10 Tipps gegen Job-Frust

Die Kollegen, der Chef, die Routine, zu wenig Gehalt - wenn Ihr Job Ihnen auf die Nerven geht, sollten Sie nicht gleich kündigen. Die Buchautoren Volker Kitz und Manuel Tusch geben Tipps, wie Sie aus Ihrem eigenen Job Ihren Traumjob machen können.

Job-Frust ist ein Massenproblem, das so schwer wiegt wie die hohen Arbeitslosenquoten, sagen die Buchautoren Volker Kitz und Manuel Tusch im Interview auf BRIGITTE.de. Aber wenn Sie mit Ihrer Arbeit unzufrieden sind, müssen Sie sich damit nicht abfinden. Die beiden Experten haben zehn Tipps für Sie.

1. Starten Sie mit den richtigen Einsichten

Sie sind nicht allein. Studien belegen regelmäßig, dass bis zu 90 Prozent der Menschen mit ihrem Job unzufrieden sind. Das kann nicht daran liegen, dass alle nur den falschen Job haben. Es belegt vielmehr, dass alle mit ähnlichen Problemen kämpfen, völlig unabhängig davon, in welchem Job sie sind. Wenn man sie auf die immer wiederkehrenden Grundprobleme reduziert, sind im Prinzip alle Jobs ziemlich gleich.

2. Basteln Sie sich einen Erwartungsmix

Wir neigen dazu, den Job aufgrund eines dominanten Motivs zu wählen: Geld oder Status oder Sinn oder Spaß. Die Erwartungen an diesen ausschlaggebenden Aspekt steigern wir dann derart, dass die Realität sie nicht erfüllen kann. Das ist so, wie wenn wir mit Weihnachten in erster Linie eine knusprige Gans verbinden und nur daran denken. Wenn die Gans dann am Ende nicht so knusprig ist, wie wir es uns seit Wochen ausgemalt haben, ist das ganze Fest im Eimer. Dabei hätte es so viele andere Dinge gegeben, über die wir uns hätten freuen können: nette Menschen um uns herum, einen schönen Weihnachtsbaum, festliche Musik. Wenn wir auch beim Job von allem ein bisschen, aber von keinem zuviel erwarten, dann werden wir viel seltener enttäuscht.

3. Erkennen Sie die Bedeutung des Geldes

Geld ist wichtiger, als viele zugeben wollen, machen wir uns nichts vor. Aber wenn eines durch Studien belegt ist, dann das: Wir können nie genug verdienen. Das liegt daran, dass wir uns immer mit anderen vergleichen – und wir immer noch jemanden finden, der mehr verdient. Wer also den Job sucht, in dem er „genug“ verdient, wird sein Leben mit einer endlosen, aufreibenden Suche vergeuden.

4. Lernen Sie teilen

Volker Kitz und Manuel Tusch sehen Job-Frust als Massenproblem

Jeder von uns ist ein Individuum - aber doch Teil einer riesigen Masse, die täglich funktionieren muss. Jeder von uns ist nur einer von sechs Milliarden Menschen, mit denen wir uns Aufmerksamkeit, Anerkennung und Gestaltungsspielraum auf der Welt teilen müssen. Das gilt auch bei der Arbeit: Selbst wenn wir uns sehr viel Arbeit mit dem Memo für die Chefin gemacht haben, dürfen wir trotzdem oft nicht mehr als ein knappes „Danke“ erwarten. Alles andere wäre nicht praktikabel, sonst würde unser Alltag zusammenbrechen: Die Chefin hat an diesem Tag vielleicht noch von 20 anderen Kollegen Arbeitsergebnisse bekommen - es ist organisatorisch schlicht nicht möglich, dass sie jedem dafür ein ausführliches Lob schreibt.

5. Suchen Sie keine Gerechtigkeit

Wo wir mit Menschen zu tun haben, wird es immer ungerecht zugehen. Menschen sind keine Gerechtigkeitsautomaten, sondern immer beeinflusst von Sympathien, mangelnden Informationen und sachfremden Erwägungen. Die Suche nach einem Arbeitsplatz, an dem es gerecht zugeht, ist die größte Zeitverschwendung, die es gibt. Ein solcher Ort existiert nicht. Trösten wir uns damit, dass wir manchmal von Ungerechtigkeiten ja auch selbst profitieren.

6. Erinnern Sie sich: Sie wollten mal mit Menschen zu tun haben

"Ständige Störungen" empfinden die Beschäftigten als größte Belastung im Berufsleben. Diese "Störungen" sind andere Menschen - mit denen wir einmal so gern zu tun haben wollten. So ziemlich jeder will einen Job, in dem er "mit Menschen zu tun hat". Wer wollte auch sein Berufsleben allein vor einer weißen Wand verbringen? Oder nur mit Computern? Wo aber Menschen sind, wird es immer Spannungen und Reibungen geben. Es ist wichtig, dass wir unseren Ärger darüber nicht auf unsere konkreten Kunden und Kolleginnen projizieren, sondern als unvermeidbaren Preis dafür ansehen, dass wir nicht allein sind.

7. Erkennen Sie die Grundmuster Ihres Lebens

Manche immer wiederkehrenden Probleme im Job haben ihre Wurzel tief in uns selbst. In unseren Leben gibt es gewisse Grundmuster, die sich ständig wiederholen. Sie tauchen im Berufsalltag und im Privatleben immer wieder auf, in allen möglichen Varianten – bis wir auf bestimmte Fragen eine Antwort gefunden haben. Es braucht Zeit und Mut, diese Grundmuster in uns selbst zu erkennen und aufzulösen. Aber letztlich helfen sie uns zu reifen.

8. Werden Sie gefühls-echt

Wir haben in der Regel gelernt, dass "man" negative Gefühle einfach nicht haben darf: Wer wütend ist, ist "böse" oder gar ein schlechter Mensch. Wir verwechseln im Alltag das Akzeptieren mit dem Ausleben unserer Gefühle. Dass man wütend wird, wenn die Kollegin mal wieder zu spät dran ist, das ist ganz normal und ein gesunder Mechanismus! Das heißt aber noch lange nicht, dass man sie zusammenfalten muss. Mit ein paar psychologischen Übungen können wir lernen, mit den eigenen Gefühlen umzugehen, ohne unsere Umwelt durch schlechte Laune zu verprellen.

9. Kommunizieren Sie richtig

Die Methode der gewaltfreien Kommunikation hat schon sehr vielen Menschen geholfen, besser mit Kollegen und Vorgesetzten klarzukommen. Bewährt hat sich vor allem die so genannte "Ich-Botschaft". Bei ihr steht nicht der "Du"-Vorwurf im Vordergrund, sondern eine sachliche Beschreibung aus der eigenen Perspektive. Der andere fühlt sich dann nicht so schnell angegriffen und ist leichter bereit, Zugeständnisse zu machen.

10. Wann Wechsel wirklich Wunder wirken

Manchmal muss man wechseln. Wenn es nicht um die allgemeinen Lästigkeiten der Arbeitswelt geht, sondern um ein echtes Einzelfallproblem, dann dürfen wir uns wirklich sagen: "Beim nächsten Chef wird alles anders." Aber Vorsicht! Viele meinen vorschnell, sie hätten ein Einzelfallproblem. Nicht jede Reiberei mit den Kollegen ist gleich Mobbing – und mehr verdienen würden wir alle gern. Wer „nur“ über solche Probleme klagt, die untrennbar mit dem Arbeitsleben und mit dem menschlichen Zusammenleben verbunden sind, der hat seinen Traumjob bereits gefunden.

Job-Frust ist ein Massenproblem, das so schwer wiegt wie die hohen Arbeitslosenquoten, finden die Buchautoren Volker Kitz und Manuel Tusch. Warum so viele Menschen unzufrieden sind und wieso ein Job-Wechsel nur selten hilft, lesen Sie im Interview auf BRIGITTE.de.

Foto: mauritius images
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