Hilfe, mein Kredit wurde verkauft!

Da geht jemand zu seiner Hausbank und bekommt - nach eingehender Prüfung aller Unterlagen - einen Kredit für eine Immobilie, zahlt pünktlich Zins und Tilgung; und dann schneit eines Tages ein Brief ins Haus, dass die monatlichen Raten an ein Unternehmen mit amerikanischem Namen zu zahlen sind. Was ist passiert?

BRIGITTE: Können alle Hypotheken-Kredite verkauft werden?

Helma Sick: Ja. Nach einer Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen in Hamburg im Auftrag der Verbraucherzentralen beläuft sich die private Baufinanzierung in Deutschland auf fast 800 Milliarden Euro. Seit 2003 wurden in Deutschland Kreditforderungen in Höhe von 15 Milliarden Euro verkauft. Dabei handelt es sich meist um "notleidende" Kredite, bei denen die vertraglich vereinbarten Zahlungen nicht geleistet wurden. Banken verkaufen diese Kredite, um ihre Bilanzen zu bereinigen und Risiken abzubauen. Aber: Um für einen Investor ein Paket von notleidenden Krediten interessanter zu machen, werden immer öfter auch "gesunde" Kredite beigemischt - Kredite, die vertragsgemäß bedient werden. Bundesgerichtshof und Bundesverfassungsgericht haben diese Praxis 2007 gebilligt: Eine Übertragung ist ohne die Zustimmung der Kunden möglich, wenn vertraglich nichts anderes vereinbart ist.

BRIGITTE: Kann es zu Problemen kommen, auch wenn man pünktlich zahlt?

Helma Sick: Nein. Kunden sind in Deutschland rechtlich gut abgesichert. Der Käufer eines Kredits ist an den ursprünglichen Vertrag mit allen Rechten und Pflichten gebunden. Wer für seinen Kredit die vereinbarten Zins- und Tilgungsleistungen laufend erbringt, hat also nichts zu befürchten. Der Käufer des Kredits hat dann keine Möglichkeit, den Kredit vorzeitig zu kündigen. Und wenn er dies versucht, können Kunden sofort rechtliche Gegenmaßnahmen ergreifen.

BRIGITTE: Was passiert, wenn man in Zahlungsschwierigkeiten ist?

Helma Sick: Dann ist ein Kreditverkauf problematisch! Wer mit den Zahlungen in Verzug ist, muss mit der Einleitung der Zwangsvollstreckung rechnen. Die Bank verkauft die Kredite ja mit einem satten Abschlag an den Investor, der zahlt oft nur 30 bis 40 % der Forderung. Käufer haben meist nicht die Absicht, das Kreditverhältnis fortzuführen: Für sie geht es darum, die Kredite schnell mit größtmöglichem Gewinn zu verwerten. Wenn bereits eine Zwangsvollstreckung eingeleitet wurde, gibt es kaum noch Handlungsspielraum. Deshalb bei Zahlungsschwierigkeiten möglichst früh über einen Verkauf der Immobilie nachdenken, um eine Zwangsvollstreckung zu vermeiden.

BRIGITTE: Worauf muss man achten, wenn die Zinsbindung endet?

Helma Sick: Aufkäufer sind meistens nicht an der Fortführung der Kredite interessiert. Häufig wird nach Ende der Zinsbindung kein Angebot für eine Anschlussfinanzierung unterbreitet oder nur eines zu sehr schlechten Konditionen. Die Kunden müssten die bestehende Restschuld dann komplett zurückzahlen! Es ist deshalb dringend notwendig, mindestens sechs Monate vor Ende der Zinsbindung mit anderen Anbietern über eine Anschlussfinanzierung zu verhandeln.

Fazit:

Wer in Zahlungsschwierigkeiten gerät, sollte sofort mit der Bank sprechen oder die Immobilie selbst verkaufen, um eine Zwangsvollstreckung zu vermeiden. Wer pünktlich zahlt, hat nach der derzeitigen Rechtslage nichts zu befürchten. Wichtig ist allerdings, sich rechtzeitig vor Ablauf der Zinsbindung um eine Anschlussfinanzierung zu bemühen.

BRIGITTE Heft 11/08
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