Beauty-Berufe: Die Schönheits-Profis

Haare waschen, Maniküre, Gesichtsbehandlung - wir lassen kaum jemanden so dicht an uns heran wie sie. Aber was können unsere Experten eigentlich wirklich? Worauf muss man achten? Ein Leitfaden durch den Dschungel der Beauty-Berufe.

Keine Frage, es ist ziemlich überspannt, dass reiche und schöne Menschen für eine Gesichtsbehandlung nach New York fliegen oder zur Fußpflege nach Paris. Möglicherweise langweilen sie sich, möglicherweise möchten sie gern bei der Star-Beauty-Fachkraft gesehen werden. Vielleicht ist es aber auch ganz anders, und den Jetset plagt genau das gleiche Problem wie uns: Hat man endlich einen guten Friseur, eine fachkundige Kosmetikerin oder sonst einen passenden Schönheits-Experten gefunden, nimmt man dafür auch längere Wege in Kauf.

Nur: Warum ist es bloß so schwierig, jemanden zu finden, der einen überzeugt? In Deutschland gibt es etwa 220 000 Friseure, 34 000 Kosmetikerinnen, 30 000 Nagelstudios. Doch leider hat der Gesetzgeber für Berufe, die mit Verschönerung im weitesten Sinne zu tun haben, bisher kaum Richtlinien festgelegt.

"In Deutschland herrscht Gewerbefreiheit", erklärt Klaus Dieter Reimann, Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer Berlin. "Jeder, der volljährig, unbescholten und geschäftsfähig ist, kann eine Handwerkskarte bekommen, auf der eingetragen wird, dass man eine gewerbeähnliche Tätigkeit ausübt. Zulassungsfrei und ohne Fachnachweis." Eine Ausnahme bilden nur Friseure, die immer eine Lehre machen müssen. Das heißt: Jede Frau kann sich einen Gewerbeschein holen und ein Kosmetikstudio aufmachen. Egal, ob sie zwei Jahre, zwei Wochen oder gar nicht ausgebildet wurde. Berufsgruppen, die Wert auf Qualität legen, haben deshalb eigene Verbände gegründet und eigene Richtlinien entworfen.

Wir haben uns bei den entsprechenden Institutionen umgehört und von ihren Vertretern Checklisten erstellen lassen, die helfen, gute Schönheits-Profis zu finden.

Friseure

Was ein Friseur macht, ist eindeutig in der Berufsbeschreibung der Bundesanstalt für Arbeit definiert, schließlich ist das ein anerkannter Ausbildungsberuf nach der Handwerksordnung. Gelernt wird drei Jahre, danach wird man Geselle und später möglicherweise Meister. Zwingend notwendig ist der Titel für das Führen eines Salons allerdings nicht mehr. Es reicht, wenn der Salon auf den Namen eines Meisters läuft. Und woran erkennt man die Qualität der Arbeit? "Schneiden, Färben, Umformen hat eigentlich jede Friseurin drauf", so Birger Ketzler, Obermeister der Friseur-Innung Hamburg. "Gute Friseure nehmen sich Zeit, um fundiert zu beraten." Da die Konkurrenz groß ist, müssen Friseure sich etwas einfallen lassen, um zu überleben. Eine Variante sind "Alles 10 Euro"-Salons. "Für 10 Euro kann ich nicht beraten", sagt Ketzler. "Das heißt nicht, dass ein 10-Euro- Friseur automatisch schlecht ist. Qualität ergibt sich aber auch über die Zeit, die jemand für den Schnitt zur Verfügung hat." Ein anderes Lockmittel sind Zusatzleistungen, die nicht zum Standard-Repertoire von Friseuren gehören, wie Haarverlängerungen oder -verdichtungen (Extensions). "Dafür gibt es keine Ausbildung, nur Lehrgänge beim Hersteller." Friseure müssen aber wissen, wie problematisch Extensions bei feinen Haaren sind - die können unter der Last der Kunsthaare sogar ausfallen.

Checkliste für Friseure: Qualität entsteht mit der Zeit: Ein guter Haarschnitt dauert etwa 40 bis 50 Minuten, Kurzhaarschnitte sind auch mal in nur 30 Minuten möglich.

An einem Gütesiegel für Fachbetriebe wird gearbeitet. Erkennbar sind gute Geschäfte schon jetzt an silbernen Aufklebern an der Tür: "Mitglied in der Friseur-Innung, dieser Betrieb bildet aus".

Nagelstudios

Nagelstudios - das waren bis vor kurzem Betriebe, die weitgehend im Verborgenen arbeiteten. So jedenfalls die Erfahrung von Terri Malon, Geschäftsführerin des Bundes Deutscher Nail Designer. "Als ich vor drei Jahren auf den Deutschen Handwerkstag kam, war den Offiziellen dort völlig neu, dass es überhaupt Nagelstudios gibt." Und zwar richtig viele: 30 000 solcher Betriebe feilen und lackieren derzeit in Deutschland, und es werden immer mehr. Terri Malon hat deshalb vor einem Jahr einen Verband gegründet und zusammen mit Firmen und Ausbildern Richtlinien und Qualitätsstandards für den Beruf der Nagel-Designer erarbeitet. Seit Juli können die jetzt in einigen Städten vor der Handwerkskammer z.B. in Hamburg eine fünfstündige Prüfung zum staatlich geprüften Nail Designer ablegen. Das ist immerhin ein Anfang. Der Verband hat bisher allerdings nur rund 250 Mitglieder, und die Bezeichnung Nail Designer ist nicht geschützt. Es darf sich weiterhin jeder so nennen.

Checkliste für ein Nagelstudio:

  • Es gibt keinen Teppich - die Feinstaubbelastung wäre viel zu hoch.
  • Gearbeitet wird immer mit Handschuhen. Am besten wird mit einem Luft-Staub-Absauger gefeilt.
  • Vor Beginn der Behandlung wird die Kundin aufgefordert, sich die Hände zu waschen - das reduziert schon mal einen Teil der Keime.
  • Verwendet werden nur neue Einwegfeilen, oder es werden eigene Sets der Kunden angelegt. Der Grund: Feilen kann man nicht sterilisieren, weil die Oberfläche zu rau ist. Bei einer Wunde am Nagelrand ist die Feile infiziert und kann schlimmstenfalls Aids oder Hepatitis B übertragen

Kosmetikerinnen

Nach jahrelanger Uneinigkeit gibt es demnächst nun die ersten staatlich geprüften Kosmetikerinnen. Seit 2003 ist die Tätigkeit ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz, die Ausbildung dauert drei Jahre. Während allerdings in der ehemaligen DDR Kosmetikerinnen den Friseuren gleichgestellt waren und sogar ihre Meisterprüfung machen konnten, ist die Bezeichnung "Kosmetikerin" hier nicht geschützt. "Jede Frau darf sich nach wie vor Kosmetikerin nennen, egal ob und wie sie ihr Handwerk gelernt hat", kritisiert Monika Ferdinand, Vorsitzende des Bundes Deutscher Kosmetiker/innen (BDK). Eine Initiative des Verbandes, alle Kosmetikerinnen ohne Ausbildung in Zukunft nur noch mit "Schönheitspflegerin" zu betiteln, scheiterte. Und nach wie vor herrscht Uneinigkeit darüber, was eine Kosmetikerin darf und was nicht. Laut staatlicher Berufsbeschreibung kann sie neben klassischen Körper- und Gesichtsbehandlungen und Beratung auch Haarentfernung per Laser anbieten. "Jedes Lasern ist aber eine kontrollierte Verbrennung", warnt der Laser-Spezialist und Dermatologe Dr. Frank-Matthias Schaart aus Hamburg. Wird auf ein Haar mehr als einmal geschossen, kann es Blasen und Narben auf der Haut geben. Das Lasern also unbedingt den Experten überlassen, die dieses Handwerk wirklich gelernt haben - also Hautärzten mit spezieller Laser-Ausbildung!

Schwierig ist es auch bei der Fußpflege. Eine ausgebildete Podologin erkennt man am Zusatz "medizinische Fußpflegerin". Alle anderen dürfen "kosmetische Fußpflege" oder paradoxerweise "medizinische Fußpflege" auf ihr Angebot schreiben. Wer als Kundin nicht ganz genau liest, kann leicht an die Falsche geraten.

Wenigstens hat das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen im Mai dieses Jahres Kosmetikerinnen untersagt, Falten zu unterspritzen. Trotzdem bieten Kosmetik-Schulen immer noch solche Lehrgänge an - mit dem Hinweis, dass die Ausbildung empfehlenswert sei für Personen, die spritzen dürfen, etwa für Krankenschwestern. Dermatologen wie Dr. Johannes Müller- Steinmann, Mitglied im Deutschen Dermatologenverband, halten das für fragwürdig: "Spätestens, wenn es zu allergischen Reaktionen kommt, sind Kosmetikerinnen überfordert. Mit der Haut kennen sich Mediziner immer noch am besten aus."

Checkliste für ein Kosmetik-Institut:

  • "Diplom-Kosmetikerinnen" und "Medizinische Kosmetikerinnen" meiden. Diese Titel gibt es nicht. Je kürzer die Ausbildung, desto länger ist meist die Diplom-Bezeichnung.
  • Eine gute Kosmetikerin weiß über Inhaltsstoffe und Besonderheiten der verwendeten Kosmetikmarken Bescheid.
  • Das ganze Institut sollte einen sauberen und hygienischen Eindruck machen.
  • Bei Kosmetikerinnen, die ausbilden, kann man davon ausgehen, dass sie ihr Handwerk verstehen (ausbilden dürfen nur die, die selber eine staatlich anerkannte Ausbildung haben).

Tätowier- und Piercing-Studios

Die Rose auf der Wade vom Stadtfest, den Knopf im Nabel vom Rockfestival - es ist wirklich abenteuerlich, unter welchen Umständen manche Tattoos und Piercings zustande kommen. Bei dubiosen Arbeiten helfen auch keine Checklisten, um solche Angebote besser einen großen Bogen machen. Besonders Eltern sollten ihre Kinder über die Risiken aufklären. Piercing-Studios arbeiten generell in einer juristischen Grauzone. "Das ist eine ziemlich lockere Angelegenheit", sagt Irene Fahner, Gründungsberaterin bei der IHK Berlin: "Piercer werden zwar kraft Gesetz Mitglied der IHK und bekommen dort eine Beratung, aber die beinhaltet eher Rechtsvorschriften. Dabei wird auf die Infektionsverhütungsverordnung und auf spezielle Weisungen beim Hygiene-Amt zwar hingewiesen, aber abgefragt wird das nicht. Und auch sonst gibt es keine zwingenden Vorschriften." Dabei kann es beim Piercing zu Nervenlähmungen, Allergien und monatelangen Entzündungen kommen.

Ein bisschen einfacher ist die Situation bei Tätowierern. Deshalb hat auch die Bundesanstalt für Arbeit den Beruf in ihr Repertoire aufgenommen, auch wenn es keine anerkannte Ausbildung dafür gibt. Stattdessen verweist die Behörde auf die Deutschen Organisierten Tätowierer (DOT). Diese Vereinigung bemüht sich um Qualität in der Branche. Größtes Problem auch hier: "Es gibt keine offiziellen Richtlinien für Tätowierer, insbesondere was die Hygiene angeht", so Herry Nentwig, DOT-Gründungsmitglied und heute Präsident der Europäischen Vereinigung der Tätowierer (UETA, www.ueta.org). Zusammen mit dem Hygiene-Institut Gießen hat Nentwig Richtlinien zur Handhabung und Sterilisation entwickelt. "Wer im DOT aufgenommen werden will, muss mindestens einmal an einem Hygiene-Seminar teilgenommen haben und dazu fünf Jahre Berufserfahrung und künstlerische Begabung vorweisen können." Alle drei Jahre lassen die Mitglieder sich freiwillig hinsichtlich ihrer Hygiene- Standards prüfen. Neueröffnungen werden generell vorher vom Hygiene-Amt abgenommen. Dazu klärt die Vereinigung über Gesundheitsrisiken, Infektionen und Allergien auf und bietet Erste-Hilfe-Kurse für Tätowierer an.

Checkliste für ein Tätowier oder Piercing-Studio:

  • Der Behandlungsraum ist vom Rezeptionsbereich funktional abgetrennt, in diesem Raum wird nicht geraucht, gegessen oder getrunken.
  • Fußböden und Arbeitsflächen sind glatt und wasserabweisend bzw. problemlos und leicht abzuwischen.
  • Am Arbeitsplatz stehen geeignete Seifen- bzw. Desinfektionsmittel- und Papierhandtuchspender.
  • Die Arbeitsfläche sollte mit Einweg-Unterlagen abgedeckt sein, die vor jedem Kunden gewechselt werden.
  • Tätowierer oder Piercer tragen grundsätzlich Einweghandschuhe.
  • Für jede Kundin werden sterile Werkzeuge und - beim Tätowieren - neue Farben verwendet.
Text: Kirstin Bock BRIGITTE Heft 22/2006

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