Der Weg zum Traumjob

Seit geraumer Zeit quälen Sie sich nur noch zur Arbeit? Dann sollten Sie handeln: Mit unserem Psycho-Check entdecken Sie Ihr ungenutztes Potential. Und finden so wieder Spaß an Ihrem Beruf - oder endlich den Job, der wirklich zu Ihnen passt.

Die schlechte Laune fängt schon früh morgens mit dem Weckerklingeln an. Unter der Dusche kreisen die Gedanken darum, dass man die nächsten neun Stunden in einer Firma verbringen muss, die man nicht mag, mit Kollegen, die nerven und mit einer Arbeit, die alles mögliche mit einem macht - nur nicht glücklich und zufrieden.

Wenn Sie sich so fühlen, haben Sie Ihren Traumjob offensichtlich noch nicht gefunden. Vielleicht haben Sie einen Job, der Geld aufs Konto fließen lässt, die Existenz sichert. Aber eben nicht den, der Sie glücklich macht. "Na und?", könnte man sagen, "So geht es vielen Menschen. Man sollte froh sein, überhaupt einen Job zu haben."

Psychologen warnen vor dieser Einstellung. Schließlich verbringen die meisten von uns den größten Teil ihres Lebens bei der Arbeit. Wer dann dauerhaft unzufrieden mit seinem Job ist, riskiert, krank zu werden. Unzufriedenheit ist eine der Hauptursachen für einen Burnout, hat Lisbeth Jerich vom Institut für Organisations- und Personal-Management der Universität Graz herausgefunden.

Je besser man sich selbst und seine Wünsche kennt, desto einfacher ist es, den richtigen Beruf zu finden. Dewegen lautet die erste Frage: Was will ich eigentlich wirklich im Leben? Und die Zweite: Wie viel will ich mich im Job selbst verwirklichen? Zurzeit gibt es in Deutschland etwa 25.000 verschiedene Berufe. Wie soll man bei der Auswahl den richtigen finden? Den, der wirklich zu einem passt?

Ein Haufen 50-Cent-Münzen

Angelika Gulder

Angelika Gulder, Autorin des Buches "Finde den Job, der Dich glücklich macht", hat dafür einen Karriere-Navigator entwickelt. Mit ihm können Sie herauszufinden, welche Art von Beruf zu Ihnen passt. BRIGITTE.de hat einige der hilfreichsten Tipps und Übungen von Angelika Gulder für Sie zusammengestellt.

Checkliste: Sind Sie unzufrieden mit Ihrem Job?

Vielleicht sind Sie sich nicht ganz sicher, ob Sie mit Ihrem Job wirklich unglücklich sind oder ob das nur eine Phase ist? Dann schauen Sie sich folgende Liste an. Je mehr der folgenden Sätze auf Sie zutreffen, umso eher sollten Sie darüber nachdenken, den Job zu wechseln.

Sie müssen sich jeden Morgen aus dem Bett quälen

Am Montag freuen Sie sich schon aufs nächste Wochenende.

Sie verspüren ein wachsendes Gefühl von innerer Leere und Sinnlosigkeit in sich.

Bei der Arbeit träumen Sie von Dingen, die Sie lieber täten, als zu arbeiten.

Sie arbeiten eigentlich nur für Ihren nächsten Urlaub.

Sie sprechen ständig frustriert mit anderen über Ihre aktuelle Tätigkeit.

Sie verspüren ein deutliches Verlangen, anderen Anteilen Ihrer Persönlichkeit mehr Raum zu geben.

Sie fühlen sich beruflich unterfordert. Aber aus Angst keine neue Stelle zu finden, sitzen Sie in Ihrem Job nur Ihre Zeit ab.

Den roten Faden im Leben finden

Angelika Gulder empfiehlt allen vom Job Frustrierten, darüber nachzudenken, ob es einen roten Faden in Ihrem Leben gibt, etwas, das immer wieder auftaucht - in der Kindheit, der Schule, der Ausbildung, dem Studium, dem Privatleben. Eine Hilfe dabei kann sein, dass Sie alles aufschreiben, was Sie gelernt haben: vom Schulabschluss bis zum Schwimmunterricht, von der Theater-AG bis zum Italienisch-Kurs.

Dabei sollen Sie auch die Dinge berücksichtigen, die streng genommen keine echten Qualifikationen sind, die Sie aber besonders gut können. Vielleicht kochen Sie gut oder arbeiten gerne im Garten? Wenn Sie Ihren bisherigen Lebensweg in Gedanken noch einmal gehen, entdecken Sie vielleicht Talente, die Sie längst vergessen hatten, oder Dinge, die Ihnen früher immer Freude bereitet haben, die Sie aber schon Jahre nicht mehr gemacht haben. Listen Sie all Ihre Einfälle auf und vergleichen Sie sie mit Ihrer aktuellen Tätigkeit.

Drei Wünsche an eine Fee

Sie taucht immer wieder in Märchen und Legenden auf: Die gute Fee, die drei Wünsche erfüllt. Stellen Sie sich vor, Sie würden sie wirklich treffen. Welche drei Dinge würden Sie sich wünschen? Schreiben Sie die Wünsche auf und versuchen Sie herauszufinden, was sich hinter den Wünschen verbirgt. Vielleicht wollen Sie mehr Zeit haben? Oder Sie träumen davon, weniger Verantwortung tragen zu müssen?

Was waren Ihre Kindheitsträume?

Können Sie sich noch daran erinnern, was Sie als Kind werden wollten? Dann schreiben Sie es auf. Als nächstes listen Sie alles auf, was Sie als Kind gerne getan haben, wovon Sie geträumt haben, was Ihre Lieblinge-TV-Serie war, welches Spiel Sie am liebsten gespielt haben.

Bei dieser Übung geht es darum, herauszufinden, wie viele Träume aus der Kindheit in Ihrem jetzigen Leben noch eine Rolle spielen. Natürlich muss nicht alles, was Ihnen als Kind Spaß gemacht hat, zwangsläufig ein Teil Ihres Traumjobs sein. Aber die Reise in die Vergangenheit hilft Ihnen vielleicht dabei, manche "Spaßfaktoren" zurück in Ihr Leben zu holen.

Was sind Ihre Lieblingsinteressen?

Eigentlich ist die Frage nach den Lieblingsinteressen eine ganz simple. Und doch ist es manchmal nicht so einfach, sie zu beantworten. Wer zum Beispiel trifft sich nicht gerne mit Freunden oder geht nicht gerne ins Kino?

Um sich selber auf die Schliche zu kommen, könnten Sie zum Beispiel Ihre Lesegewohnheiten genauer anschauen. Begegnet Ihnen beim Blick in Ihr Bücherregal ein Thema besonders oft? Oder in welcher Abteilung in der Buchhandlung schauen Sie besonders gerne vorbei? Welchen Teil in einer Tageszeitung lesen Sie als erstes? Schreiben Sie Ihre Einfälle auf und versuchen Sie, einen roten Faden zu finden, der Hinweise auf Ihren Traumjob gibt.

Brainstorming mit Bekannten

Manchmal hilft es, Fragen zum Traumjob Außenstehenden zu stellen. Karriereberaterin Angelika Gulder empfiehlt, dabei systematisch vorzugehen: Laden Sie zwei bis drei Bekannte ein, die sie mögen, mit denen Sie aber nicht eng befreundet sind. Freunde könnten voreingenommen sein. Schreiben Sie Ihre fünf Lieblingstätigkeiten auf ein großes Blatt Papier und hängen es für alle gut sichtbar auf. Sie können alles darauf schreiben, was Ihnen Spaß macht - vom Lesen, bis zum Zuhören, vom Tanzen bis zum Kochen.

Mit Ihren Gästen machen Sie dann ein Brainstorming. Alle machen für etwa eine halbe Stunde spontan Vorschläge mit Berufen, die ihnen zu den Tätigkeiten einfallen. Einer sollte alle Ideen mitschreiben. Am Ende legen Sie die mitgeschriebenen Ideen erst einmal weg und schlafen eine Nacht darüber. Am nächsten Tag schauen Sie sich die Liste an und wählen aus den vielen Ideen drei aus, die Sie am meisten ansprechen.

Die Umsetzung

Wenn Sie herausgefunden haben, wie Ihr Traumjob aussehen könnte, müssen Sie deshalb nicht zwangsläufig Ihr ganzes Berufsleben radikal umplanen. Manchmal genügen ein paar Feinjustierungen am Status Quo. Vielleicht können Sie einfach mehr von Ihren Wünschen und ungenutzten Talenten in Ihrem jetzigen Job einbringen.

Eines sollten Sie unbedingt machen: Sie sollten Ihre Träume klar formulieren und aufschreiben. In Gedanken können Sie sich viel ausmalen, doch das wird sie nicht weiterbringen. Etwas, das Sie aufgeschrieben haben, können Sie sich dagegen jederzeit vor Augen halten.

Karriereberaterin Angelika Gulder rät, alle Informationen über die persönlichen Träume und Wünsche zusammenzutragen und auf dieser Basis drei konkrete Berufsziele zu formulieren. Dabei sollten Sie unbedingt folgende Fragen beantworten: Was möchte ich tun? Wo möchte ich arbeiten? Womit möchte ich arbeiten? Und möchte ich lieber angestellt oder selbstständig sein?

Um dieses Fragen möglichst deutlich zu beantworten, empfiehlt Angelika Gulder die SMART-Methode.

SMART steht für S - Spezifisch (so konkret formulieren wie möglich) M - Messbar (Ziel erreicht oder nicht erreicht?) A - Aktionsorientiert (selber handeln statt darauf zu warten, dass sich etwas ändert) R - Realistisch (ist mein Traum überhaupt erreichbar?) T - Terminiert (mit einem konkreten Termin versehen)

Haben Sie Ihre Informationen nach dieser Methode aufgeschrieben, können Sie gezielt die Stellenanzeigen nach ihnen durchsuchen.

Zeitmanagement für das Projekt Traumjob

Wenn Sie für sich herausgefunden haben, welcher Job genau Ihren Wünschen und Fähigkeiten entspricht: Entwerfen Sie eine Art Schlachtplan! Wie jedes wichtige Projekt braucht auch der Traumjob Planung.

Es kann gut sein, dass Sie ihr Ziel nicht sofort erreichen können. Es gibt mit Sicherheit einige Hindernisse, die Sie auf dem Weg dorthin überwinden müssen. Sie sollten sich damit unbedingt auseinandersetzen, um Sie dann mit einem gut vorbereiteten Sprung nehmen zu können.

Außerdem empfiehlt Angelika Gulder, sich kleine Teilziele zu setzen. Am besten notieren Sie sich im Kalender Kontrolltermine. Zum Beispiel: Bis zum 26. Juli habe ich mir Stellenanzeigen herausgesucht, die zu meinen Vorstellungen passen. Bis zum 5. August habe ich meine erste Bewerbung geschrieben.

"Finde den Job, der Dich glücklich macht" Angelika Gulder Campus-Verlag (www.campus.de) 19,90 Euro

Text: Britta Hesener Foto: Getty Images
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