Wiedereinstieg: "Frauen mit Kindern stelle ich nicht ein"

Kinder sind für Frauen ein berufliches Risiko. Alexandra, Mutter zweier Kinder, findet trotz guter Ausbildung nur noch Hilfsjobs. Ein Protokoll.

Kinder waren mein Herzenswunsch

Kinder zu haben, war für mich ein absoluter Herzenswunsch. Aber ich bin spät Mutter geworden, mit 36. Ich war viel auf Reisen, habe das unabhängige Leben genossen. Mein Partner wollte auch noch warten.

Nach dem Abitur habe ich Krankenschwester gelernt und auch in dem Beruf gearbeitet. Aber dann merkte ich, dass ich mehr Verantwortung tragen wollte. Damals wurde gerade der neue Studiengang „Pflegewissenschaften“ eingerichtet. Das habe ich dann studiert. Obwohl ich einen sehr guten Abschluss gemacht habe, musste ich leider feststellen, dass es recht schwer ist, als Pflegewirtin einen Job zu finden. Tatsächlich habe ich nach langer Zeit und mit viel Glück eine Trainee-Stelle als Assistentin der Leitung eines großen Klinikkonzerns bekommen. Aber schon nach einem Monat wurde mir betriebsbedingt gekündigt, so dass ich in die Arbeitslosigkeit rutschte.

Inzwischen war ich Mitte 30 und ich dachte: Es ist mir jetzt wurscht, was mit dem Beruf ist, ich möchte jetzt einfach gerne Kinder. Mein Partner war nun auch so weit. 2006, mit 36, kurz vor meinem 37. Geburtstag, habe ich dann meine Tochter bekommen. Ich war überglücklich. Endlich ein Kind.

Ich habe schnell gemerkt, dass ich gerne Mama war und gerne mit meiner Tochter zusammen sein wollte. Keinen Gedanken verschwendete ich daran, mich schnell wieder zu bewerben, um in den Beruf zurückzukommen. Alle meine Freundinnen, Bekannte und Nachbarinnen arbeiteten nach einem Jahr spätestens wieder. Mir war schon bewusst, dass ich da eine andere Schiene fahre als andere Frauen. Aber ich wusste einfach: Ich will bei meinem Kind sein. Ich will meine Tochter nicht abgeben. Ich kam gut mit ihr zurecht, obwohl sie mein erstes Kind war. Es war eine sehr, sehr glückliche Zeit.

Meine Kinder waren mir wichtiger als der Job

Wir haben dann versucht, ein zweites Kind zu kriegen. Das klappte erst mal nicht, was mich in eine ziemlich tiefe Krise stürzte, weil ich unbedingt ein zweites Kind wollte. Als drei Jahre später endlich mein Sohn geboren wurde, war das für mich ein Riesengeschenk. Ich dachte, natürlich bleibe ich zu Hause, ich genieße jede Minute. Das habe ich mit meinem Mann auch so besprochen.

Meine Tochter ging mit dreieinhalb zwar in den Kindergarten, aber ich wollte sie nicht in die Ganztagsbetreuung geben. Ich war froh, dass ich sie nachmittags wieder zu Hause hatte. Sie war müde, sie war bockig und ich wollte für sie da sein. Ich wollte meine Kinder nicht abgeben, um dann wieder in die Tretmühle des Berufslebens zu kommen, nur um den Anschluss nicht zu verpassen.

Gerade die Erfahrung, dass man mich betriebsbedingt entlassen hatte, nachdem ich einen Monat fest angestellt gewesen war, hat mir gezeigt, dass in der Arbeitswelt nichts sicher ist. Man kann sich noch so anstrengen und glauben, man würde unentbehrlich sein. Am Ende wird man doch gekündigt.

"Sie müssen den Arbeitgebern entgegenkommen"

Als mein Sohn drei Jahre alt war und in den Kindergarten kam, habe ich wieder angefangen, einen Job zu suchen. Ein Jahr lang habe ich gesucht.

Dann fand ich einen Job in einer Apotheke, in der ich Medikamente für Krankenhäuser zusammenstellte. Das habe ich vormittags gemacht, sodass ich nachmittags wieder zu Hause war. Der Job war auch ganz sinnvoll, weil ich meine medizinischen Kenntnisse wieder ein bisschen nutzen konnte, auch wenn er nicht gut bezahlt wurde. Mit dem Chef habe ich mich nicht verstanden, sodass ich nach einem Jahr gekündigt habe.

Dann habe ich wirklich lange, lange gesucht. Beim Arbeitsamt sagte man mir: „Sie müssen flexibel sein, Sie müssen den Arbeitgebern entgegenkommen.“ Das Arbeitsamt hat mich auch zu verschiedenen Veranstaltungen geschickt, bei denen es um die Rückkehr von Frauen in den Beruf ging.

Ich kriegte vom Arbeitsamt auch durchaus Angebote. Aber die waren immer schwer zu realisieren. Ich bekam zum Beispiel das Angebot, eine Nachtwache in ihrer Pause zu vertreten, und zwar in der Zeit von 22 Uhr abends bis um vier Uhr morgens. Ich hätte nachts sechs Stunden gearbeitet, dafür wäre der nächste Tag, weil man ja müde ist, völlig durcheinandergeraten. Schlecht bezahlt war der Job auch noch. Ich hätte lieber ganze Nächte gearbeitet anstatt nur ein paar Stunden.

Ich bekam auch Angebote von Zeitarbeitsfirmen. Allerdings hatten die nur Jobs in Kliniken, die weiter entfernt lagen. Wie soll ich mit zwei Kindern um sechs Uhr morgens in einer Stadt anfangen, die 20 Kilometer entfernt liegt? Die Wege sind zu weit, da komme ich nicht hin. Ich habe mich ziemlich reingehängt, gesucht und geguckt, aber da war nichts Brauchbares.

Meine beiden Jobs bringen mir nun 300 Euro ein

Zufällig bin ich dann an einer Wäscherei vorbeigegangen, die eine 450-Euro-Kraft suchte. Ein halbes Jahr habe ich dann tatsächlich als Büglerin in dem Geschäft gearbeitet. Doch dann sagten sie mir, dass ich zu langsam sei. Danach habe ich die Hauswirtschafterin in einem Hotel vertreten. Aber nach sechs Wochen bin ich auch da gekündigt worden.

Über eine Nachbarin habe ich Kontakt zu einer Frau bekommen, die ihre Mutter besser versorgt wissen will, weil die zusehends dement wird. Außerdem putze ich Ferienhäuser. Der Job ist sehr flexibel, wenn ich Zeit habe, kann ich arbeiten. Meine beiden Jobs, die angemeldet sind, bringen mir zusammen so um die 300 Euro ein. Ich hätte viel lieber einen besser bezahlten Job mit festeren Arbeitszeiten.

Die Arbeitgeber sind unflexibel - nicht die Mütter

Als ich die Ausbildung zur Krankenschwester gemacht habe, war ich davon überzeugt, dass das ein guter Brotberuf ist, mit dem man immer sein Geld verdient. Das ist aber leider nicht so. Jedenfalls nicht, wenn man zwei kleine Kinder hat.

Ich habe an unserem Wohnort alle Kliniken und ambulanten Pflegedienste abtelefoniert oder angeschrieben: „Ich habe Zeit von acht bis 13 Uhr. In dieser Zeit kann ich Sie im Frühdienst verstärken.“ Aber ich bekam nur Absagen. Es hieß: „Wir brauchen jemanden, der absolut flexibel ist.“ Ich habe auch gehört: „Wir haben schon genug Frauen mit Kindern im Dienstplan. Wir stellen nicht noch eine Mutter ein.“ Der Leiter eines Altenheims sagte mir am Telefon glatt: „Frauen mit Kindern stelle ich nicht ein.“

Auch die ambulanten Pflegedienste wollen Leute, die möglichst flexibel sind. Ich habe gefragt: „Können Sie für mich als Mutter nicht eine kürzere Tour stricken, so von acht bis 13 Uhr?“ Ich bekam zur Antwort: „Nein, das geht nicht, das schafft zu viel Unmut in der Belegschaft, weil die anderen dann auch solche Touren wollen.“

Es kann doch nicht sein, dass man Kinder dem Arbeitsleben anpassen muss. Das Arbeitsleben muss sich den Bedürfnissen der Kinder anpassen. Hierzulande darf man sich in der Arbeitswelt nicht anmerken lassen, dass man Familie hat.

Auch andere gut ausgebildete Mütter gehen putzen

Ich habe das Gefühl, es bewegt sich nichts auf dem Arbeitsmarkt. Was nicht nur an mir liegen kann. Andere Frauen haben auch gute Ausbildungen und gehen putzen, weil sie nichts anderes finden.

Eine meiner Freundinnen ist Speditionskauffrau. Ihr Sohn ist gerade in der ersten Klasse. Auch sie findet nichts, bekommt zu hören: „Wir können Sie nicht einstellen. Was machen Sie denn, wenn ihr Kind krank ist?“ Sie findet nicht mal mehr einen Bürojob, obwohl sie nur ein paar Jahre raus ist. Das kann doch nicht wahr sein. Sie hat doch nichts verlernt.

Da ist doch im System was falsch, wenn gut ausgebildete Frauen mit Kindern keine qualifizierte Arbeit mehr finden, weil sie eine Weile ausgestiegen sind. Ich kann auch nicht glauben, dass es einen Fachkräftemangel gibt, auch nicht in der Pflege, wenn ich das in der Tagesschau höre, staune ich. Wenn es so wäre, hätte ich längst einen Job.

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch: "Vögeln fürs Vaterland? Nein, danke! Bekenntnisse einer Kinderlosen" von Kerstin Herrnkind (Westend-Verlag).

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Mütter haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer
"Frauen mit Kindern stelle ich nicht ein"

Kinder sind für Frauen ein berufliches Risiko. Alexandra, Mutter zweier Kinder, findet trotz guter Ausbildung nur noch Hilfsjobs. Ein Protokoll.

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