Burnout-Gefahr: Psychostress im Job nimmt zu

Zu wenig Anerkennung, zu viel Stress und unfähige Chefs: Die Deutschen leiden unter schlechten Arbeitsbedingungen und melden sich immer öfter wegen psychischer Probleme krank. Ein Bericht des Berufsverbandes Deutscher Psychologen liefert alarmierende Zahlen.

Auf dem Schreibtisch stapeln sich die Akten, das Email-Fach quillt über, die To-Do-Liste wird immer länger und der Chef fragt ständig nach dem Stand der Dinge. Irgendwann wächst einem alles über den Kopf. Die knappe Freizeit reicht nicht mehr aus, um sich vom Stress und Zeitdruck bei der Arbeit zu erholen. Im schlimmsten Fall endet das Ganze mit einem Burnout - und das immer öfter.

Nach dem jüngsten Bericht "Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz" des Berufsverbandes Deutscher Psychologen (BDP) nimmt die Zahl der psychischen Störung als Folge von Arbeitsstress drastisch zu. Ihr Anteil an den Ausfalltagen ist von 6,6 Prozent auf 10,5 Prozent angewachsen. Der Verband schätzt, dass depressive Verstimmungen 2020 der zweithäufigste Grund für Ausfalltage nach den Herzerkrankungen sein könnte.

Gerade Frauen leiden laut BDP unter den sich verschärfenden Arbeitsbedingungen. Ohnehin oftmals schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen, müssten sie meist auch noch mit der Doppelbelastung fertig werden: Kind und Familie auf der einen, Karriere auf der anderen Seite. Mütter, die nach der Elternzeit wieder in ihren alten Job einsteigen, könnten selten in punkto Karriere dort anknüpfen, wo sie bei der Geburt ihres Kindes aufgehört haben.

Die Ursachen für die psychischen Probleme reichen dem BDP-Bericht zufolge vom Zeitdruck über die gestiegene Komplexität der Arbeit bis hin zur mangelnden Wertschätzung und Führungsfähigkeit der Vorgesetzten. Ein entscheidender Punkt sei auch die Personalpolitik der Unternehmen. Um Kosten zu sparen, würden viele Firmen Personal entlassen. Aus Angst selbst Opfer der Sparmaßnahme zu werden, halsen sich viele Angestellte immer mehr Arbeit auf, gönnen sich weniger Freizeit und setzen sich selbst unter Druck. Chronischer Stress sei die Folge. Mehr noch. Die permanente Furcht vor dem Jobverlust verschärfe auch das Klima unter Kollegen. Mobbing und Intrigen würden zu-, Hilfsbereitschaft und Teamfähigkeit abnehmen.

In seinem Bericht legt der Verband der Psychologen unter anderem auch einen Schwerpunkt auf die Berufsgruppen der Lehrer und Ärzte und stellt dabei fest, dass Medizinerinnen ein ums fünffache erhöhtes Suizidrisiko hätten. Bei ihren Kollegen sei es hingegen nur ums dreifache erhöht. Insgesamt würden 20 Prozent der Ärzte an einem Burnout-Syndrom leiden. Bei den Lehrern sei vor allem die nach wie vor hohe Anzahl von Frühpensionierungen alarmierend. 24 Prozent der Lehrer gingen früher als vorgesehen in den Ruhestand.

Der BDP hat die Arbeitgeber jetzt aufgefordert, nachhaltige Präventivprogramme zu etablieren und die neuen Arbeitsbedingungen auch bei iher Personalpolitik zu berücksichtigen.

Foto: sodapix/vario images
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