Nützt "Social Freezing" der Frauenförderung?

Apple und Facebook sponsern das "Social Freezing" bei ihren Mitarbeiterinnen. Sollen wir uns darüber wirklich freuen?, fragt sich BRIGITTE-Redakteurin Silke Baumgarten.

"Sie könnten die Abteilung übernehmen. Aber vielleicht sollten Sie vorher ein paar Eizellen einfrieren lassen? Wir würden Sie dabei auch unterstützen." Sehen so Personalgespräche der Zukunft aus? Was heißt es für Frauen, dass Apple und Facebook ihren Mitarbeiterinnen nun das das Einfrieren von Eizellen bezahlen wollen (und andere werden folgen, das ist angesichts des Fachkräftemangels sicher)? Hilft es Frauen, die Kinder und Karriere wollen? Oder setzt es sie noch mehr unter Druck?

"Social Freezing", in den USA schon ein Trend, ist auch bei uns im Kommen. Aber noch sind es in Deutschland wenige Frauen, die sich dafür entscheiden, ihre Eizellen in jungen Jahren einfrieren zu lassen, damit sie später Kinder bekommen können. Denn das Verfahren ist zwar technisch ausgereifter, aber nach wie vor gesundheitlich nicht unbedenklich. Die Frau muss nämlich vor der "Ernte" kräftig Hormone schlucken und sich dann mehreren Eingriffen unterziehen. Und eine Garantie dafür, später wirklich mit den tiefgefrorenen Keimzellen schwanger zu werden, gibt es natürlich nicht.

ist BRIGITTE-Redakteurin im Ressort Dossier, Reise, Gesundheit und Mutter einer erwachsenen Tochter.

Andererseits: Verlockend ist die Möglichkeit schon, die biologische Uhr auszuschalten und nicht mehr unter dem Druck zu stehen, bis spätestens Ende 30 den Vater der zukünftigen Kinder kennengelernt haben zu müssen. Aber was heißt es, wenn nun Firmen die Kosten für das Aufschieben des Kinderwunsches übernehmen? Ist das gut? Ich finde nicht. Denn es setzt falsche Zeichen und macht den Frauen noch mehr Druck.

Ich meine: Man sollte nicht die Frauen zwingen, ihren Kinderwunsch den herrschenden Karrierebedingungen anzupassen, sondern genau andersherum muss es gehen. Die Firmen müssen mehr dafür tun, dass beides möglich ist. Und ich sehe eine Gefahr: Wer bei Apple und Facebook in Zukunft Karriere machen möchte und über mangelnde Vereinbarkeit klagt, kann gesagt kriegen: "Selbst schuld. Du hättest ja auch warten können mit den Kleinen." Freuen können sich eigentlich nur die vielen Kinderwunschkliniken, wenn sich Firmen derartig in die Familienplanung einmischen. Die verdienen nämlich ordentlich am "Social Freezing".

Text: Silke Baumgarten

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Silke Baumgarten
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