Fragen zum Geld - Anschlussfinanzierung, Performance und Freibetrag

Aktuell: Helma Sick, unabhängige Finanzexpertin, beantwortet Fragen rund um Geldanlage und Co. Diesmal zu den Themen Anschlussfinanzierung, Performance bei Fonds und Freibetrag.

Künstlerische Fonds?

Immer wieder lese ich den Begriff "Performance" in der Zeitung, wenn es um Fonds geht. Ich dachte, er bezieht sich auf Kunst. Was bedeutet er in diesem Zusammenhang? (Investment-)Banker bezeichnen damit die Wertentwicklung einer Anlage, z. B. eines Investmentfonds. Mit Kunst hat das nichts zu tun, sondern mit Leistung. Sie wird an der prozentualen Veränderung des Anteilswertes gemessen, und zwar innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, z. B. über drei oder fünf Jahre. Dabei werden die Ausschüttungen mitberücksichtigt, der Ausgabeaufschlag (Kaufgebühren) in der Regel nicht. Ein Beispiel für eine Drei-Jahres-Performance: Am 2.1.2004 kostete ein Anteil des Aktienfonds Templeton Growth 8,88 Euro. Drei Jahre später, am 2.1.2007, kostete ein Anteil 12,50 Euro. Der Wert eines Anteils ist also in diesen drei Jahren um 40,77 Prozent gestiegen.

Anlage für die Ausbildung?

Meine fünfjährige Tochter hat von den Großeltern 10 000 Euro geschenkt bekommen. Das Geld soll für ihre Ausbildung angelegt werden. Was wäre denn da sinnvoll? Ideal sind meiner Meinung nach so genannte Zielsparfonds, auch Target-Fonds genannt, die bei uns noch nicht so bekannt sind. Sie haben feste Laufzeiten, 10, 15 oder 20 Jahre, manchmal auch länger. Interessant an Zielsparfonds: Sie investieren am Anfang der Laufzeit zu einem höheren Prozentsatz in Aktien, mit denen eine gute Rendite erwirtschaftet werden kann. Während der 15 Jahre wird dann systematisch in weniger riskante Papiere umgeschichtet. Ihr Geld ist also gesichert, wenn Sie es brauchen.

Teures Darlehen?

Die Anschlussfinanzierung meiner Wohnung steht an, und meine Bank hat mir die neuen Konditionen geschickt. Ihre Zinsen sind aber viel höher als die, die in den Zeitungen zu lesen sind. Bin ich denn auf Gedeih und Verderb dieser Bank ausgeliefert? Keineswegs. Anders als Hausbanken gern behaupten, können Sie zur Anschlussfinanzierung ohne Probleme die Bank wechseln. Die dadurch entstehendenKosten liegen weit unter dem, was Sie durch einen günstigeren Kredit sparen. Scheuen Sie sich nicht, andere Angebote einzuholen. Denn: Viele Banken setzen bei der Anschlussfinanzierung auf die Trägheit ihrer Kunden und unterbreiten entsprechend teure Angebote. Ein Zinsunterschied von 0,5 Prozent sieht zwar nach wenig aus, aber beachten Sie: Wenn Sie für einen Anschlusskredit von 100 000 Euro statt 4,5 Prozent einen Zins von 5 Prozent zahlen, verteuert sich dieser um circa 4700 Euro (bei einer Zinsbindung von 10 Jahren und einer Tilgung von einem Prozent).

Gute Mischung?

Ich möchte gern in einen gemischten Fonds investieren. Aber da gibt es so viele und so unterschiedliche. Können Sie mir sagen, was bei solchen Fonds wichtig ist? Besonders interessant sind meiner Meinung nach Mischfonds, die keine festen Grenzen für den Aktien- und den Rentenanteil haben. Ein Fondsmanager sollte die Möglichkeit haben, beispielsweise in Boomzeiten zu 90 oder auch 100 Prozent in Aktien zu investieren und in Krisenzeiten ganz auszusteigen und auf Warteposition zu gehen. Nur dann hat er die Chance, das Konzept der Vermögensverwaltung für "kleine Leute" auch wirklich umzusetzen. Außerdem sollten Sie sich natürlich zeigen lassen, welche Ergebnisse der Mischfonds in der Vergangenheit hatte, und zwar in unterschiedlichen Anlagezeiträumen, also im Aktienboom und im nachfolgenden Crash 2001/2002. Wenn Sie einen längeren Anlagezeitraum planen, sollte der Mischfonds nicht zu defensiv ausgerichtet sein. Wenn Schwankungen möglichst gering sein sollen, geht das zu Lasten der Rendite.

Freibetrag retten?

Der Freibetrag für Zinserträge wurde ja zum 1.1.2007 halbiert. Das trifft mich, denn ich habe fast nur Zinspapiere, und die muss ich entsprechend versteuern. Gibt es auch noch eine steuerlich günstigere Möglichkeit? Ich lege allerdings Wert auf eine sichere Geldanlage! Offene Immobilienfonds können eine Lösung sein. Diese Fonds investieren meist europaweit in gute Gewerbe-Immobilien an interessanten Standorten. Ihre Rendite entspricht in der Regel in etwa der festverzinslicher Wertpapiere, liegt also derzeit zwischen 3,5 und 4,5 Prozent. Während Sie bei festverzinslichen Wertpapieren aber die Zinserträge voll versteuern müssen, sind die Erträge offener Immobilienfonds teilweise steuerfrei. Das verbessert die Rendite erheblich, wenn der Freibetrag für Zinserträge schon ausgeschöpft ist. Offene Immobilienfonds bieten eine steuerlich günstige, stabile Anlage ohne drastische Kursschwankungen, sind also eine stabile Anlage mit geringem Risiko.

Wer zahlt Reha?

Ich bin 43 Jahre alt, arbeite Vollzeit als Schreibkraft und falle wegen meiner starken Rückenschmerzen oft längere Zeit aus. Aufgrund meines derzeitigen Gesundheitszustandes rät mir mein Arzt, eine Reha zu beantragen. Wo erhalte ich einen Überblick, und wer zahlt dafür? Erste Anlaufstelle für alle, die noch erwerbstätig sind, ist fast immer die Rentenversicherung. Sie bietet Menschen, die krankheitsbedingte Probleme im Beruf haben, auch medizinische Rehabilitationsmaßnahmen an. So soll die Erwerbsfähigkeit aufrechterhalten oder wiederhergestellt werden, um eine Frühverrentung zu vermeiden. Es gilt insoweit der Grundsatz "Rehabilitation vor Rente". Nur wenn diese Voraussetzungen nicht gelten, ist Ihre Krankenversicherung zuständig. Medizinische Rehabilitationsmaßnahmen werden sowohl stationär als auch ambulant durchgeführt. Die Leistungsdauer beträgt drei Wochen, kann aber verlängert werden, wenn es medizinisch notwendig erscheint. Rehabilitationsleistungen werden in eigenen Kliniken der Rentenversicherung, überwiegend aber in Vertragseinrichtungen durchgeführt. Zunehmend bieten die Rentenversicherungsträger auch ambulante Rehabilitationsleistungen an. Das bedeutet, dass Sie sich tagsüber in einer Rehabilitationsklinik in Ihrer Nähe aufhalten, am Abend aber nach Hause zurückkehren können.

BRIGITTE WOMAN 7/2007 Illustration: Anja Niepagen Mitarbeit: Gabriele Chlopczik, Deutsche Rentenversicherung Bund
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