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Foodwatch warnt vor Ethylenoxid Wieso du aktuell keine Produkte mit Johannisbrotkernmehl essen solltest

Foodwatch: Frau im Supermarkt
© STEKLO / Shutterstock
Johannisbrotkernmehl ist in zahlreichen Produkten enthalten – und sollte aktuell gemieden werden, wie Foodwatch warnt. Grund ist ein Giftstoff namens Ethylenoxid.

Vor einigen Wochen wurden mehrere Produkte zurückgerufen, die belastetes Johannisbrotkernmehl enthielten. Dann wurde es still. Jetzt äußerte sich Foodwatch im Fernsehen erneut zu der Problematik – und warnte eindrücklich vor dem Giftstoff Ethylenoxid, der weiterhin eine Gefahr darstellen soll.

Zuletzt kam die Problematik in der TV-Show "JENKE." auf. Jenke von Wilmsdorff hat sein sogenanntes Selbstexperiment dieses Mal dem Thema Lebensmittel gewidmet und fragt sich in der aktuellen Folge: Was essen wir wirklich? Dafür isst der Moderator in der Sendung zahlreiche schadstoffbelastete Produkte. Eins davon: Eine Asia-Nudel-Suppe, die so eigentlich gar nicht im Regal hätte stehen dürfen. Denn im Verlauf der Show kommt heraus, dass diese Johannisbrotkernmehl enthielt – und mit Ethylenoxid belastet war. 

Ethylenoxid: hochgiftig, krebserregend und erbgutverändernd

Hier muss man einmal einhaken und unterscheiden: Johannisbrotkernmehl und Ethylenoxid gehören nicht zwangsläufig zueinander. Das Mehl ist vor allem ein Zusatzstoff, der auch unter der Nummer E 410 bekannt ist, und als Verdickungsmittel in der Herstellung zahlreicher Produkte genutzt wird. Ethylenoxid wiederum ist ein Stoff, der als Desinfektionsmittel eingesetzt wird – aber hochgiftig ist und eigentlich nicht in Kontakt mit Lebensmitteln geraten darf. Laut Bundesamt für Risikobewertung wirkt Ethylenoxid erbgutverändernd und krebserzeugend. 

Nun wurde vor einigen Monaten jedoch in Proben eine Verunreinigung von unter anderem Johannisbrotkernmehl mit Ethylenoxid festgestellt. In mehreren Ländern kam es daraufhin zu einem riesigen Rückruf – denn das Mehl wird in der Verarbeitung zum Beispiel bei Eiscreme, Backwaren, Fleischprodukten und Konfitüre eingesetzt. Oder eben in der Herstellung von China-Nudeln, wie im Jenke-Experiment vorgefallen. Aber wie kann es sein, dass belastete Produkte in Deutschland überhaupt noch zu kaufen sind?

Also im Moment kann man Verbraucherinnen und Verbrauchern nur raten, keine Produkte zu essen, die Johannisbrotkernmehl enthalten.

Das fragt der Moderator in der Sendung Oliver Huizinga von Foodwatch. Aktuell würden in Deutschland – im Vergleich zu anderen Ländern – deutlich weniger Produkte in Zusammenhang mit der Ethylenoxid-Verunreinigung zurückgerufen. Es sollen gerade einmal 55 sein, in Frankreich seien es mehrere Hundert. Insbesondere Speiseeis sei betroffen. Laut Huizinga seien die Unternehmen aktuell jedoch hierzulande der Meinung, dass geringe Mengen schon nicht so schlimm seien.

In den EU-Richtlinien steht jedoch anderes: "Bei Ethylenoxid (…) haben sich die EU-Staaten geeinigt, dass es nicht enthalten sein darf, weil jedes bisschen kann theoretisch schon Krebs auslösen, jedes kleinste Molekül kann schädlich sein. Deshalb müssen alle Produkte zurückgerufen werden, wo belastetes Johannisbrotkernmehl enthalten ist", fordert Huizinga in der Reportage deutlich. Das belastete Johannisbrotkernmehl, das jedoch im Juni laut Jenke bereits tonnenweise importiert worden sei, dürfte jedoch längst weiterverarbeitet worden sein.

Deswegen sieht der Foodwatch-Experte aktuell nur eine drastische Möglichkeit für Konsument:innen, sich vor dem Giftstoff zu schützen: "Also im Moment kann man Verbraucherinnen und Verbrauchern nur raten, keine Produkte zu essen, die Johannisbrotkernmehl enthalten", rät Huizina im Jenke-Experiment.

Laut Verbraucherzentrale Hamburg soll die Ethylenoxid-Problematik übrigens zunächst durch belasteten Sesam aufgefallen sein. Neben Johannisbrotkernmehl soll danach auch der Zusatzstoff Guakernmehl betroffen gewesen sein. Das Portal rät dazu, sich regelmäßig auf der Seite "lebensmittelwarnung.de" des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit über weitere Rückrufe zu informieren.

verwendete Quellen:JENKE. Das Food-Experiment: Was essen wir wirklich?, Bundesamt für Risikobewertung, Lebensmittelwarnung.de, Verbraucherzentrale Hamburg, Foodwatch

Brigitte

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