Wie ich einen Shitstorm überlebte - und den Hass kreativ genutzt habe

Es war der größte Shitstorm, den BRIGITTE.de je erlebt hat – und unsere ehemalige Kollegin Bianka Echtermeyer war die Zielscheibe der Hater. Nun hat sie den Krimi „Netz aus Angst“ geschrieben. Aber warum eine Geschichte mit Leiche?

Bianka Echtermeyer hat von 2008 bis 2016 bei BRIGITTE.de gearbeitet. Inzwischen ist sie freie Journalistin und lebt weiterhin in Hamburg.

BRIGITTE.de: 2012 herrschte bei BRIGITTE.de Ausnahmezustand. Deine Glosse, in der du über Skateboardfahrer geschrieben hattest, die nicht erwachsen werden möchten, hatte den Hass der Skater-Community auf sich gezogen. Denkst du noch oft an diese Zeit?

Bianka Echtermeyer: Ja, so ein einschneidendes Erlebnis vergisst man nicht. Damals war das Phänomen Shitstorm ja noch nicht so bekannt, und der geballte Hass hat mich total überrascht und überrollt. In Internet-Foren habe ich plötzlich Fotos von mir entdeckt, unter denen Hater zur Vergewaltigung aufriefen. Das hat mir Angst gemacht. Es konnte mir ja niemand versprechen, dass keiner seine Fantasie wahr machen würde. 

BRIGITTE.de: Wurdest du auch auf der Straße angegriffen?

Gewalt habe ich zum Glück nicht erlebt, aber kleine Kommentare musste ich ertragen. Allerdings hat mir die Potsdamer Psychologin Dorothee Scholz erklärt, dass virtuelle Gewalt genauso verletzen kann wie physische, weil der Selbstwert von außen infrage gestellt wird. 

BRIGITTE.de: Hast du deshalb beschlossen, ein Buch zu schreiben?

Das Schreiben war für mich ein kreatives Ventil, um meine Gefühle auszudrücken. Die ganze Ohnmacht, die ich in dieser Zeit erlebt habe, steckte tief in mir drin. Im Schreiben konnte ich viele Gedanken frei lassen. 

BRIGITTE.de: Warum hast du einen Krimi geschrieben und kein autobiografisches Buch?

Wenn ich nur über mich berichtet hätte, wäre es viel um mein Innenleben gegangen. Mit dem Krimi hatte ich die Chance, das Drama in mir in Spannung und in Action zu verwandeln. In der Geschichte wird eine Journalistin nach einem Shitstorm tatsächlich ermordet, und ihre Kollegin Charlotte Schmidt macht sich auf die Suche nach dem Mörder. 

BRIGITTE.de: Findet sie ihn?

Na, zu viel möchte ich natürlich nicht verraten. Nur das: Meine Protagonistin wird bei ihrer Recherche selbst zur Zielscheibe von Hatern und muss sich durch diese extrem negative Seite des Internets boxen. Aber sie gibt nicht auf. Genauso wie ich auch nicht aufgegeben habe. 

 Buchinfo:Netz aus Angst“ von Bianka Echtermeyer (200 Seiten, Midnight by Ullstein, 11 Euro)

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