Böse Börse? 5 Gründe, warum wir unser Geld anlegen sollten

Viele Menschen spielen lieber Lotto, als in Aktien oder Fonds zu investieren. Weil sie Angst haben - oder Vorurteile. Zu Recht?

Mythos 1: "Aktien sind nur was für Reiche"

Ich habe ja eh kein Geld - und Börse ist nur was für die da oben.


FAKT IST: Reiche Menschen vermehren ihr Geld an der Börse, aber Normalverdiener können das auch! Denn über Gewinn und Verlust an der Börse entscheidet nicht die Höhe des eingesetzten Kapitals, sondern die Anlagestrategie.

Deutsche verdienen im internationalen Vergleich gut und sparen viel; rund zehn Prozent ihres Einkommens legen sie im Schnitt zurück, nur die Schweizer sparen mehr. Vergleicht man die Pro-Kopf-Vermögen, belegt Deutschland allerdings nur Rang 18 - noch hinter Taiwan, den Niederlanden, Frankreich oder Italien. Das zeigt der jüngste Global Wealth Report von Allianz Global Investors. Einer der Gründe, so die Studienautoren: Deutsche arbeiten brav für ihr Geld, Bürger in anderen Ländern dagegen lassen ihr Geld für sich arbeiten.

Deutsche arbeiten brav für ihr Geld, Bürger in anderen Ländern lassen ihr Geld für sich arbeiten.

Börse ist im Grunde sogar demokratisch, weil jeder die Chance hat, sich selbst mit geringen Mitteln am "Produktivkapital" zu beteiligen. Ein Sparplan in Fonds oder ETFs (Exchange Traded Fund) ist schon ab 25 Euro im Monat möglich. Und: Wenn du wenig verdienst, musst du eigentlich sogar ganz besonders darauf achten, dass sich dein Geld vermehrt.

Mythos 2: "Börse ist ein schmutziges Geschäft"

Die Arbeitslosigkeit steigt, und Börsianer jubeln! Konzerne verpesten die Umwelt, hoch dotierte Manager schließen Standorte, trotz Milliarden-Gewinnen. Alles, um die Shareholder, also die Aktionäre, mit hohen Renditen zu befriedigen.


FAKT IST: Börse ist ein Ort der Unternehmensfinanzierung. Als Aktionärin wirst du zur Miteigentümerin eines Unternehmens: Du trägst Risiken, und du bekommst deinen Anteil am Gewinn. Und du kannst - anders als bei Bankeinlagen - Einfluss darauf nehmen, was mit deinem Geld geschieht.

Das fängt mit der Entscheidung an, an welchen Unternehmen du dich beteiligen möchtest. Das können ja auch solche sein, die Technologien entwickeln, die Armut lindern oder die Umwelt schonen. Nachhaltige Anlagen bieten viele Möglichkeiten, Geld mit sauberem Gewissen zu verdienen.

Mythos 3: "Börse ist ein Spielcasino -
 ich kann nur verlieren"

Kurz vor der Jahrtausendwende haben wir doch alle Telekom-Aktien gekauft - und sind auf die Nase gefallen. Nie wieder!

FAKT IST: Mit dem Börsengang der Telekom brach ein wahrer Börsen-Hype los - und nach exorbitanten Kursanstiegen bei Technologie- und Internetaktien folgte der Crash. Aber: Die Weltwirtschaft wächst beständig, und es sind Unternehmen, die das Geld erwirtschaften.

Ja, kurzfristig bergen Aktien Risiken, weil sie an der Börse gehandelt werden und die Kurse schwanken. Langfristig aber entwickelt sich der Kurs einer Aktie mit dem Unternehmenswert.

Ende der 90er-Jahre waren Anleger gierig geworden. Die Nachfrage nach Aktien war so groß, dass deren Preise weit über den Wert der Unternehmen geklettert waren. Das Ungleichgewicht hat sich im Crash aufgelöst. Im Langfristchart, also einer grafischen Abbildung der Kursentwicklung über viele Jahre, ist dieser Crash - wie alle anderen auch - heute nur noch eine kleine Delle.

Mythos 4: "Die richtige Aktie ist entscheidend für den Erfolg" 

Hätte ich nur vor 20 Jahren 3000 Mark in Apple investiert - ich wäre heute Millionärin. Wenn man nicht DIE richtige Aktie findet, verdient man an der Börse kein Geld.


FAKT IST: Es gibt Überflieger, die das Kapital der Anteilseigner rasant vermehren. Aber im Rückspiegel tauchen auch zahlreiche Verlustbringer auf. Unternehmens- und Kursentwicklung sind nicht vorhersehbar. Die Spreu eindeutig vom Weizen zu trennen, fällt selbst Profis schwer, deren tägliches Brot diese Analysen sind.

Der Anlageerfolg wird nicht durch eine Aktie, sondern zu 90 Prozent durch die Asset Allocation bestimmt, also die Zusammensetzung eines Depots. Vor allem eine breite Streuung - über Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien etc.) und Märkte (Branchen, Regionen) - reduziert die Risiken.

Ein kostengünstiger ETF bildet die Wertentwicklung eines Index ab. Mit einem ETF auf den Dax bist du an der Wertentwicklung von 30 deutschen Top-Unternehmen beteiligt, beim MSCI World sind es 1600 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Dein Vermögen ist also breit gestreut.

Mythos 5: "Sparkonto und Anleihen sind sicherer als Aktien"

Safety first: Lieber in sichere Staatsanleihen investieren oder das Geld auf dem Konto parken!

FAKT IST: Das Geld auf dem Konto ist in der Regel bis zu einer Höhe von 100 000 Euro über die Einlagesicherung der Banken garantiert. Auch Staatsanleihen von Emittenten höchster Bonität - etwa dem deutschen Staat - zahlen am Ende der Laufzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit das investierte Kapital plus Zins wieder aus.

Doch genau da ist der Haken: Aktuell tendiert der Zins gen null, und das dürfte auch noch eine Weile so bleiben. Und wenn die allgemeine Teuerungsrate (Inflation) über dem Zinssatz liegt, verliert dein Geld an Wert. Solche schleichenden Risiken werden - anders als ein Börsencrash - kaum wahrgenommen, aber ihre Wirkung ist gewaltig. Ein Beispiel: Du legst 10 000 Euro auf das Sparkonto, Zinssatz 0,1 Prozent. Bei einer Inflationsrate von mageren zwei Prozent hast du nach fünf Jahren schon fast 1000 Euro an Kaufkraft verloren.

Investments in Aktien sind kurzfristig riskanter, über lange Zeiträume aber sind die Renditeaussichten gut. Internationale Aktienfonds brachten in den vergangenen 20 Jahren eine jährliche Rendite von 5,6 Prozent - trotz aller Risiken und Crashs. 

Tipp: Alles über Investmentfonds lesen Sie bei "herMoney", dem unabhängigen Finanzforum für Frauen.

Mehr Infos und Anmeldung: www.brigitte.de/academy
Mehr Infos zu "herMoney": http://hermoney.de

Text: Birgit Wetjen, Redaktionsleiterin bei herMoney

BRIGITTE 03 / 2018
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