Gesundheit oder Job?

Gesundheit oder Job?
Die aktuellen Zahlen belegen: Die Deutschen waren noch nie so selten krank wie heute. Der Grund: Sie haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Ist uns der Job wichtiger als die Gesundheit?

So gesund wie nie. Das sind wir, wenn man die gerade veröffentlichten Zahlen zum Krankenstand ganz naiv interpretiert. Von den rund 30 Millionen Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherungen waren von Januar bis Juni dieses Jahres im Durchschnitt 3,24 Prozent, also 973.000 Menschen, krank geschrieben. Das ist der niedrigste Halbjahreswert seit dem Start der Statistik vor knapp 40 Jahren.

Und natürlich sehen nicht nur Experten dahinter eine Auswirkung der Finanz- und Wirtschaftskrise: Als eigentlicher Grund für den niedrigen Krankenstand gilt allgemein die Angst um den Job.

Doch wer krank oder nicht vollständig genesen zur Arbeit geht, tut sich selbst und anderen keinen Gefallen: gesundheitlich angeschlagen leisten wir weniger, Krankheiten werden verschleppt und dadurch langwieriger und gefährlicher, Kollegen können sich anstecken.

Gerade in der Krise ist uns der Job jedoch extrem wichtig. Und deshalb riskieren wir dafür manchmal sogar unsere Gesundheit.

Setzen wir da die richtigen Prioritäten? Und erwarten wir nicht generell zu viel von unserem Job?

Dazu die Ergebnisse einer repräsentativen BRIGITTE Balance-Umfrage (Forsa, April 2009):

Erfüllung: Fast alle befragten Männer und Frauen sind der Meinung, dass ein Job kein Wunschkonzert sei – man müsse auch zurückstecken und Dinge tun, die einem nicht so gut gefallen.

Sicherheit: Mehr als zwei Drittel aller Befragten sagen, dass ihnen Routine im Job wichtig ist, weil sie ihnen Sicherheit gibt.

Geld: Ums pure Geldverdienen geht es bei den Männern einem guten Drittel, die Frauen gehen den Job idealistischer an: Hier sagen 22 Prozent, der Job sei nur fürs Materielle da.

Liebe: Mehr als die Hälfte der Frauen (53 Prozent) sagt: Mein Job ist genauso wichtig wie meine Beziehung. Bei den Männern sind es nur 43 Prozent. Jede dritte Frau fände einen Jobverlust deshalb auch schlimmer als ein Beziehungsende.

Familie: Immerhin 17 Prozent der befragten Männer meinen, Frauen sollten Erfüllung lieber in der Familie als im Job suchen. Allerdings teilen gerade einmal 9 Prozent der Frauen diese Ansicht.

Eigenständig: 91 Prozent aller Befragten sagen: Finanzielle Unabhängigkeit ist mir sehr wichtig – Männer und Frauen unterscheiden sich in dieser Hinsicht nicht.

Und was bedeutet Ihr Job für Sie? Sicherheit, Spaß, Selbstverwirklichung? Haben Sie auch schon auf Kosten Ihrer Gesundheit gearbeitet, sind krank nicht zu Hause geblieben oder früher als vom Arzt geraten wieder an den Schreibtisch zurückgekehrt?

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Text: Heide Fuhljahn, Antje Kunstmann Foto: fotolia.com

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