Jobwechsel? Wenn der Beruf nicht der richtige ist

Wie Sie merken, dass Ihr Job nicht optimal ist und wann ein Jobwechsel angesagt ist, weiß Berufscoach Johanna Dinges.

BRIGITTE.de: Wie stelle ich fest, dass mein Job nicht der richtige für mich ist?

Johanna Dinges: Da gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder durch äußere Faktoren, d.h. Sie bekommen schlechtes Feedback vom Chef, von Kollegen oder von Kunden. Oder aber durch innere Faktoren: Wenn Sie jeden Morgen denken: "Mist, ich muss schon wieder arbeiten" - dann stimmt auch etwas nicht.

BRIGITTE.de: Was kann man dann tun?

Dinges: Zunächst muss man sich natürlich fragen: Ist das nur eine Phase, oder ist das ein Dauerzustand? Jeder hat ja mal Tage, an denen es nicht gut läuft oder an denen er keine Lust auf seinen Job hat. Da muss man durch.

BRIGITTE.de: Wie viel Frust ist denn normal, und wann sollte man doch den Job wechseln?

Dinges: Einen festen Wert, wie oft man sich über seine Arbeit ärgern darf, gibt es leider nicht. Das muss jeder für sich selbst ausmachen: Wann ist die Situation noch ok - und wann wird es mir zuviel? Dann muss man sich überlegen, wo der Frust herkommt: Liegt es am Chef, am Unternehmen, an den Kollegen - dann kann es ja sein, dass man tatsächlich den richtigen Job hat, aber im falschen Umfeld arbeitet. Schwieriger ist es, wenn Sie merken: Eigentlich ist das Umfeld in Ordnung, aber meine Tätigkeit macht mir keinen Spaß.

BRIGITTE.de: Welche Rolle spielen die Interessen bei der Frage, welcher Job der richtige ist? Es gibt ja zum Beispiel Leute, die sagen: "Ich möchte gern junge Menschen ausbilden" - die aber als Lehrer eine Fehlbesetzung sind.

Dinges: Ja, das passiert leider oft. Grundsätzlich gilt: Wenn Sie sich für etwas interessieren, besteht eine gute Chance, dass sie dort auch eine Stärke haben. Interessen geben aber nur eine grobe Richtung an. Wer sich für Sprache interessiert, kann letztlich ganz unterschiedliche Dinge machen - unterrichten, übersetzen, schreiben. Da kommen jetzt die Stärken ins Spiel: Im Idealfall muss beides zusammentreffen. Wenn Sie sich für Sprache interessieren, aber nicht schreiben können, sind Sie in einer Redaktion schlecht aufgehoben. Das gilt auch in der umgekehrten Situation: Wenn Sie zwar gut schreiben können, sich dafür aber nicht interessieren. In beiden Fällen werden Sie wahrscheinlich nur mittelmäßige Leistungen bringen.

BRIGITTE.de: Kann man konkrete Stärken lernen oder sind sie angeboren?

Dinges: Da gehen die Meinungen auseinander. Ich denke, man kann mit einem Training seine Stärken schon ausbauen. Aber man kann niemanden, der in einem Bereich überhaupt kein Talent hat, von null auf hundert bringen. Nehmen Sie zum Beispiel Kreativität: Wer überhaupt keine eigenständigen Ideen hat, wird auch mit einem Training kein kreatives Genie. Aber wer Kreativität schon als Talent mitbringt, kann lernen, seine Einfälle so zu ordnen, dass daraus etwas entsteht, das man für seine Arbeit nutzen kann.

BRIGITTE.de: Dann kann man sich also mit bestimmten Grundfähigkeiten auch an einen Job anpassen, der nicht optimal für einen ist?

Dinges: Man kann sich an vieles anpassen. Aber man wird auf diese Weise niemals wirklich gut werden in seinem Job. In so einem Fall ist es meist leichter, die Situation zu ändern und sich einen anderen Job zu suchen.

BRIGITTE.de: Das ist ja derzeit in der Wirtschaftskrise nicht so einfach.

Dinges: Das stimmt, es gibt derzeit weniger Stellen - aber wenn Sie die Lücke finden, in die Sie mit Ihren Fähigkeiten passen und in der Sie richtig gut sind, dann sind Sie ein begehrter Mensch, auch in der Krise.

BRIGITTE.de: Bleibt das Problem, genau diese Lücke zu finden.

Dinges: Das ist das Schwierige daran. Selbst einfachste Tätigkeiten werden ja immer komplexer - Jobs, in denen man nur wenige gleiche Handgriffe tun muss, gibt es kaum noch. Das zieht sich vom Unternehmer, von dem man erwartet, dass er viele Dinge gleichzeitig im Auge behalten muss, bis zum einfachen Arbeiter, der auch an immer mehr Sachen denken und dies und das noch neben seiner eigentlichen Tätigkeit machen soll. Der einzige Rat, den ich da geben kann, ist leider "Love it, change it, or leave it". Entweder man schafft es, sich zu arrangieren und die Dinge, die man nicht so gut kann, zu lernen. Oder man muss etwas ändern.


Johanna Dinges ist Diplom-Psychologin und arbeitet als Berufscoach in Köln.

Interview: Swantje Wallbraun

Wer hier schreibt:

Swantje Wallbraun
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