Hört auf, Steine zu stapeln! Wie ein Instagram-Trend die Umwelt zerstört

Steine stapeln, Foto machen, auf Instagram hochladen, abreisen. Umweltschützer kümmern sich nun um das, was Touristen zurücklassen. Denn die Steintürme sollen verboten werden.

Am 20. Juli trafen sich rund 150 Umweltschützer, um etwas zu zerstören. Am Playa Jardín, auf Teneriffa, waren Menschen stundenlang damit beschäftigt, die hinterlassenen Stein-Stapel von Touristen auseinander zu nehmen. Das war kein Akt der Gewalt. Im Gegenteil schufen die Aktivisten damit etwas Neues. Was paradox klingt, hat einen ganz bestimmten Sinn: Die Umwelt und vor allem Tierleben schützen.

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Seit Jahren reisen Menschen um die Welt, sehen Steine und beschließen, diese zu stapeln. Was es mit diesem Phänomen auf sich hat, ist psychologisch sicherlich auch interessant, heutzutage tun es Touristen jedoch vornehmlich für Instagram. Dort tauchen immer wieder Fotos von Steintürmen auf, mal mit, mal ohne Menschen darin, die nachdenklich gen Himmel schauen. Die Türmchen sollen für Ruhe, Naturbelassenheit und Einklang stehen. Tatsächlich bedeutet sie aber genau das Gegenteil für das Ökosystem.

Umweltschützer gegen den Instagram-Trend

Der Playa Jardín ist einer solcher Strände, der fast nur noch aus Stein-Türmchen bestand. Deswegen haben es sich Umweltschützer zur Aufgabe gemacht, den Strand wieder in seinen Ursprungszustand zu versetzen. Stein für Stein lösen Freiwillige die Stapel wieder auf, um sie vorsichtig auf dem Boden zu verteilen. "Unter der Steinen leben Tiere wie Spinnen, Insekten oder Eidechsen“, erklärt ein Mitarbeiter des Nationalparks in einem Video zur Aktion.

Wer Steine stapelt, raubt Tieren ihren Lebensraum. Sie finden keinen Schutz mehr. Dasselbe gilt für Pflanzen, die sich zwischen den Kieseln ausbreiten und mit jedem Stapel ihren Halt verlieren.

Lasst die Natur doch einfach, wie sie ist

Das Treffen der Umweltschützer war Teil der spanischen Aktion "Pasa sin huella“. Huella ist Spanisch und bedeutet Fußabdruck. Den soll man – im übertragenen Sinne – bitte vermeiden. Reisen ohne Spuren und bestmöglich auch ohne Steintürme zu hinterlassen, heißt das Ziel der Aktivisten.

Obwohl die Aktion viral ging, war ihr Effekt nur von kurzer Dauer. Bereits wenige Tage und Touristenscharen später soll der Strand erneut von Stein-Türmchen übersät gewesen sein. Umweltschützer planen nun sogar ein Gesetz, dass das Stapeln verbieten soll.

Achtung, nicht alle Stein-Stapel zerstören!

Wer nun etwas für die Umwelt tun möchte, kann dies am Playa Jardín gerne tun, sollte woanders jedoch lieber nicht wahllos Steinstapel umtreten. Denn Stein-Türmchen haben in anderen Umgebungen durchaus einen Sinn, sie markieren beispielsweise häufig Wanderwege. Diese sind dann jedoch einzelne Türme.

Für den Anfang reicht es also bereits, wenn jeder seinen eigenen Teil tut, indem er etwas lässt: Hören wir doch alle auf, Steine zu stapeln und freuen uns lieber über die Natur, wie sie ist. Denn wie Urlaubsfotos 2050 sonst aussehen könnten, zeigt diese Kampagne gegen Umweltverschmutzung. 

Stattdessen richten wir uns doch lieber nach diesen Kinder-Aktivisten, die für eine bessere Welt kämpfen.

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