"Hilfe, ich stecke im falschen Job!"

Nora K., 41, arbeitet seit 17 Jahren als Marketing-Managerin, obwohl sie nie für diesen Job brannte. Wechseln oder bleiben?  

Mir fehlte das Gefühl, für meinen Job zu brennen

"Nach meiner Ausbildung zur Hotelfachfrau wollte ich eigentlich nur etwas Berufserfahrung im Marketingbereich sammeln und bewarb mich bei einem Unternehmen für Sicherheits-Software. Danach - so der Plan - wollte ich in die Eventbranche wechseln, um Veranstaltungen zu organisieren und Kundenwünsche umzusetzen. Darin bin ich nämlich richtig gut.

Doch aus den geplanten drei Jahren sind 17 geworden. Ich bin einfach an meinem ersten Job kleben geblieben. Am Anfang fand ich das auch vollkommen in Ordnung. Meine Chefin und das Team waren toll, ich stürzte mich ins Thema und kletterte Stück für Stück die Karriereleiter hoch, bis ich Senior-Marketing-Managerin wurde.

Trotzdem fehlte mir das Gefühl, für meinen Job zu brennen. Das ist mir vor allem durch die Geburt meiner beiden Söhne klar geworden. Seitdem frage ich mich immer wieder: War es das wirklich? Willst du den Rest deines Lebens eine Arbeit nur machen, weil sie halt gemacht werden muss?

Willst du den Rest deines Lebens eine Arbeit nur machen, weil sie halt gemacht werden muss?

Denn eigentlich bin ich ein leidenschaftlicher und engagierter Mensch. Wenn ich mich für etwas begeistere, sprühe ich vor Energie und reiße andere mit. Das sagen mir auch Freunde und Kollegen immer wieder. Im Moment glimme ich eher vor mich hin, erledige meine Aufgaben und fertig.

Natürlich habe ich meine Fühler ausgestreckt und bin sogar schon mal von einem Headhunter angesprochen worden. Die andere Firma wollte mich, ich hätte nur noch meine Unterschrift unter den Vertrag setzen müssen.

Ein anderes Mal war ich drauf und dran, eine Weiterbildung zu starten und in die Erwachsenenbildung zu gehen. Doch jedes Mal bekam ich kalte Füße und sagte ab, weil mir auch Sicherheit und Beständigkeit wichtig sind.

Jetzt weiß ich, was ich habe: einen unbefristeten Arbeitsvertrag, ein gutes Einkommen und eine große zeitliche Flexibilität, die als Mutter fast unbezahlbar ist. Trotzdem möchte ich so nicht weitermachen." 

Das rät die Expertin:

Oft bringen kleine Veränderungen mehr als ein kompletter Job-Wechsel

Mit zunehmender Berufserfahrung lässt oft auch der Reiz einer Tätigkeit nach. Die Folgen sind zweischneidig: Auf der einen Seite gibt einem das erworbene Fachwissen so viel Sicherheit, dass man ohne Stress und großen Aufwand seine Aufgaben erfüllen kann.

Andererseits hat sich mit den Jahren eine gewisse Routine eingeschlichen, wie es nicht selten auch in einer langen Beziehung passiert. Alles fließt gleichförmig und ruhig dahin - ohne starke positive oder negative Ausschläge.

Nur fünf von 100 Menschen haben tatsächlich den falschen Beruf

Viele meiner Klientinnen haben dann das Gefühl, dass nur ein kompletter Berufswechsel wieder Sinn in ihr Leben bringen kann. Doch nicht immer ist das die beste Lösung: Aus meiner Praxis kann ich sagen, dass lediglich fünf von 100 Menschen tatsächlich den falschen Beruf haben. Die profitieren tatsächlich von einem Wechsel.

Deutlich mehr erleben dagegen nach einem Neustart eine große Enttäuschung, weil die Vorstellung über ihren Traumjob nicht der Realität entspricht. Deshalb bitte ich meine Klientinnen im ersten Schritt, genau zu benennen, wo die Probleme liegen. Das fällt vielen gar nicht leicht, ist aber entscheidend und vergleichbar mit einer Anamnese beim Arzt. Nur mit der richtigen Diagnose kann ich die Ursache einer Erkrankung behandeln und nicht nur die Symptome.

Die Frage lautet: Was ist mir wichtig? 

Denn die Gründe für eine Job-Unzufriedenheit können diffus sein: von der falschen Aufgabe über die unpassende Funktion bis zum Großraumbüro, das für bestimmte Menschen schlicht das falsche Arbeitsumfeld ist.

Entscheidend ist auch, die eigenen Fähigkeiten genau zu kennen. Danach entwickle ich mit meinen Klientinnen drei bis fünf berufliche Optionen. Was ist ihnen wichtig? Kundenkontakt, Vereinbarkeit mit der Familie, ein hohes Gehalt?

Die Jobideen nehmen wir mit diesen Prüfsteinen erneut unter die Lupe, weil nicht jeder Traumjob bei genauem Hinsehen hält, was er verspricht. Gespräche mit Menschen aus der Wunsch-Tätigkeit helfen.

Oft führt diese Klärung auch dazu, die Vorteile der aktuellen Tätigkeit neu zu entdecken. Häufig sind es schon kleine Veränderungen, die viel bewirken, also eher ein Karriere-Tuning. Etwa der Wechsel in eine andere Abteilung oder eine neue Aufgabenstellung.

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Madeleine Leitner aus München ist Diplom-Psychologin und Karriereberaterin. 

Ein Artikel aus BRIGTTE 04/2018

Wer hier schreibt:

Stephanie Arndt

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