Berufsunfähig: Wovon leben, wenn kein Gehalt mehr kommt?

Berufsunfähigkeitsversichrung: Gestresste Frau im Büro

Ob durch Krankheit oder Unfall: Jeder Vierte kann irgendwann nicht mehr arbeiten. Deshalb ist es wichtig, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu haben. Wir verraten, was sie kostet und worauf man achten sollte.

Hast du ein großes Vermögen? Dann musst du eigentlich nicht weiterlesen: Du bist zum Leben nicht auf dein Gehalt angewiesen und musst dich also auch nicht absichern für den Fall, dass du krank wirst und nicht mehr arbeiten kannst. Allen anderen aber raten Verbraucherschützer und Versicherungsexperten eindringlich eine Berufsunfähigkeits­versicherung abzuschließen.

Es betrifft Männer genauso wie Frauen

Denn im Lauf des Arbeitslebens trifft es inzwischen gut jeden Vierten - Männer im Durchschnitt mit 48, Frauen mit 46 Jahren, so eine Erhebung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). "In manchen Berufsgruppen ist das vorzeitige Ausscheiden aus dem Arbeitsleben schon der Normalfall", sagt BRIGITTE­-Finanz­expertin Helma Sick. Sie erlebt in ihren Beratungen immer wieder, wie gern die­ses Risiko verdrängt wird. "Die Menschen denken: Mir wird schon nichts passieren. Oder: Diese Versicherung ist viel zu teuer. Oder: Eine Unfallversicherung ist viel günstiger und sichert mich auch gut ab." Doch das ist ein Trugschluss. In den seltensten Fällen tritt Berufsunfähigkeit nach einem Unfall ein, bei Frauen sind es sogar nur vier Prozent. Die weitaus häufigeren Gründe sind laut GDV psychische Erkrankungen (Frauen: 30 Prozent, Männer: 22 Prozent), Krebs (22 bzw. 16 Prozent) oder Erkrankungen des Bewegungsapparats (14 bzw. 21 Prozent).

Die BU ist wie eine monatliche Rente

Wenn man sich dagegen abgesichert hat, zahlt die Berufsunfähigkeitsversi­cherung (BU) eine monatliche Rente, sobald der Job nur noch zu 50 Pro­zent oder weniger ausgeübt werden kann. 3,6 Milliarden Euro haben die Versiche­rungen 2016 dafür ausgezahlt.

Der Haken daran ist: Der Weg bis zur Versicherung kann mühsam und kompli­ziert sein. Hilft aber nichts. Wir erklären hier, worauf man achten sollte und beantworten die wichtigsten Fragen:

  • Was will die Versicherung wissen?

    Der Fragenkatalog ist sehr detailliert, doch es muss wahrheitsgemäß und vollständig geantwortet werden, sonst kann die Versicherung im Notfall die Zahlung verweigern. Wie alt bist du? Arbeitest du im Büro? Kletterst, rauchst, reitest du? Wie viel wiegst du? Das sind die einfachen Fragen. Für die nach den Vorerkrankungen solltest du dir Zeit nehmen, deine Unterlagen durchsehen und die Formulare am besten mithilfe deiner Ärzte und eines spezialisierten Versicherungsberaters ausfüllen. Gab es Klinikaufenthalte? Operationen? Hast du Allergien, nimmst du Medikamente? Warst du bei Ärzten, Heilpraktikern oder Psychotherapeuten in Behandlung? Wegen welcher Erkrankungen? Manche Versicherungen stellen diese Fragen für die zurückliegenden fünf Jahre, manche wollen für die letzten zehn Jahre alles wissen.
  • Wie kommt der Tarif zustande?

    Neben den Vorerkrankungen spielt auch das Alter eine Rolle, ähnlich wie bei der Risikolebensversicherung: Je jünger (und gesünder) man ist, desto günstiger wird es. Und: Je "gefährlicher" der Beruf, also je höher für den Versicherer die Wahrscheinlichkeit, irgendwann mal eine Rente auszahlen zu müssen, desto teurer ist der Beitrag. Deutlich sieht man das in den Tarifen, die das unabhängige Analysehaus Morgen & Morgen für BRIGITTE- Leserinnen zusammengestellt hat: Wir berechneten sie für zwei Musterkundinnen. Bis auf den Beruf sind alle ihre Eigenschaften (Alter, Gewicht, Nichtraucher etc.) identisch. Doch die eine ist Krankenschwester, die andere Bürokauffrau. Wenn beide mit 30 Jahren die Versicherung über 1500 Euro Rente abschließen, muss die Krankenschwester dafür schon mehr als 70 Euro pro Monat mehr zahlen als die Bürokauffrau. Und für beide wird der Beitrag deutlich höher, wenn sie die Versicherung erst mit 45 Jahren abschließen würden.
  • Welche Berufe kommen günstig weg?

    Alle, in denen laut Statistik relativ wenige Fälle von Berufsunfähigkeit entstehen. Meistens sind das Bürojobs. Als riskant gelten Berufe mit hohen körperlichen und/oder psychischen Belastungen, etwa Dachdecker, Bäcker, Altenpfleger oder Krankenschwestern. Das ist auch der Grund, warum Morgen & Morgen für die Krankenschwester nur 52 Tarife bei 24 Anbietern fand, für die Bürokauffrau aber 85 Tarife bei 37 Anbietern. Die Versicherer haben die Berufsgruppen mittlerweile immer weiter aufgefächert und lehnen manche generell ab; der Bund der Versicherten spricht deshalb kritisch von "Rosinenpickerei".
  • Was zeichnet die Top-Tarife aus?

    Alle sind eigenständige Berufsunfähigkeitsversicherungen. Es gibt auch Tarife in Kombination mit einer Risikolebensversicherung, zur besseren Vergleichbarkeit haben wir uns aber auf die "reine" BU konzentriert.

    Verzicht auf abstrakte Verweisung: Kann die Kundin ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben, bekommt sie die vereinbarten Leistungen - und wird nicht auf eine andere Tätigkeit verwiesen, die sie theoretisch ausüben könnte.

    Es wird nur geprüft, ob die Versicherte den zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kann und nicht etwa einen, den sie vielleicht vor zehn Jahren hatte.

    Sechs-Monats-Prognose: Die Berufsunfähigkeit wird anerkannt, wenn der Arzt sie für voraussichtlich sechs Monate prognostiziert.

    Rückwirkende Leistung bei verspäteter Meldung: Wird die Berufsunfähigkeit verspätet gemeldet, zahlt der Versicherer mindestens bis zu drei Jahre rückwirkend.

    Beitragsstundung: Bis zur Entscheidung über den Antrag muss die Versicherte keine weiteren Beiträge zahlen. (Wird dann Rente gezahlt, sind ohnehin keine Beiträge mehr fällig.) Für ein und dieselbe Kundin kann es Preisunterschiede von bis zu 500 Prozent geben. Tipp: nicht entmutigen lassem, sondern mehrere Angebote in Ruhe und zusammen mit einem Berater prüfen. Für eine erste Orientierung kann man seine Daten auch in den Vergleichsrechner auf www.sorgloscheck.de eingeben.

Berufsunfähigkeit: die Top-Tarife

Berufsunfähig: Wovon leben, wenn kein Gehalt mehr kommt?

Vorgaben: Nichtraucherin; keine Personalverantwortung; Fachabitur; Versicherungs-/Leistungsendalter: 67 Jahre; BU-Rente: 1500 Euro; mtl. Zahlweise; Überschusssystem: Sofortrabatt; jeweils der günstigste Tarif je Versicherer; Leistungsfilter: rückwirkende Leistung bei verspäteter Meldung, Prognosezeitraum 6 Monate, Verzicht auf abstrakte Verweisung, Beitragsstundung bis zur endgültigen Entscheidung, Prüfung zuletzt ausgeübter Beruf; Abfragezeitraum Psychotherapie: max. 5 Jahre.


Hinweis: Das unabhängige Analysehaus Morgen & Morgen hat für den Beruf einer Bürokauffrau aus 85 Tarifen von 37 Anbietern und für den Beruf einer Krankenschwester aus 52 Tarifen von 24 Anbietern die 10 günstigsten Tarife zusammengestellt, beispielhaft für die angegebenen Kriterien. Der Tarif für deine individuelle Situation kann anders ausfallen.

BRIGITTE 22/17

Wer hier schreibt:

Claudia Münster
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