Gute-Laune-Diebe: Mein Kollege nervt!

Besserwisser, Schwafler - die Arbeitswelt ist voll von Leuten, die uns auf die Nerven gehen. Autor Christian Püttjer erklärt, wie man mit schwierigen Kollegen umgeht.

BRIGITTE.de: Wenn ich mit einem Menschen im Büro sitze, der mich unheimlich nervt: Gibt es da eine Art Universaltipp?

Christian Püttjer: Jein. Bei einigen Typen hilft Distanz mehr, bei einigen direkte Gegenmaßnahmen. Es hilft aber auf jeden Fall schon mal, sich klarzumachen, dass diese Leute eine spezielle Art haben, durchs Leben zu gehen - und dass sie nicht nur mit mir so umgehen.

Christian Püttjer

BRIGITTE.de: Sollte man solche Gute-Laune-Diebe darauf aufmerksam machen, dass sie nerven?

Püttjer: Schwierig. Wenn Sie jemandem sagen "Du jammerst aber immer nur herum, das nervt mich", dann wird er antworten "Ja, aber was soll ich denn machen, ich habe es nun mal schwer". Wenn man Gute-Laune-Diebe auf ihr Verhalten anspricht, bekommt man meistens eine Replik, an der man wiederum verzweifelt.

BRIGITTE.de: Das klingt aber ziemlich ernüchternd - man ist den Nervensägen also ausgeliefert?

Püttjer: Am besten ist immer der Vergleich mit dem Privatleben. Im Freundeskreis hat man ja auch immer bestimmte Typen. Aber dort lacht man darüber oder denkt sich einfach "Sprich Petra bloß nicht auf das Elend der Welt an, sonst jammert sie wieder" oder "Wenn Oliver da ist, wird er sofort in die Küche gehen und schauen, ob seine Art von Cola im Kühlschrank ist". Bei Freunden hat man eher Verständnis dafür, dass diese Menschen eine ganz bestimmte Persönlichkeit haben. Es kann helfen, wenn man erkennt, dass man bestimmte Typen im Alltag einfach immer wieder trifft und sie so akzeptieren muss, wie sie sind.

BRIGITTE.de: Leicht gesagt - wie schafft man es denn, gelassen zu bleiben, wenn man sich immer wieder über das Verhalten seines Kollegen ärgert?

Püttjer: Ich habe mal den Satz von einem Paartherapeuten gelesen: Man muss Menschen sehr mögen, um sie zu hassen. Wenn Sie sich mal angucken, über welche Kleinigkeiten sich die Leute bei ihren Partnern aufregen! Das würden Sie bei Leuten, die Ihnen nicht so nahe stehen, überhaupt nicht tun. Der Wunsch, dass der andere sich ändert, entsteht nur bei Leuten, mit denen Sie eng verbunden sind. Der Trick, den man auch Gelassenheit nennen kann, besteht also darin zu hinterfragen: Warum reagiere ich so heftig? Bei anderen Leuten akzeptiere ich die Macke doch auch.

BRIGITTE.de: Bei Kollegen ist die Antwort darauf aber doch wahrscheinlich: Weil ich ständig mit ihnen zu tun habe.

Püttjer: Ja, zum Teil. Aber es hat auch damit zu tun, wie Sie selbst wahrgenommen werden möchten. Man denkt: Warum sieht der Kollege eigentlich nicht, dass ich total überlastet bin? Oder: Warum lobt der Chef mich so selten? Oder: Warum merken die Leute nicht, dass ich heute schlechte Laune habe und meine Ruhe haben will? So funktioniert das aber nicht - Sie können nichts dagegen tun, dass die anderen nun mal anders ticken als Sie. Wenn man andere ändern möchte, ist es am besten, sich selbst zu ändern.

BRIGITTE.de: Manchmal hat ja auch jeder das Bedürfnis, sich selbst richtig Leid zu tun oder den Besserwisser raushängen zu lassen. Welchen Tipp haben Sie für diese Situation?

Püttjer: Mir persönlich wäre am liebsten, wenn man in dieser Situation über sich lachen kann. Wenn man zum Beispiel schlechte Laune hat, darüber aber kurz schmunzeln kann und sich sagt "Mann, habe ich heute schlechte Laune. Ich würde mir jetzt selbst nicht gern in die Quere kommen". Das ist erheblich besser, als an sich zu verzweifeln.

Keine Macht den Gute-Laune-Dieben! Wie Ihnen schwierige Menschen nicht mehr den letzten Nerv rauben Christian Püttjer, Uwe Schnierda Campus Verlag 14,90 Euro

Interview: Swantje Wallbraun

Wer hier schreibt:

Swantje Wallbraun
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