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Zurück in alte Rollenmuster Afghanische Frauen werden von den Universitäten verbannt

Eine afghanische Frau hält ein Schild hoch für mehr Rechte
© Golib Tolibov / Adobe Stock
Immer weiter werden sie aus ihrem bisherigen Leben gedrängt. Den afghanischen Frauen wird die Arbeit genommen, die Selbstbestimmung, die Freiheit und jetzt das Recht auf Bildung. Sie werden in ein altes Leben gedrängt, das sie bereits hinter sich geglaubt hatten.

Die Taliban haben die Frauenrechte in Afghanistan noch weiter eingeschränkt. Auch die letzte Hoffnung auf selbstbestimmtes Lernen wurde den Frauen nun genommen. Sie wurden von den Universitäten und Hochschulen verbannt. Auf Grundlage eines Kabinettsbeschlusses werde die Hochschulbildung für Frauen ausgesetzt, heißt es in einem an alle Universitäten und privaten Einrichtungen adressierten Papier, wie die "Tagesschau" berichtet. Und das mit sofortiger Wirkung. Unterschrieben von Scheich Nada Mohammed Nadim, dem amtierenden Bildungsminister der Taliban. 

Der afghanische Minister für Bildung äußerte sich jetzt zur Verbannung der Frauen von den Universitäten und begründete seine Entscheidung damit, dass das Studium von Frauen der islamischen Rechtsauffassung der Taliban widerspreche, berichtete der Nachrichtensender Tolonews, so die "Zeit". Dazu zähle unter anderem, dass Studentinnen die islamischen Kleidervorschriften nicht beachteten oder aus der Provinz ohne männliche Begleitung an die Universitäten kämen. Frauen und Männer seien weiter zusammen unterrichtet worden und einige Studienfächer stünden der afghanischen Ehre und den islamischen Prinzipien entgegen, so der Minister.

Frauen werden in Afghanistan von den Universitäten verbannt – sie wehren sich weiter

Der Bildungsminister, so vermutet man, steht dem obersten Talibanführer Haibatullah Achundzada sehr nahe. Dem Menschen, gegen dessen radikale Anweisungen mutige Afghaninnen in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder auf die Straße gegangen sind.

Im August 2021 hatten die Taliban wieder die Macht in Afghanistan übernommen. Bereits zu diesem Zeitpunkt mussten die Universitäten neue Regeln einführen. Eingänge und Unterrichtsräume wurden nach Geschlechtern getrennt. Frauen durften nur von anderen Frauen oder alten Männern unterrichtet werden. Die meisten weiblichen Teenager wurden von weiterführender Bildung bereits ausgeschlossen.

Vor weniger als drei Monaten noch hatten Tausende Frauen im ganzen Land Aufnahmetests für die Universitäten absolviert. Lehramt wollten sie studieren oder Medizin. Jetzt stehen viele vor dem Aus, sie sind wütend und versuchen sich weiter gegen die radikale Vorherrschaft der Männer zu wehren. "Macht Bildung nicht politisch", riefen sie am Morgen in Kabul, so die „Tagesschau“. Sie wollen sich das Recht auf Bildung nicht nehmen lassen, nicht schon wieder, wie bereits vor über 20 Jahren.

Afghanischen Frauen wird die Selbstbestimmung genommen

2001 stürzten die USA die Taliban in Afghanistan und gaben den Frauen knapp 20 Jahre lang ein wenig Freiheit zurück – zumindest einigen von ihnen. Sie konnten an weiterführende Schulen gehen, Universitäten besuchen und arbeiten. 2021 übernahmen die Taliban erneut die Macht. Um die Rechte der Frauen systematisch in allen Lebensbereichen einzuschränken, erließen sie mehr als 30 Dekrete.

Mädchen dürfen ab der sechsten Klasse nicht mehr zur Schule gehen, Frauen dürfen ohne Erlaubnis ihres Mannes (oder eines Mannes der Familie) nicht arbeiten gehen – oder die Arbeitsplätze sind für Frauen gesperrt. Auf der Straße werden sie von Taliban-Kämpfern beschimpft, wenn sie Haut zeigen, teilweise dürfen sie ohne männliche Begleitung nicht das Haus verlassen. Sie dürfen sich nicht in Parks oder in Fitnessstudios aufhalten. Dazu kommt die Pflicht, das Gesicht zu verschleiern und das Verbot, in der Öffentlichkeit laut zu sprechen oder zu lachen.

Die afghanischen Frauen hoffen auf den Beistand der internationalen Gemeinschaft. Die USA und Großbritannien verurteilen den Bann der Frauen aus den Universitäten. "Die Taliban können nicht erwarten, ein legitimes Mitglied der internationalen Gemeinschaft zu werden, solange sie nicht die Rechte aller Afghanen respektieren, insbesondere die Menschenrechte und die Grundfreiheit von Frauen und Mädchen", sagte der US-Vertreter Robert Wood auf einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu Afghanistan. Außenministerin Annalena Baerbock verurteilte den Hochschulbann ebenfalls und sagte, dass die Entscheidung der radikalislamischen Miliz "ein weiterer Schritt Richtung Steinzeit" sei.

Verwendete Quellen: tagesschau.de, zeit.de

slr Brigitte

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