Was macht eigentlich ein Bein-Model?

Mit den Beinen Geld verdienen? Das geht! Myriam Göttig ist eines von etwa zehn Bein-Models in Deutschland. Im Interview erzählt sie, warum sie nach den Shootings mit Muskelkater nach Hause kommt und wieso gerade Yoga die beste Sportart für schöne Beine ist -

Myriam Göttig arbeitet bereits seit Jahren erfolgreich als Bein-Model

Myriam Göttig ist 36 und arbeitet schon seit 1993 als Model. Den größten Erfolg hat sie dabei mit ihren Beinen. Schon während ihres Studiums besaß sie eine eigene Set-Karte für sowohl ihre Füße als auch ihre Beine. Warum es gar nicht so schlimm ist, auf ein bestimmtest Körperteil reduziert zu werden, wie sie ihre Beine pflegt und warum ihr Job manchmal sehr anstrengend ist, erzählt sie uns im Interview.

BYM.de: Myriam, dein Job ist, zugegeben, etwas ungewöhnlich. Wie wird man überhaupt Beinmodel?

Myriam: Ich habe als normales Modell angefangen, um mein Architektur-Studium zu finanzieren. Bis sich herausgestellt hat, dass meine Beine etwas ganz besonderes sind. Von da an wurde ich immer häufiger wegen meiner Beine und auch wegen meiner Füße angefragt. Erst kam die eigene Body- und Bein-Set-Karte und dann hatte ich plötzlich eine Kampagne nach der anderen.

BYM.de: Was ist denn so besonders an deinen Beinen und Füßen?

Myriam: Fangen wir mal bei den Füßen an. Man muss natürlich sehr schöne Füße haben: regelmäßige Fußzehen, keine Krallenzehen. Man sollte schon als Kind nicht unbedingt die falschen Schuhe angehabt haben, jedenfalls keine, die viel zu klein waren. Das Nagelbett muss schön sein, die Fesseln müssen schlank und die Waden dürfen nicht zu muskulös sein.

BYM.de: Nicht zu muskulös?

Myriam: Der amerikanische und der europäische Markt unterscheiden sich da stark. In Europa sollen die Beine am besten aussehen wie die von Marlene Dietrich - lang und sehr grazil. Das amerikanische Ideal ist eher Fitness-orientiert.

BYM.de: Und wie muss ein Beinmodel-Bein sonst beschaffen sein?

Myriam: Ganz wichtig sind auch runde Knie, die nicht zu spitz geformt sind. Wenn du sie anwinkelst, darf nichts hervortreten. Und natürlich müssen die Proportionen innerhalb des Beines stimmen. Dann kommt natürlich noch dazu, dass die Beine immer enthaart sein müssen und stets eine gute, gesunde Hautfarbe haben sollten. Nicht zu braun und nicht zu hell. Keine Narben, keine Tattoos und sehr schöne, straffe Haut selbstverständlich, was auch sehr kleine, feine Poren impliziert.

Lest auf der nächsten Seite, wie Myriam ihre Beine pflegt

Myriams Beine und Füße müssen stets top-gepflegt sein.

BYM.de: Puh, das ist ja eine ganze Menge! Wie machst du das? Hast du zum Beispiel einen Trick, um deine Hautfarbe natürlich schön zu halten?

Myriam: Im Winter gehe ich zwischendurch mal ins Solarium, aber wirklich nur ganz, ganz selten. Ich nehme auch ab und an einen Selbstbräuner, wobei ich da immer Angst habe, dass es dann doch mal Flecken gibt. Ich habe von Natur aus einen gesunden Hautton, im Notfall überschminke ich meine Beine auch ein klein wenig. Im Sommer achte ich allerdings darauf, dass ich nicht zu braun werde und benutze auch immer einen Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 50.

BYM.de: Und wie lange brauchst du in etwa zur täglichen Pflege?

Myriam: Ich möchte natürlich nicht zur Geisel meiner Beine werden. Wenn es schnell gehen muss, greife ich zum Nassrasierer. Wichtig sind hier gute Produkte, wie der Venus Breeze mit seinen Gelkissen. Am Wochenende, wenn ich etwas mehr Zeit habe, epiliere ich. Ich benutze den Silk-épil Xpressive, der ist ideal bei sensibler Haut. Ganz wichtig ist mir die Pediküre. Das mache ich schon alle zwei Wochen. Denn die Füße müssen einfach immer top aussehen. Das macht einen Unterscheid wie Tag und Nacht.

BYM.de: Und was passiert, wenn du dir aus Versehen den Nagel einreißt?

Myriam: Ich muss immer darauf achten, dass ich mich nicht verletze. Neulich in Athen ist mir zum Beispiel was ganz Schreckliches passiert. Am nächsten Tag hätte ich in Deutschland arbeiten müssen. In einem Geschäft bin ich gegen so ein blödes Teil gerannt und da ist mit doch tatsächlich ein Zeh gesplittert. Der war zur Hälfte weg! Daraufhin habe ich ganz schnell meine Pediküre-Frau angerufen, die mir sonntags den Laden aufgeschlossen und einen Kunstnagel auf die Zehe gesetzt hat. Zum Glück hat man das auf den Fotos nachher überhaupt nicht gesehen. Ich wusste einfach: Wenn eine das schafft, dann sie!

BYM.de: Wie lang sind deine Beine eigentlich?

Myriam: Ehrlich gesagt weiß ich das gar nicht. Sie sind noch nie gemessen worden. Aber das ist auch nicht so wichtig. Es kommt viel mehr auf die Proportionen des Beins an. Auch eine kleine Frau kann ein perfektes Bein haben.

BYM.de: Wie hältst du deine Beine in Form?

Myriam: Leider kann ich nicht alles machen, was ich vielleicht gerne möchte. Rollerblading zum Beispiel. Wenn ich da fallen und mir eine Narbe zufügen würde, wäre das ein eindeutiger Kapitalverlust. Auch muss ich auf alles verzichten, was die Beine zu muskulös werden lässt. Ich halte mich mit einem leichten Lauftraining und diversen Yoga-Übungen fit. Diese Kombination ist ideal: Sie stärkt die Muskeln und zieht sie gleichzeitig optisch ein wenig in die Länge.

Lest auf der nächsten Seite, warum Myriams Job auch mal anstrengend sein kann

Myriam Göttig hat auch schon die ein oder andere Hollywood-Schauspielerin gedoubelt. Wen, will sie lieber nicht verraten

BYM.de: Wie kann man sich den Ablauf eines Shootings vorstellen, bei dem du als Beinmodel arbeitest?

Myriam: Ich muss zunächst mal darauf achten, dass ich keine Abdrücke an den Beinen habe, wenn ich zum Set komme. Ich darf zum Beispiel keine Socken anhaben, die an der Fessel einschnüren. Am besten sind Zehensandalen und nackte Beine im Sommer, denn Druckstellen sind ein absoluter Faux-Pas. Sonst müsste das Team eine ganze halbe Stunde auf mich warten, bis wir alle endlich mit dem Arbeiten anfangen könnten. Wichtig ist auch, dass man als Beinmodel jede Pose und jedes Layout lesen und verstehen kann. Das macht bei mir die Erfahrung. Eine gute Pose ist Millimeterarbeit. Und das kann schon mal ein bisschen dauern.

BYM.de: Ist dein Job also auch mal anstrengend?

Myriam: Bein-Jobs sind generell anstrengend. Anstrengender als andere Model-Jobs. Du bist die Ware, die fotografiert wird. Als Model ist man immer Gegenstand, als Bein- und Körpermodel ganz besonders. Man muss extrem lange still sitzen und eine bestimmt Position halten, bis der Fotograf das perfekte Foto im Kasten hat. Du kannst eben nicht mal eben auf die Toilette gehen. Und klar macht man auch schon mal Verrenkungen, die eher Yoga-Übungen ähneln. Strumpfhosen zum Beispiel werden sehr oft in der Kerze fotografiert. Und das muss man dann eben auch mal eine halbe Stunde lang halten. Das äußert sich am nächsten Tag auch gerne mal in einem dicken Muskelkater.

BYM.de: Hat das Bein-Modeln denn auch Vorteile gegenüber einem"herkömmlichen" Modeljob?

Myriam: Ich kann auch mal verschlafen ans Set kommen oder schlechte Laune haben, mein Gesicht ist ja auf dem Foto nicht zu sehen.

BYM.de: Hast du schon mal eine Prominente Bein-gedoubelt?

Myriam: Hab ich. Ich hab auch schon in Kinofilmen als Body-Double mitgespielt. Eine Schauspielerin habe ich auch mehrmals gedoubelt. Wer das war, kann und will ich an dieser Stelle allerdings nicht nennen. Damit habe ich leider schlechte Erfahrungen gemacht.

BYM.de: Gibt es irgendetwas an dir, das dir so gar nicht gefällt?

Myriam: Jede Frau hat wohl irgendetwas, das ihr gar nicht gefällt. Ich bin der Meinung, wir alle sollten uns auf das konzentrieren, was uns an uns selbst besonders gut gefällt und es dann in Szene setzen. Einfach ein wenig positiver mit uns umgehen, denn dann strahlt man gleich noch ein bisschen mehr. Das macht schön.

Myriams Pflege-Tipp für schöne Beine: Gerade Frauen mit sehr sensibler Haut empfehle ich im Winter, die Beine zu epilieren und danach ein pflegendes Ölbad zu nehmen. Wenn ich gerade kein Ölbad dahabe, nehme ich einfach einen kleinen Schuss Olivenöl. Oder vor dem Schlafengehen eine reichhaltige Fett-Creme dick auftragen und über Nacht einziehen lassen. Und am nächsten Tag wacht man mit traumhaft weichen Beinen auf.


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