Gedächtnistraining: Wie war doch gleich der Name?

Namen merken fällt schwer. Gunda Mohr, die an einer wissenschaftlichen Arbeit zu dem Thema arbeitet, erklärt, warum das so ist - und wie wir uns helfen können.

Das Telefon klingelt. Eine freundliche, aber fremde Stimme sagt "Guten Tag, mein Name ist...". Natürlich haben wir diesen Namen spätestens drei Sätze weiter schon wieder vergessen. Am Ende des Telefonats müssen wir nachfragen - oder ärgern uns hinterher, dass wir uns nun leider nicht erkundigen können, ob wir den anberaumten Termin um eine Stunde verschieben können, weil wir vergessen haben, uns den Namen zu notieren.

Namen merken: Warum fällt uns das eigentlich so schwer?

Gunda Mohr

"Meist müssen wir uns nicht nur einen, sondern gleich mehrere Namen auf einmal einprägen", sagt Gunda Mohr, zum Beispiel bei Partys oder Besprechungen in größerer Runde. Außerdem erhalten wir viele Zusatzinformationen: Wir erfahren nicht nur, wie eine Person heißt, sondern auch, was sie beruflich macht, was sie von uns möchte, etc. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Kontext, in dem uns ein Mensch wiederbegegnet, denn der ist in der Regel nicht derselbe wie beim Kennen lernen. Deswegen fällt es uns schwer, die Person zuzuordnen: "Wenn ich mir im Wohnzimmer überlege, was ich aus der Küche holen möchte, und ich mich dort plötzlich nicht erinnere, gehe ich zurück ins Wohnzimmer. Da fällt mir in der Regel wieder ein, was es war", beschreibt Gunda Mohr den Mechanismus. Das funktioniert natürlich nicht, wenn ich jemandem beim Konditor begegne, den ich ein paar Wochen zuvor auf einer Tagung kennen gelernt habe. Dabei könnte die gemeinsame Leidenschaft für Pralinen ein Anknüpfungspunkt sein zur Gründung eines beruflichen Kontakts - wenn, ja wenn mir der Name einfiele.

Wer sich welchen Namen gut merken kann, ist übrigens individuell unterschiedlich. Heißt meine Schwester oder beste Freundin Gabriele, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ich mir Gesprächspartnerinnen mit diesem Vornamen merke. Komplizierte Namen sind zwar schwerer zu erfassen, erhöhen jedoch die Aufmerksamkeit. Deswegen kann es sein, dass mir ein Name wie Cornelius Podolski besser im Gedächtnis haften bleibt, als Klaus Schmidt.

Tipps zum Merken

Das Grundprinzip ist immer das gleiche: "Ich muss das Wohnzimmer, also den Schlüssel zu meiner Erinnerung finden", sagt Gunda Mohr. Das funktioniert am besten über Eselsbrücken.

Beispiele für einfache Eselsbrücken: Ich stelle mir den Namen geschrieben vor, oder ich frage die Person nach der Bedeutung des Namens.

"Dadurch mache ich meinem Gedächtnis klar: Hier ist eine wichtige Info, bitte abspeichern!", erklärt Gunda Mohr.

Wer bei einer Party eingeladen wird, kann die Gastgeberin vorher fragen, wer denn alles kommt, und was die Leute so machen. Das ist auch ein gutes Training für den Ernstfall, zum Beispiel eine Besprechung mit vielen unbekannten, aber wichtigen Gesichtern: Lassen Sie sich vorher die Teilnehmerliste geben, wenn es eine gibt, und sehen Sie diese in Ruhe durch. Noch besser: die Namen selbst abschreiben, denn "was wir uns aufschreiben, haftet viel besser im Gedächtnis", weiß Gunda Mohr. Tipp: Mehr Kniffe unter www.namenmerken.de

Warum ist es eigentlich so wichtig, sich einen Namen zu merken?

Es vermittelt dem Gesprächspartner das Gefühl, wichtig zu sein und geschätzt zu werden. Außerdem hat es einen einleuchtenden praktischen Vorteil: Namen nicht zu vergessen, heißt, den Kontakt zu der Person jederzeit wieder herstellen zu können. Auch wenn sie mir im ersten Moment nicht wichtig erscheint, denn gerade im Job kann es immer wieder Situationen geben, wo Sie denken "da war doch jemand...", sich dann aber nicht mehr erinnern, wer in Gottes Namen Ihnen von diesem spannenden Artikel erzählt hatte. Außerdem lohnt es sich auch aus Trainingsgründen, die Namen unwichtiger Gesprächspartner im Gedächtnis zu behalten - und wenn es nur darum geht, nach jedem Gespräch standardmäßig den Namen samt Firma sofort zu notieren.

Es ist übrigens gar nicht peinlich, am Telefon oder auch im persönlichen Gespräch, nach der Wiederholung des Namens zu fragen, oder sogar darum zu bitten, den Namen zu buchstabieren. "Viele Menschen sprechen sehr schnell oder undeutlich, und wissen das auch. Und die meisten freuen sich, wenn man sich für ihren Namen interessiert", sagt Gunda Mohr.

Was kann ich machen, damit sich andere meinen Namen besser merken können?

Liefern Sie die Eselsbrücke gleich mit! "Am besten, Sie denken vorher in Ruhe darüber nach, was dazu beitragen kann, dass man sich Ihren Namen besser merkt", empfiehlt Gunda Mohr. Ganz einfach: Selbst auf die Schreibweise aufmerksam machen. Oder überlegen Sie sich eine abstrakte Eselsbrücke, die Bilder im Kopf des Gesprächspartners hervorruft, zum Beispiel: "Ich heiße Kaminski, wie der Kamin plus Ski - passt beides gut zum Winter".

Kostenloses Online-Seminar "Namen merken"

Gunda Mohr

Haben Sie auch Probleme, sich Namen zu merken? Nehmen Sie doch am kostenlosen Online-Seminar von Gunda Mohr teil: Mehr Infos unter www.namenmerken.de.

Gunda Mohr (30), Industriekauffrau, Betriebswirtin und Seminar-Leiterin, schreibt gerade ihre Diplomarbeit in Psychologie

Text: Wiebke Peters Foto: privat (1)
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