Heikle Sache! Wie kann ich meinen Chef kritisieren?

Kritik am Vorgesetzen üben? Puh, gar nicht so einfach. Job-Expertin Angelika Gulder weiß, wie man es richtig angeht.

Eigentlich macht die Arbeit ja Spaß, aber dein Vorgesetzter vermiest dir mit seinem Verhalten immer wieder deinen Tag? Zeit, den Mund aufzumachen – und deinem Chef zu sagen, was dich stört. Nur wie? Immerhin kann die falsche Wortwahl dazu führen, dass er dich danach noch schlechter behandelt. Kein Grund, zu schweigen. Diplom-Psychologin und Karriereexpertin Angelika Gulder erklärt, wie du es richtig machst. Sie ist unter anderem Coach auf dem Glücksportal Mybetterlife.de – und berät Menschen in allen Job-Fragen.

BRIGITTE.de: Ist es überhaupt klug, den Chef zu kritisieren?

ANGELIKA GULDER: Kritisieren bedeutet vom Wortsinn ja erst mal nur die "prüfende Beurteilung". Das ist nichts Schlechtes, sondern kann im Geschäftsleben so manchen Fehler verhindern. Wenn also ein Mitarbeiter die Planungen oder Aktionen eines Vorgesetzten anders beurteilt, ist es Teil seiner Verantwortung, das auch zu kommunizieren – und den Chef nicht ins Messer laufen zu lassen. Womöglich wird der es ihm bei berechtigter Kritik sogar danken.

Welche Dinge kann ich kritisieren – und bei welchen sollte ich lieber schweigen?

Bei allen sachlichen Themen kann ein Mitarbeiter guten Gewissens seine Kritik äußern. Wenn es allerdings um persönliche Kritik geht, sollte man es sich im Einzelfall gut überlegen. Wenn der Chef zum Beispiel den Schreibtisch mit einer Sammlung von Briefbeschwerern so voll hat, dass kaum noch Platz darauf ist für Unterlagen, ist das sein Privatvergnügen. Das geht andere nichts an.

Sollte ich meine Kritik mündlich oder schriftlich äußern?

Am besten immer mündlich, damit es erst gar nicht zu Missverständnissen kommt. Auf Wunsch kann man das für den Chef am Ende ja noch kurz schriftlich zusammenfassen.

Angenommen, mein Chef verhält sich mir gegenüber nicht respektvoll. Wie kann ich ihm das sagen – ohne, dass ich es mir mit ihm verscherze?

In der sogenannten Transaktionsanalyse gibt es drei Ich-Zustände. Das Kind-Ich, das Erwachsenen-Ich und das Eltern-Ich. In kritischen Situationen (also zum Beispiel dem Chef gegenüber) fallen wir oft ins hilflose Kind-Ich. Frauen wechseln dann in eine höhere Stimmlage, Männer machen alberne Scherze. Wichtig ist bei solch einem Thema, ganz im eigenen Erwachsenen-Ich zu bleiben. Die Angelegenheit also sachlich und mit kühlem Kopf anzusprechen – und sich selbst immer wieder zu sagen: Es ist völlig okay, dass ich das anspreche! Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Chef auch erwachsen darauf reagiert. Vielleicht hat er oder sie selbst im Moment nur zu viel Stress und hat das Fehlverhalten gar nicht bemerkt.

Können Sie ein Beispiel geben, wie genau ich in das Gespräch einsteigen kann?

Wichtig ist, vom eigenen Empfinden zu sprechen. Und nicht dem anderen Vorwürfe zu machen. Das könnte dann zum Beispiel so lauten: "Ich habe in letzter Zeit den Eindruck, dass der Ton in unserer Abteilung rauer geworden ist. Ich fühle mich dabei sehr unwohl. Mir ist gegenseitige Wertschätzung sehr wichtig und ich wünsche mir darum einen respektvolleren Umgangston." So wird der Gesprächspartner nicht angegriffen, muss nicht in den Verteidigungsmodus gehen und die Worte können in Ruhe wirken.

Und wenn es fachliche Fehler sind? Wie kann ich meinen Chef darauf aufmerksam machen, ohne als Klugscheißer zu gelten?

Wichtig ist, die Kritik nicht öffentlich anzubringen, sondern eher im vertraulichen Gespräch. Es geht ja nicht darum, jemanden bloßzustellen. Das würde bei ihm/ihr vermutlich nicht so gut ankommen.

Was, wenn mich mein Chef nach meiner Kritik schlechter behandelt? Soll ich noch einmal das Gespräch suchen?

Grundsätzlich ja. Wenn allerdings dauerhaft die Wertschätzung durch den Vorgesetzten fehlt, ist das etwas, das auf lange Sicht unglücklich oder sogar krankmachen kann. Dann gilt die alte Regel: Love it, change it oder leave it.

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