedersachsen mancherorts stundenweise unterbrochen wurde. Für Deutschland ist diese Situation neu, trotzdem ist es gut, bereits jetzt nach Lösungen zu suchen, um weiterhin mit Wasser versorgt zu sein. Essenziell wäre eine zusätzliche Infrastruktur, um Wasser zu sammeln, zu speichern und vermehrt den Regen und Schnee zu nutzen. So könnten die vermehrten Niederschläge im Winter über den trockenen Sommer helfen.

Verwendete Quellen: ndr.de, zdf.de, nationalgeographic.de

slr Brigitte

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