Mega Fail: So denkt unsere Lieblings-Teemarke über Frauen

Na toll! Yogi Tea will Männern dabei helfen, ihre Ideen umzusetzen, und Frauen sollen ihre Stimmung in den Griff kriegen. Unsere Autorin fragt sich: "Geht's noch?"  

Aus der Drogerie kennen wir das: In fast jedem Gang gibt's Produkte speziell für Sie und Ihn. Duschgele, Haarpflege, Deos, Düfte, Haarentfernung, Cremes – überall, selbstverständlich. Wie viel Sinn das im Einzelnen macht, ist fraglich. Für die Umsätze der Firmen ist es sicher gut – besonders, wenn sie eines der beiden Geschlechter (meistens Frauen) stärker zur Kasse bitten!

Aber wenn man mal fünf Minuten zu viel Zeit hat und einen neuen Tee probieren will, wird man auch im Supermarkt fündig – und da wirkt die Mann-Frau-Unterscheidung leicht sinnfrei, aber schwer diskriminierend, sexistisch und triefend vor Klischees. Zumindest so, wie Yogi Tea sie vornimmt und begründet.

Ingwer-Tee für Sie und Ihn

Yogi Tea, eigentlich voll super, weil "Bio"-zertifiziert, tolle Zutaten, guter Geschmack und alles, bietet also einen Männer- und einen Frauen-Tee an. Beides sind "Ayurvedische Kräuterteemischungen" mit dem Hauptbestandteil Ingwer. Bei den Männern gibt's noch Ginseng und feurigen Chili dazu, die Frauen bekommen liebliche Orangenschale und Kamillenblüten.

Hinten auf der Verpackung steht, inwiefern der Tee Männern beziehungsweise Frauen gut tut. 

Er soll sich verwirklichen, sie Balance finden 

Wie bitte? Männer sollen "ihre Ideen und Werte verwirklichen" und Frauen "Balance finden in ihren persönlichen und natürlichen Lebenszyklen"?!

Vielleicht befinde ich mich ja gerade in einer schwierigen Phase meines natürlichen Lebenszyklus, aber das klingt doch stark nach: "Männer machen irgendwas Geniales", während "Frauen damit beschäftigt sind, ihre Stimmungsschwankungen und Hormonkurven in den Griff zu kriegen". Als hätten wir nichts Besseres zu tun, als Balance zu suchen.

Die jeweilige subtile Botschaft macht's auch nicht besser: "Tiefes Mitgefühl" versus "Männertraum". Weil natürlich nur Männer Träume und Visionen haben und Frauen dafür da sind, sich um andere zu kümmern. Deshalb suchen sich Frauen nämlich auch immer die schlecht bezahlten sozialen Jobs – weil sie so tief mitfühlend sind. 🙄

Aber jetzt noch mal im Ernst: Selbst wenn die Produkte an sich bestimmt toll sind und ihre Berechtigung im Supermarktregal haben – diese Unterscheidung und die Marketing-Begründung sind ein Totalausfall. Das Frauenbild, das darin vermittelt wird, gleicht einer Beleidigung, insbesondere wenn man das Männerbild daneben sieht. Einziger Pluspunkt: Beide Tees kosten gleich viel. 

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