Weltfrauentag

Seit seiner Begründung vor genau 90 Jahren ist der Internationale Frauentag der Durchsetzung und Anerkennung von Frauenrechten gewidmet. Doch hierzulande scheint man ihn in diesem Jahr zu verschlafen.

Ursprünge: Das Frauenproletariat macht mobil

Ende des 19. Jahrhunderts drängten in den industrialisierten Ländern immer mehr Frauen in die Lohnarbeit. Durch diesen Prozess wurde in den USA und in Europa auch der Ruf nach dem politischen Wahlrecht für Frauen lauter. So begingen amerikanische Arbeiterinnen im Jahre 1909 den ersten nationalen Frauentag, um für Wahlrecht und bessere Arbeitsbedingungen zu streiten. Denn in der Textilindustrie sowie in den anderen Bereichen, die für Frauen zugänglich waren, waren Arbeitsbedingungen und Löhne miserabel. Ein Jahr später, im Jahre 1910, riefen mehr als 100 Delegierte aus 17 Ländern auf der zweiten Internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen den Internationalen Frauentag ins Leben - auf Initiative der deutschen Politikerin Clara Zetkin, der Leitfigur der Frauenbewegung im Kaiserreich.

1911: Der 1. Internationale Frauentag

Am 19. März 1911 fand dann zum ersten Mal der Internationale Frauentag statt: Allein in Österreich, Deutschland, Dänemark und in der Schweiz gingen mehr als eine Million Frauen auf die Straße. Neben dem politischen Wahlrecht verlangten sie ein Ende der Diskriminierung in der Arbeitswelt sowie ein Recht auf Ausbildung. Wie die russische Feministin Alexandra Kollontai berichtete, "übertraf der Tag alle Erwartungen. Deutschland und Österreich glich einem brodelnden Meer von Frauen."

Im Dritten Reich wurde der Tag in Deutschland verboten, in der DDR wurde er als eine Art Muttertag entpolitisiert. Doch in den 1960ern wurde er von der neuen Frauenbewegung wiederbelebt: Damals ging es unter anderem um Belange wie das Recht auf Abtreibung. 1975, im Jahr der Frau, erkannte die UNO den Tag offiziell an. Obwohl der 8. März bis heute viel von seiner Energie und Militanz eingebüßt hat, wird er immer wieder zum Anlass für frauenpolitische Aktionen genommen. So legten am 8. März 1982 couragierte iranische Frauen ihre Schleier ab - 1998 war der Tag den Frauen Afghanistans gewidmet.

2001 in Deutschland: Die Männer warten...

Zum 90. Jubiläum des Frauentages sieht das Programm in Deutschland "sehr spärlich aus", wie vom Deutschen Frauenrat zu hören ist - auch wenn mancherorts lokale Aktionen wie Demos oder Frauen/Lesbenpartys geplant sind. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veranstaltet immerhin eine Pressekonferenz mit sechs Bundesministerinnen, die über die Fortschritte in der Frauenpolitik berichten, und sponsort die internationale Konferenz "Women on the Web" in Hamburg. Das niedersächsische Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales lädt zusammen mit dem DGB und dem Landesfrauenrat zu einem "gemeinsamen Abend" ein. In der Ankündigung erfahren wir aber einzig und allein, dass "der kulturelle Teil" von der "renommierten Kabarettistin Petra Förster" bestritten wird und dass uns "ein vergnüglicher Abend erwartet". Ein besonderes Kuriosum ist die "Windbeutel-Party zum Frauentag", die das Landgasthaus "Das Tanneck" im Harz veranstaltet. Das Programm lautet wie folgt: "Unser Frauentag lebt wieder auf ...der kollektive Nachmittag für unsere Frauen ...'Fridolin' spielt zur Unterhaltung mit Gesang und vielen Gags ...17.30 Uhr: Wir verzehren Würzfleisch mit verschiedenen Brotsorten...18.30 Uhr: die Männer warten - wir fahren nach Hause ...". Was würde wohl die amerikanische Sozialistin Lena Lewis dazu sagen, die im Jahre 1910 erklärte, dass es an diesem Tag nichts zu feiern gebe, bis das letzte Überbleibsel männlicher Dominanz getilgt sei?

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