Gehalt: Wer mehr verdienen will, muss fragen!

Natürlich kann man (vergeblich) darauf warten, bis der Chef von sich aus mehr Geld locker macht. Aber professionell ist das nicht, sagt Christine Dohler und rät Frauen: Stellt mehr Forderungen!

Christine Dohler, 33, arbeitet als Journalistin und Coach in Hamburg. Sie hat bereits viele Texte über Strategien für eine bessere Gehaltsverhandlung geschrieben, aber weiß aus ihrer Erfahrung aus Coachings, dass es eher auf die innere Haltung, Präsenz und Schlagfertigkeit ankommt. Das kann man trainieren.

Christine Dohler, 33, arbeitet als Journalistin und Coach in Hamburg. Sie hat bereits viele Texte über Strategien für eine bessere Gehaltsverhandlung geschrieben, aber weiß aus ihrer Erfahrung aus Coachings, dass es eher auf die innere Haltung, Präsenz und Schlagfertigkeit ankommt. Das kann man trainieren.

Als ich mit einer Freundin über das Thema Gehaltsverhandlungen rede, fällt ihr spontan ein: "Upps, ich habe seit 10 Jahren nicht nach mehr Geld gefragt!"

Ich kann das fast gar nicht glauben. So eine lange Zeit in einem Unternehmen beschäftigt zu sein - ohne sich finanziell weiterzuentwickeln? Nichts anzubieten ist natürlich unfair vom Chef, aber es ist auch unprofessionell von der Angestellten, nichts zu fordern.

Woran liegt es eigentlich, dass Männer immer noch statistisch gesehen meist mehr verdienen als Frauen? 22 Prozent! Seit Jahren ändert sich das Gefälle nicht merklich. ist europäischer Spitzenreiter. Selbst auf der gleichen Führungsebene bekommen Frauen 7 Prozent weniger Lohn.

Männer fördern Männer - das ist immer noch so

Am größten klafft die Lücke bei technischen Dienstleistungen (32 Prozent), bei Banken und Versicherungen (30 Prozent), selbst in der Frauendomäne Gesundheits- und Sozialwesen sind die Unterschiede mit 25 Prozent hoch.

Ich glaube, dass in unserer Gesellschaft immer noch Männer eher Männer fördern. Der Chef versteht, wenn sein Mitarbeiter mehr Geld braucht für ein neues Auto oder um eine Familie zu versorgen oder weil er weniger als seine Freundin verdient (und damit nicht umgehen kann).

Viele Männer verhandeln auf Augenhöhe, eher pragmatisch und wenig emotional. Manchen ist Geld auch vielleicht einfach wichtiger und deswegen fragen sie öfter, vehementer nach. Für meine letzte Gehaltsverhandlung habe ich mir Rat bei Männern geholt - und da lagen die Forderungen bei 1000 Euro brutto mehr Gehalt, als ich es mich getraut hätte zu verlangen.

Nach mehr Geld zu fragen, hat nichts mit Gier zu tun

Manche Frauen hingegen verkaufen sich unter Wert. Nach Geld zu fragen, fühlt sich für Einige unverschämt an, so wie betteln. Oder als sei man gierig. Dabei ist Geld nichts weiter als eine sachliche Gegenleistung, ein Ausgleich für gute Arbeit. Wer viel leistet, der hat auch viel verdient.

Und dabei geht es nicht darum, dass man eine Führungsaufgabe meistert oder besonders viele Überstunden macht. Auch wer loyal seit zehn Jahren im Unternehmen ist und einen guten Job macht, der hat einfach regelmäßig eine Anerkennung verdient und obendrauf die Chance, sich zu entwickeln.

Gute Chefs finden es sogar unprofessionell, wenn ihre Mitarbeiterin nicht regelmäßig nach einer Entwicklungschance und somit auch Gehaltserhöhung fragt. Dabei muss man als Frau nicht so wie ein Mann verhandeln. Frauen haben viel nachhaltigere Stärken: Sie können freundlich und gleichzeitig bestimmt sein. Wer sich auf ein Gespräch gut vorbereitet und dann mittendrin höflich hartnäckig bleibt, hat gute Chance.

Man kann immer als Gewinnerin aus dem Gespräch gehen

Dabei sollte man nicht nur auf die Strategien aus Karriereratgebern bauen wie: Immer mehr Geld verlangen, als man wirklich möchte, weil der Chef einen grundsätzlich herunterhandelt. Wichtig ist es auch, eine selbstbewusste Körperhaltung zu trainieren - und vor allem diese Klarheit und Präsenz zu halten, auch wenn es Gegenwind gibt. Das kann man mit Freundinnen oder einem Coach trainieren.

So ein Gespräch mit dem Chef kann immer ein Erfolg werden, wenn man sich klare Ziele vornimmt und sich nicht abwimmeln lässt: Ein "Nein" sollte einen nicht abschrecken. Man kann immer noch nach anderen Anerkennungen fragen: Zuschuss zur Kinderbetreuung, Home-Office-Tage oder einen Termin für das nächste Mitarbeitergespräch.

Wer mit Entschlossenheit und einer inneren starken Haltung auftritt, der kann nicht verlieren und geht immer als Gewinnerin aus dem Gespräch heraus. Denn alleine, dass man schon selbstbewusst nach einem besseren Gehalt gefragt hat, zeigt, dass man sich selber bewiesen hat: Ich bin mehr wert!

Teaserbild: Sergey Nivens / shutterstock

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