Jobberatung: "Wie kann ich mir meine Urlaubserlebnisse im Job zunutze machen?"

Katrin Wilkens berät Frauen beim Um- und Wiedereinstieg. Jede Woche berichtet sie bei BRIGITTE.de über Fragestellungen aus ihrer Praxis.

Katrin Wilkens

Katrin Wilkens (45) studierte Rhetorik und arbeitete als Trainerin in der Weiterbildung. Seit 2000 schreibt sie als freie Journalistin u.a. für Spiegel, Zeit, FA und Nido. Worin sie wirklich gut ist: Wichtige und weniger wichtige Persönlichkeiten portraitieren, dass sie vor Glück heulen. Oder vor Wut. Kombinieren. Dinge auf den Punkt bringen. In Menschen reinschauen. Besonderheiten entdecken. Mit ihrer Agentur "i.do" (was japanisch ist und so viel bedeutet wie "Veränderung", "Reise") berät die dreifache Mutter Frauen beim Wiedereinstieg - und verspricht: "Am Ende haben Sie eine Antwort: den maßgeschneiderten Job."

Liebe Katrin Wilkens,

"Hallo, ich habe eine Frage, die sich eigentlich nach dem 31.12. anhört, aber bei mir ploppt sie immer nach den großen Ferien auf: Wenn die Kinder wieder in die Schule gehen, wenn alle Koffer ausgeräumt sind und die Routine wieder Einzug gehalten hat, dann sitze ich zu Hause, mit Hund, mit Frust, und der Frage meiner Nachbarin „Warum musst Du eigentlich in den Urlaub, du arbeitest doch gar nicht?“. Das bohrt Löcher in mein Selbstwertgefühl.

Ich bin gelernte Werbekauffrau, habe aber nur fünf Jahre in meinem Job gearbeitet und  bin jetzt seit sieben Jahren draußen. Und ich habe das Gefühl: Mit drei Kindern brauche ich gar nicht anfangen, mich neu zu bewerben."

Eva K, 42, aus Tuttlingen

Liebe Eva K.,

"Die Frage ist: Warum wollen Sie wieder arbeiten? Geht es darum, es der saugemeinen Nachbarin heimzuzahlen? Dann würde ich eher ein Ehrenamt vorschlagen, eben weil man so schön kontern kann: „Und du? Hast Du nicht mal Lust, der Welt etwas zurückzugeben, wo du ihr doch schon so viel genommen hast?“

Oder packt Sie viel mehr der "Ich-leiste-doch-gar-nichts-Frust" (das ist Quatsch, aber das wissen Sie als Mutter von drei künftigen Steuerzahlern selbst am besten!)?

Gerade frisch nach dem Urlaub gibt es eine ganz gute Methode, kreativ über Alternativen im Job nachzudenken. Ich weiß nicht, wohin Sie gereist sind: Holland, , Kuba?

Ich würde mir an Ihrer Stelle noch einmal die Fotos heraussuchen. Stellen Sie sich vor, Sie müssten in dem Land, in dem Sie Urlaub gemacht haben, eine neue Stelle finden, nein, genauer: Das Land wäre Ihr zukünftiger Arbeitgeber. Was würde Sie an ihm reizen? Würden Sie gern draußen arbeiten wollen, wie es viele Leute tun, die in heißen Regionen leben? Würden Sie dort zum Beispiel im Tourismus arbeiten wollen (totale Dienstleistung)?

Oder hat Holland eine Kinderbetreuung, die Sie schätzen? Dort arbeiten die meisten Mütter und Väter 35 Stunden pro Woche. Würde Italien mit seiner hohen Lebensqualität den niedrigeren Lohn ausgleichen können?

Wenn Sie die Urlaubsländer als Denk-Unterstützung einsetzen, kann Ihnen das helfen, Bedürfnisse zu konkretisieren.

Die Frage muss nicht lauten: Was muss ich tun, um im Job vorwärts zu kommen? Die Frage darf lauten: Was will ich tun?

Um möglichst viele Parameter zu sammeln, lohnt sich das Urlaubs-Job-Spiel: Ich stelle fest, im Sommer finde ich viel Sonne toll, doch müsste ich immer in der Sonne arbeiten, wäre mir das körperlich zu anstrengend. Ich finde das gemächliche Dänemark reizvoll, aber im Job brauche ich es härter und ehrgeiziger. Ich bewundere die französischen Kollegen für ihre Tischkultur am Abend - aber ich wäre  lieber daheim bei meinen Kindern.

Wenn Sie 50 Wünsche an den Job zusammen haben (na gut, es dürfen auch 30 sein), dann sortieren Sie die Wünsche nach Priorität und dem Eisenhower-Prinzip: Dringlichkeit vor Wichtigkeit. Geld verdienen ist dringlich, Kreativität ist wichtig. Und schauen Sie danach, dass sich Ihre Wünsche nicht gegenseitig ausschließen: etwas im Team machen und selbstbestimmt sein – das passt fast nie zusammen.

Und wenn Sie das mit den zehn wichtigsten Parametern gemacht haben, googeln Sie diese Anforderungen mal in einem großen Stellenmarkt. Auf diese Weise kommen ganz oft sehr artfremde Berufe heraus, die man sich auf einem zweiten Bildungsweg aneignen kann.

Und dann gehen Sie bitte zu Ihrer Nachbarin und fragen scheinheilig: "Na, auch schon deinen Traumjob gefunden…?"

Viele Grüße,

Katrin Wilkens, i.do

Weitere Infos zum Wiederseinstieg nach der Babypause unter www.i-do-hamburg.de

Hier könnt ihr Katrin Wilkens Fragen stellen!

Du bist auch gerade mit dem Wiedereinstieg in den Job beschäftigt? Dann kannst du Katrin Wilkens per Email deine persönliche Problematik schildern. Bei BRIGITTE.de wird sie ausgewählte Fragen beantworten.

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