WDR: Skandal um sexuelle Belästigung weitet sich aus

WDR-Intendant Tom Buhrow soll nun einen zweiten "ranghohen Mitarbeiter" wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung freigestellt haben.

Es soll um fünf Fälle gehen - mindestens

Ein ehemaliger Auslandskorrespondent soll einer Praktikantin im Hotelzimmer Pornos gezeigt und einer Kollegin "eindeutige Mails" geschrieben haben. Dieser Mann wurde inzwischen vom Dienst suspendiert. Nun soll ein weiterer "ranghoher Mitarbeiter" freigestellt worden sein. Dies bestätigte ein WDR-Sprecher auf Nachfrage der "Bild"-Zeitung.

Laut "Spiegel" soll es aber noch weitere Fälle sexueller Belästigung gegeben haben. Dabei gehe es um einen prominenten TV-Journalisten, der mittlerweile im Ruhestand ist, sowie um einen Hörfunkmitarbeiter, der bereits wegen Stalkings aktenkundig sein soll, und immer noch immer beim WDR beschäftigt ist. Im Verdacht stehe außerdem ein Mitarbeiter der Revision. Insgesamt sei inzwischen von mindestens fünf Fällen die Rede.

Hat der WDR die Vorwürfe nicht ernst genommen?

In den vergangenen Wochen wurden Vorwürfe laut, dass der Sender nichts oder zu wenig unternommen habe, als mehrere Fälle sexueller Belästigung bekannt geworden seien. 

Um die Vorwürfe zu entkräften, hat WDR-Intendant Tom Buhrow nun die ehemalige EU-Kommissarin Monika Wulf-Mathies als Sonderermittlerin eingesetzt. Sie soll den Umgang des Senders mit der Aufarbeitung sexueller Belästigung unabhängig überprüfen. Dafür soll die SPD-Politikerin und ehemalige Gewerkschaftsvorsitzende (ÖTV) “uneingeschränkten Zugang zu allen Informationen, Vorgängen sowie Gesprächspartnern erhalten."

„Ich bin bereit, diese Aufgabe zu übernehmen und zur Aufklärung dieses schwierigen Kapitels beizutragen", sagte Monika Wulf-Mathies, "denn gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte in Gleichstellungsfragen eine Vorbildfunktion wahrnehmen." Und weiter: 

Ich finde es richtig, dass die Sensibilität für Fragen sexueller Belästigung in der Gesellschaft gewachsen ist und dass Frauen heute nicht mehr gezwungen sind, anzügliche Bemerkungen und Handlungen einfach hinzunehmen oder berufliche Nachteile zu erleiden.

Die Ergebnisse sollen nach Abschluss der Untersuchung veröffentlicht werden. Darüber hinaus hat der WDR eine Kanzlei beauftragt, aktuellen Hinweisen auf weitere mögliche Fälle sexueller Belästigung nachzugehen.

Die #MeToo-Debatte wirkt

Dass die Vorwürfe sexueller Belästigung beim WDR öffentlich zur Sprache kommen, ist sicherlich auch ein Verdienst der #MeToo-Debatte. Die Diskussion um sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz wurde im Oktober 2017 losgetreten, nachdem die „New York Times“ einen Artikel über den massiven sexuellen Missbrauch durch Medienmogul Harvey Weinstein veröffentlichte.

Seitdem schlägt die Diskussion weltweit hohe Wellen. In Großbritannien etwa kam es zu Rücktritten von hochrangigen Regierungsmitgliedern, in Österreich erreichte die Debatte den Skisport, in Deutschland wird gegen den Regisseur Dieter Wedel ermittelt. Außerdem wurde bekannt, dass sexuelle Gewalt selbst bei Hilfsorganisationen verbreitet sei. 

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