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Wahnsinn! Familie kauft altes Hausboot – und macht ein Wohn-Paradies draus 😍


Die Suche nach einer Wohnung in Hamburg brachte Jill und Ole Grigoleit zum Verzweifeln. Schließlich hatte Ole die rettende Idee: ein Hausboot! Doch am Anfang war das Schiff ganz schön marode. Heute ist das Boot ein echter Wohntraum – und wer möchte, darf die Familie gerne besuchen ....

Anfangs war das neue Zuhause der Familie Grigoleit ein Wrack. Das alte Schiff sah so gar nicht nach einem gemütlichen Zuhause aus. Die Farbe platzte von dem alten Holz, der Schiffsbauch rostete an vielen Stellen. Hier wohnen? Sehr schwer vorstellbar .. 

Wohnungsmangel: Familie findet keine Wohnung und baut Hausboot
Erster Eindruck 2011: So sah das Schiff beim Kauf aus
© Jill und Ole Grigoleit / Privat

Jill Grigoleit war anfangs ganz schön skeptisch: "Das Hausboot war eine Schnapsidee. Ole sagte irgendwann "Ich bau uns was! Auf einer alten Schute. Wir haben morgen einen Besichtigungstermin!". Das war im August 2011. Im November zogen die beiden ein. "Allerdings noch ohne Dusche und WC, nur mit einem Bett und einem Holzofen. Das war alles noch sehr spartanisch im ersten Winter. Aber wir waren erst 26 und noch kinderlos". 6.000 Euro zahlten die beiden für das alte Schiff aus den Dreißigern.

Bei den Massenbesichtigungen hatten wir sehr schlechte Karten.

Die Wohnungsnot in Hamburg trieb Jill und den gelernte Schiffsmechaniker Ole zu diesem Schritt: "Ole und ich suchten im Sommer 2011 nach einer Wohnung in Hamburg. Da wir beide noch keine Arbeitsverträge vorweisen konnten, hatten wir bei den Massenbesichtigungen nur sehr schlechte Karten. Außerdem waren wir von den überteuerten Mieten abgeschreckt."

Doch aus dem Albtraum der vergeblichen Wohnungssuche wurde für die Familie Grigoleit ein wahrer Wohntraum. Mit viel Herzblut und zahllosen Arbeitsstunden verwandelten sie das alte Schiff innerhalb von drei Monaten in ein wunderschönes Hausboot. Mehr Zeit blieb nicht, denn danach mussten sie ihren ersten Liegeplatz in Hamburg-Harburg räumen. 

Wohnungsmangel: Familie findet keine Wohnung und baut Hausboot
Der neue Liegeplatz: Der Yachthafen Ilmenau
© Jill und Ole Grigoleit / Privat

Jill erzählt: "Die ersten Jahre hatten – weil wir wenig Geld hatten und alles selbst gemacht haben – noch ein bisschen was von Camping. Wir haben es uns aber Stück für Stück gemütlich gemacht. Wir haben alles, was man in einem normalen Haus auch hat. Es fehlt uns an nichts. Und die Aussicht ist besonders". 

Heute leben Jill und Ole zusammen mit ihren kleinen Töchtern Line und Morlin, die 2014 und 2016 geboren sind, auf circa 100 Quadratmeter auf zwei Stockwerken. Das rote Hausboot mit seinem hellen Holzparkett, den vielen Fenstern, dem Kamin und dem warmen Licht ist ein wunderschönes Zuhause. Um das Boot herum blitzt das blaue Wasser, grüne Bäume weisen den Weg zum Yachthafen Ilmenau im niedersächsischen Winsen an der Luhe, wo ihr Hausboot heute liegt.

Es gibt auch ein Hausboot für Gäste

Den Yachthafen haben die Grigoleits übernommen. Ole arbeitet als Hafenmeister, Jill kümmert sich um die beiden Töchter – und um die Vermietung des Ferienhausbootes, das die beiden inzwischen zusätzlich gebaut haben. Das Ferienhausboot kommt gut an, berichtet Jill:"Die Gäste schätzen die Ruhe und viele berichten, dass sie selten so schnell entschleunigen konnten."

Wohnungsmangel: Familie findet keine Wohnung und baut Hausboot
© Jill und Ole Grigoleit / Privat

Die Familie liebt das Leben am Wasser: "Der Blick aufs Wasser hat etwas Beruhigendes. Wir sind mitten in der Natur und spüren jede Witterungsveränderung. Bei Sturm werden wir auch mal gut durchgeschaukelt. Das kann aber auch gemütlich sein, wenn der Kamin an ist und die Lampen schaukeln".

Und wie ist es mit den Kindern – wünschen die sich manchmal ein Leben an Land? Nein, berichtet Jill: "Als Line in den Kindergarten kam und anfing, sich mit anderen Kindern zu verabreden, bemerkte sie eigentlich erst so richtig, dass sie anders wohnt. Da kam tatsächlich mal der Satz 'Mama, ich will auch mal in ein Haus ziehen!'. Für Kinder ist 'anders sein' nicht unbedingt erstrebenswert. Mittlerweile ist sie aber auch stolz drauf und möchte 'nie ausziehen!', sagte sie vor kurzem".

Wohnungsmangel: Familie findet keine Wohnung und baut Hausboot
© Jill und Ole Grigoleit / Privat

War es eigentlich schwer, das Hausboot zu bauen? Es war schon eine Herausforderung, berichtet Jill: "Ole ist ein Typ, der seine Ideen sehr schnell umsetzt, ohne lange darüber nachzudenken oder zu planen. Gott sei dank. Wenn wir gewusst hätten, was auf uns zukommt, hätten wir es vielleicht nicht gemacht. Klar, hatte Ole einen groben Plan, aber natürlich hatte er vorher noch nie ein Haus gebaut, geschweige denn eins auf dem Wasser, wo ganz andere Regeln gelten (zum Beispiel ist eine Wasserwaage nutzlos und man muss bedenken, dass alles immer in Bewegung ist). Und so lernte er beim Bau immer wieder etwas dazu und hat natürlich auch oft geflucht. Mittlerweile würde er unser erstes Hausboot am liebsten abreißen und nochmal neu bauen mit der Erfahrung, die er jetzt hat."

Die ganze Geschichte von Familie Grigoleit und ihrem Hausboot gibt es auch als Buch zu lesen: "Heimathafen – Wie wir mit unserem Hausboot das Glück auf dem Wasser fanden".
Die ganze Geschichte von Familie Grigoleit und ihrem Hausboot gibt es auch als Buch zu lesen: "Heimathafen – Wie wir mit unserem Hausboot das Glück auf dem Wasser fanden".
© Ullstein Verlag

Jetzt baut die Familie Hausboote für andere

Stattdessen setzt Ole jetzt all sein Wissen beim Bau von neuen Hausbooten ein. Wer von dem Gedanken an ein Hausboot ebenfalls hin und weg ist, der kann bei der Familie Grigoleit ein ganz persönliches Hausboot bestellen: "Wir bauen ab sofort. Ab Vertragsabschluss dauert es ungefähr 6-8 Monate bis zum fertigen Hausboot, je nach Aufwand und Ausstattung. Das geht von der fahrbaren Floßgröße für den Freizeitspaß bis hin zum zweigeschossigen Dauerwohnsitz für vierköpfige Familien". So ist aus der Wohnungsnot ein großes Glück für die Familie Grigoleit geworden.  


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