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Büromode: Ein erfolgreiches Meeting beginnt vor dem Kleiderschrank


Unser Outfit kann uns einen starken Auftritt verschaffen. Oder fast körperlichen Schmerz - wenn wir danebengegriffen haben.

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BRIGITTE: Wir leben in modisch sehr legeren Zeiten. Ist es für eine Frau heute noch wichtig, sich ernsthafte Gedanken darüber zu machen, ob sie im Job gut angezogen ist?

Mario Eimuth: Ich denke, das ist sehr wichtig. Eine Frau, die sich gut anzieht, steigert ihr Selbstwertgefühl. Mode hat eine starke tiefenpsychologische Wirkung. Jeder kennt das Gefühl, wenn er zu einem bestimmten Anlass unpassend gekleidet gewesen ist. Da kann man fast körperliche Schmerzen verspüren. Oder: Wenn ich gerade aus der Dusche gestiegen bin, telefoniere ich mit einem Geschäftspartner ganz anders, als wenn ich bereits im Anzug stehe. So wie man gekleidet ist, so fühlt man sich auch. Das überträgt sich auf die Wirkung nach außen.

BRIGITTE: Dann ist Mode so etwas wie eine zweite Haut, die in engem Kontakt zu unserem Inneren steht?

Mario Eimuth: Das ist auf jeden Fall so. Zum anderen steigert sie die Attraktivität. Frauen, die gut angezogen sind, wirken anziehender und haben sogar in mancherlei Hinsicht mehr Entscheidungsgewalt. Eine Frau, die einen Hosenanzug trägt, hat ein resoluteres Auftreten. Frauen werden anders wahrgenommen, wenn sie schick gekleidet sind.

BRIGITTE: Wenn eine Frau ihr Äußeres eher vernachlässigt, wie wird sie dann wahrgenommen?

Mario Eimuth: Wenn sie fachlich sehr versiert ist, ist es sicherlich kein Nachteil. Aber gute Kleidung ist immer ein deutlicher Pluspunkt. Man hat mehr Überzeugungskraft, wenn man sich ansehnlich kleidet.

BRIGITTE: Wenn ich als Frau sehr darauf achte, mich gut zu kleiden, betone ich mitunter auch meine Weiblichkeit. Ist das im Job wirklich angesagt?

Mario Eimuth: Sie betonen ja nicht unbedingt das Weibliche. Mit einem Hosenanzug etwa liegt der Akzent auf dem Maskulinen. Der Hosenanzug ist ein maskulines Stilelement. Schließlich hat Yves Saint Laurent durch den Smoking zur Emanzipation der Frau beigetragen. Das hat sich bis heute nicht verändert. Eine Frau, die einen Anzug trägt, versucht im Unterbewusstsein, sich Einlass in die Männerdomäne zu verschaffen. Selbst wenn eine Frau einen sehr feminin geschnittenen, taillierten Anzug trägt, zieht sie sich nicht auf ihre Weiblichkeit zurück, sondern sie inszeniert spielerisch einen starken Auftritt.

BRIGITTE: Welche Kleidungsstücke sind unverzichtbar, um im Job ein ideales Image von mir zu erzeugen?

Mario Eimuth: Ich finde es ganz wichtig für eine Frau - im Gegensatz zu den Männern - dass sie die Vielfalt und Fülle an Mode, die angeboten wird, auch nutzt, damit spielt. Das heißt übrigens nicht, extrem viel Geld dafür auszugeben. Sondern vor allem ein Gefühl dafür zu haben, wie man die Dinge immer wieder neu stylen kann. Eine Art Basis- Sortiment ist für eine moderne Businessgarderobe das Fundament. Wenn man sich das wie einen Baukasten aufbaut, klappt das sehr gut. Darüber hinaus muss man ein gutes Händchen haben, Einzelteile neu zu integrieren und so immer wieder einen neuen Look zu kreieren. Zur Basis gehören zwei Hosenanzüge, unbedingt ein Kostüm, weiße und schwarze Blusen, drei Flanelloder Baumwollhosen, je nach Winter oder Sommer, eine Jeans. An einem x-beliebigen Arbeitstag ist man als Frau sehr gut gekleidet, wenn man einen Kitten-Heel (Schuh mit bis zu 3 cm hohem Pfennigabsatz) trägt, eine gut sitzende Jeans, eine weiße Bluse und ein schönes Sakko oder einen Trench darüber. Das ist perfekt gestylt.

BRIGITTE: Darf man zweimal hintereinander in denselben Klamotten erscheinen?

Mario Eimuth: Nein, innerhalb einer Woche sollte man nicht zweimal dasselbe Outfit anziehen. Das ist eine Frage der Sauberkeit. Die Umgebung könnte auch schnell assoziieren, dass man wahrscheinlich nicht nach Hause gekommen ist. Außerdem signalisiert das Einfallslosigkeit. Da haben es Männer leichter: Natürlich kann ein Mann zweimal hintereinander im Anzug auftauchen.

BRIGITTE: Eines der wichtigsten Teile der kommenden Saison ist das Kleid. Kann das im Job Punkte machen?

Mario Eimuth: O ja. Gerade besinnen sich ja alle Designer auf dieses Kleidungsstück. Das ist ein starkes Indiz für einen Paradigmenwechsel, der gerade in der Mode stattfindet - eine Hinwendung zu einer neuen Weiblichkeit. Das Kleid ist der Inbegriff von Feminität. Die Frauen haben heute wieder ein größeres Verlangen, sich ihrer weiblichen Seite zuzuwenden. Das Seinen-Mann-stehen-Müssen ist ein bisschen passé. Viele Frauen haben lange kein Kleid mehr im Office getragen. Ich denke, es wird sich in den nächsten Jahren beim Arbeiten stark durchsetzen. Im Sommer lässt sich das Kleid wunderbar mit einem Kaschmir-Cardigan kombinieren. Damit kann ich anschließend auch in den Biergarten gehen. Es wäre aber langweilig, bei der Fülle der neuen Kleider zu stark auf das kleine Schwarze zu setzen.

BRIGITTE: Welcher Kleidungsstil ist im Büro tabu?

Mario Eimuth: Man darf den Kern oder den Inhalt des Jobs nicht durch ein extrem gewagtes Outfit überblenden. Es ist wichtig, die weibliche Seite zum Tragen zu bringen, aber es darf niemals zu sexy sein. Oder zu sportiv - Baggy-Hosen haben am Arbeitsplatz nichts verloren - es sei denn, man arbeitet in einem sehr künstlerischen Berufsfeld. Eine Jeans muss in einer dunklen Waschung und ohne jegliche Applikationen sein. Gerade, schmale Formen sind jetzt gefragt. Zu viel nackte Haut - etwa bei einer sehr hüftigen Hose - zeugt von wenig Geschmack.

BRIGITTE: Eine Frau, die gut angezogen sein will, muss sich also durchaus ihre Gedanken machen. Gleichzeitig haftet modischem Aussehen ja immer auch der Makel der Oberflächlichkeit an ...

Mario Eimuth: Es ist ein Klischee zu behaupten, dass Mode etwas Oberflächliches ist. Mode drückt ganz stark Individualität aus. So gesehen bin ich eigentlich ganz dankbar über die Errungenschaften der letzten zehn Jahre, die uns Ketten wie H&M oder Zara beschert haben. Dadurch hat sich das Modebewusstsein in der Gesellschaft viel stärker verankert. So etwas hatten wir in Deutschland in den 80er Jahren gar nicht. In Italien oder Frankreich hat das ja immer zum Selbstbild der Frau und der Gesellschaft dazugehört.

BRIGITTE: Wie teuer ist es, eine modebewusste Frau zu sein?

Mario Eimuth: Ich bin ein großer Freund vom Mischen. Ganz wichtig finde ich die Fähigkeit, Dinge brechen zu können. Wenn man im Look nur eines Designers gekleidet ist, streicht das Auge des Betrachters über einen hinweg. Genauso sollte man seine Garderobe auch im Finanziellen brechen: Ein Look kann eine teure Designerhose sein, dazu kaufe ich mir ein preiswertes Sakko. Das vermindert die Gesamtausgabe. Es ist schwierig, eine gut sitzende Hose zu finden, viel leichter dagegen, ein gut sitzendes Sakko zu entdecken. Ich bin mir sicher, dass eine gute Mixtur aus Qualität und günstiger Mode das Portemonnaie nicht überstrapaziert.

BRIGITTE: Welche Rolle spielen Accessoires?

Mario Eimuth: Schuhe spielen eine enorme Rolle. Das gilt übrigens für Männer und Frauen gleichermaßen. Gut gekleidete Menschen brauchen ein Sortiment schöner Schuhe. Und Schuhe brauchen Qualität.

BRIGITTE: Wie kann eine modisch bislang eher uninteressierte Frau einen Sinn für modisches Kombinieren entwickeln?

Mario Eimuth: Jeder Mensch hat doch Freude an schönen Formen. Es gibt so viel Mode in unserer heutigen Welt zu sehen, auf der Straße, in Zeitschriften, in Filmen. Mode hat etwas mit Wachsamkeit zu tun, mit Entdeckungen, die man macht. Es hat ja auch nicht jeder gut angezogene Star den Stil mit dem Löffel gefressen. Gerade viele amerikanische Celebritys sind auf ihre Stylisten angewiesen. Ich muss aber sagen, wenn man zwei oder drei Läden hat, die man gern besucht, und sich dort auf das Modepersonal verlassen kann, ist man schon auf dem richtigen Weg. Wer sich auf Mode einlässt, hat die Chance, sich selbst neu zu erfinden.

Zur Person

Mario Eimuth arbeitete als Trendscout in New York und im Modevertrieb in Mailand. Danach führte er acht Jahre den Concept-Store Sarajo in München. 2004 eröffnete Mario Eimuth den Internet-Shop Stylebop. Dort bietet er Mode von über 100 Design- und In-Labels an, außerdem hat er einen "Jeans-Doktor" im Einsatz, der für jede Kundin die richtige Jeans findet (www.stylebop.com).

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Interview: Ellen Kaufmann Foto: Markus Tedeskino BRIGITTE Heft 6/2007

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