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Jobs im Verlagswesen: Mit Büchern arbeiten


Mit Büchern arbeiten - für viele Frauen ein Traumberuf. Nur: Geträumt wird in der Branche wenig. Gute Chancen haben Hartnäckige, die wissen, was sie wollen.

Kein Urlaub ohne Krimi, kein Abend ohne Bettlektüre, kein verregneter Sonntag ohne Buch: Lesen gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen - sogar Kneipe, Kino und Sport können da nicht mithalten. Und die Leidenschaft beschränkt sich nicht nur auf den Feierabend; viele möchten auch im Beruf mit Büchern zu tun haben. Die Palette der Möglichkeiten ist groß: Autorin, Lektorin, Buchhändlerin, Illustratorin, Gestalterin oder Pressefrau - um nur einige Arbeitsfelder zu nennen. Eines ist allen Jobs gemeinsam: Sie verlangen Flexibilität und eine feine Spürnase für Veränderungen auf dem Markt. Am besten gelingt der Einstieg über ein Praktikum, das vergleichsweise einfach zu bekommen ist. In Deutschland gibt es an die 10000 Verlage (davon etwa 2000 Buchverlage). Pfiffige Praktikantinnen sind fast überall gern gesehen, weil sie den gestressten "Festen", die oft mit immer weniger Kollegen über die Runden kommen müssen, einige Arbeit abnehmen können. Praktikanten verdienen zwischen wenig und gar nichts und sollten ihren Einsatz als Teil der Ausbildung betrachten. Nur wer weiß, wie es in einem Verlag heute zugeht, hat gute Aussichten, dort mit der Zeit seinen Platz zu finden.

Außerdem: Verlage von innen zu kennen ist Voraussetzung, um von außen einigermaßen lukrativ zuzuarbeiten. "Für Freiberufler ist die Situation im Augenblick gut", sagt Adriane Andreas, 46, die zusammen mit ihrer Kollegin Renate Hausdorf, 53, das Büro "Buch & mehr" in München gegründet hat. Beide waren einige Jahre lang in Verlagen angestellt - die eine als Lektorin, die andere als Gestalterin. Adriane Andreas erinnert sich bestens an den "zunehmenden Druck", der auf den fest angestellten Kräften lastet. Sie wünschte sich mehr Spielraum und kündigte. Jetzt bieten die beiden Freiberuflerinnen einen Fullservice an, das heißt, sie können bei Bedarf komplette Buchauflagen produzieren, vom Konzept bis zur Herstellung. Wenn nötig, beschäftigen sie für ihr Projekt zusätzlich einen Grafiker, eine Übersetzerin oder eine Druckerei. Aufträge gibt es genug, doch nicht immer wird der gesamte Service genutzt: Für Gräfe und Unzer zum Beispiel, einen ihrer Hauptkunden, lektoriert Adriane Andreas Gesundheits-Ratgeber, Renate Hausdorf kümmert sich um die saubere Einpassung ins vorgegebene Layout. Den Rest steuert der Verlag - Honorare für Autoren, Illustratoren und Fotografen, Druck, Werbung, Marketing, Vertrieb. Adriane Andreas hat Biologie studiert. Angehenden Lektorinnen empfiehlt sie mit Nachdruck, sich zu spezialisieren: "Wer auf einem Gebiet wirklich kompetent ist, hat gute Aussichten, auf dem umkämpften freien Markt eine Nische zu finden."

Gesucht: das spezialisierte Multitalent

"Manche haben ihr Germanistikstudium mit Eins abgeschlossen, waren im Ausland und kennen jedes Buch. Jetzt wollen sie bei einem angesehenen Verlag wie Hanser oder Suhrkamp als Lektorin unterkommen und 50000 Euro im Jahr verdienen." So viel Ahnungslosigkeit amüsiert Irene Naumczyk immer wieder aufs Neue. Vor acht Jahren hat sich die 49-Jährige selbständig gemacht und in Buchbach bei München eine Personalagentur für den Verlagsbereich aufgezogen. Sie nimmt Personalchefs die Vorauswahl ab und die Bewerberinnen oder Kandidaten kritisch unter die Lupe. Nicht selten muss sie bestens ausgebildete Menschen vor den Kopf stoßen: "Die Bewerber können es als Ehre betrachten", sagt sie, "wenn sie eine Assistentenstelle kriegen und 1800 Euro im Monat." Wer eine Festanstellung haben möchte, sollte möglichst spezialisiert und zugleich ein Multitalent sein - in vielen Sparten. "Gesucht wird die Eier legende Wollmilchsau", bringt Irene Naumczyk die Sache auf den Punkt. Im Klartext: ein technisch versiertes, sprachgewandtes, flexibles, wirtschaftlich denkendes Organisationsgenie mit einem Minimum an materiellen Ansprüchen. Seit einigen Jahren pfeift ein eisiger Wind durch die Branche. Kommerz steht im Vordergrund, Idealismus ist meistens Nebensache. Viele berühmte Verlage sind heute nur noch dem Namen nach eigenständige Unternehmen - Rowohlt zum Beispiel und der Berlin Verlag, Heyne, Ullstein, Econ und Kiepenheuer & Witsch. "Big Player" wie Holtzbrinck, Axel Springer und Bertelsmann kaufen wirtschaftlich schwächelnde Verlage auf - und wollen dann ordentliche Renditen sehen. Gespart wird an Literatur, die sowieso nur von Minderheiten gelesen wird. Und am Personal. "Outsourcen" heißt das Zauberwort. Möglichst viele Tätigkeiten werden nach außen verlagert, zum Beispiel an Grafiker und Lektorinnen, die sich selbständig gemacht haben, die keinen Urlaubsanspruch haben und sich um ihre Sozialversicherungen komplett selber kümmern.

Das dicke Geld - die Ausnahme

"Der Markt ist hart, man muss flexibel reagieren", ist auch die Erfahrung von Verena Rannenberg, 43, die ursprünglich Buchhändlerin war und dann, vor über 20 Jahren, zur Verlagsvertreterin umsattelte. Ihr Plus: Sie weiß, wie es in Buchhandlungen zugeht und wie die Kunden reagieren. Buchhändlerin, sagt sie, gilt als angesehener und hoch qualifizierter Job, aber der Verdienst ist eher gering. Aufstiegsmöglichkeiten gibt es kaum - und nur mit Glück einen spannenden Alltag: in Geschäften, die zum Beispiel Lesungen organisieren und ihre Mitarbeiter bei der Bücherauswahl einbeziehen. Verlagsvertreterinnen haben Einfluss darauf, welche Bücher in den Buchhandlungen vorrätig sind und wie engagiert die Buchhändler sie weiterempfehlen. "Ein anstrengender und sehr abwechslungsreicher Beruf", sagt Verena Rannenberg. Ihr Leben ist geprägt von Handelsreisen - für den Verlag Frauenoffensive und Eichborn, für Wagenbach und Carlsen war sie in den zurückliegenden Jahren unterwegs. Dann landete sie einen Volltreffer, auf den Verlagsvertreter hoffen wie auf einen Sechser im Lotto: Sie präsentierte in Norddeutschland die deutsche Ausgabe von "Harry Potter" (Carlsen Verlag) und hat damit "richtig dick verdient". Für Verena Rannenberg kommt eine feste Anstellung nicht mehr in Frage; sie ist froh, ihre eigene Chefin zu sein. Vor ein paar Jahren legte sie sich ein zweites Standbein zu - schließlich hat sie nicht auf jeder Reise einen Harry Potter im Aktenkoffer. Sie bietet in Buchhandlungen "Devotionalien" an: Postkarten, Geschenkpapier, Lesezeichen. Das Geschäft läuft gut. "Wer in Bewegung bleibt, der kann von der Umbruchsituation durchaus profitieren", fasst es Verena Rannenberg zusammen.

Auch Heike Wilhelmi profitiert. Von den Löchern, die die Personalpolitik vieler Verlage gerissen hat. Die Hamburgerin hat sich nach langjähriger Lektorentätigkeit mit einer "Medienagentur" für Sachbücher selbständig gemacht, denn: "Nur noch selten haben die festen Kräfte Zeit, sich ausgiebig um die Autoren zu kümmern." Heike Wilhelmi bietet den Verlagen gründlich vorgecheckte Konzepte und Manuskripte an. "Unverlangt eingeschickte Manuskripte werden höchstens in Ausnahmefällen veröffentlicht." Fast immer kennt die 40-Jährige die Autoren bereits, die ihre Vorschläge unterbreiten - oder sie fordert sie sogar gezielt zu einem gemeinsamen Projekt auf. Und vom Bücherschreiben allein können die Wenigsten leben. "Im Idealfall werden Sachbücher von Experten geschrieben", sagt Heike Wilhelmi, "also der Psycho-Ratgeber von einem Therapeuten oder der neue Wellness-Guide von einer Reisejournalistin."

Multimedia? Keine Konkurrenz

Um künftige Kunden brauchen sich Verlage und Buchhandlungen keine Sorgen zu machen: Jedes Jahr fluten noch mehr Neuerscheinungen in die Läden - auch in diesem Jahr werden es über 80000 sein. Gerade die 14- bis 19-Jährigen lesen überdurchschnittlich viel, hat der Börsenverein des deutschen Buchhandels ermittelt. Und Multimedia? "Keine Konkurrenz", behaupten Kenner der Szene. E-Books, die Gameboys für Leseratten, sind immer noch Exoten auf dem deutschen Markt. Internet und Literatur-CD-Roms schaden dem Medium Buch ebenso wenig; meist werden sie parallel genutzt, von genau denselben Konsumenten.

ist Multimedia-Produzentin und hat schon einen steilen Aufstieg hinter sich. Die 32-Jährige, die ein Geografie-Studium absolviert hat, gern mit Sprache umgeht, gut organisieren kann, hochgradig flexibel ist und die neuen Medien für außerordentlich spannend hält, "rutschte" über eine Assistenz in die Branche - typisch für viele Karrieren in diesem Bereich. Zunächst betreute sie CD-Rom-Produktionen im jungen Münchner Verlag Terzio. Unter ihrer Regie entstanden neue Spiele zu Geschichten von Löwenzahn, Thomas Brezina und Janosch. Sie machte sich Gedanken über die Musik und entwarf Rätsel, die bei Kindern die Fantasie ankurbeln sollen - um dann die Produktion nach außen abzugeben, "an einen ganzen Strauß von Freien". Jetzt hat Terzio eine Tochterfirma in Erfurt gegründet, die diese Produktionen übernimmt. Damit liegt nun alles in einer Hand - und zwar in der von Katrin Hessing, denn sie leitet die Firma. Doch am Anfang, auch bei vielen dieser multimedialen Produkte, steht noch immer: das Buch.

Berufs-Infos

Für alle Fragen zum beruflichen Werdegang sind die Berufsinformationszentren im Arbeitsamt eine erste Anlaufstelle. Über die staatlich anerkannten Ausbildungswege informieren die "Blätter zur Berufskunde", die Sie beim Arbeitsamt kostenlos erhalten oder unter www.arbeitsamt.de im Internet abrufen können. Aktuelle Weiterbildungsangebote stehen in der Online-Datenbank KURS.

Eine gute Internetadresse, um den Überblick über Buch-Berufe zu bekommen: www.inbuk.de. Zur Ausbildung kann es sich lohnen, die Homepage www.neue-ausbildungsberufe.de anzusehen. Außerdem kompetent: Ver.di-Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, Berlin, Telefon: 030/ 69560, Internet: www.verdi-net.de.

Berufe mit staatlich geregelter Ausbildung

Die Ausbildung für die folgenden Berufe dauert normalerweise drei Jahre - mit Abitur auch kürzer. Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben, doch meist haben Schulabgängerinnen mit Mittlerer Reife oder Abitur deutlich bessere Chancen.

Buchhändlerin

Jobprofil: Sortimentsbuchhändlerinnen arbeiten in Buchhandlungen. Sie bestellen Bücher und andere Medien von den Verlagen, beraten die Kunden und verkaufen. Neben kaufmännischem Denken ist auch ein Gespür für Trends und Kundenbedürfnisse wichtig: Buchhändlerinnen sind oft auch für eine ansprechende Präsentation der Bücher im Laden und für die Schaufensterdekoration zuständig, sie organisieren Lesungen, Signierstunden und andere Werbemaßnahmen. Voraussetzung: Es empfehlen sich Freude am Verkaufen und unmittelbaren Kontakt mit den Kunden sowie die gesundheitlichen Voraussetzungen um viel zu stehen - wie bei allen Verkaufsberufen.

Ausbildung: zur Buchhändlerin, Schwerpunkt Sortiment. Es gibt Quereinsteigerinnen, z.B. Verkäuferinnen oder frühere Verlagsangestellte, die als Buchhändlerinnen arbeiten.

Verdienst: Ab etwa 1500 Euro. Info: Blätter zur Berufskunde, Bestellziffer BzB1 - VIII A 104.

Buchhändlerin/Antiquariat

Jobprofil: Antiquariatsbuchhändlerinnen handeln mit seltenen und alten Büchern, für die keine Preisbindung besteht. Auf Auktionen, aus Nachlässen, von Verlagen und Privatpersonen werden Bücher, Manuskripte, Grafiken, alte Drucke, Raritäten und Kuriositäten gekauft. Die Kunden sind oft Fachleute oder Wissenschaftler. Voraussetzung: Allgemeinbildung, Zähigkeit, Genauigkeit in der Ermittlung und exakten Beschreibung von Titeln, Spaß an literarischen Kuriositäten.

Ausbildung: zur Buchhändlerin, Schwerpunkt: Antiquariat.

Verdienst: Ab etwa 1500 Euro. Info: Blätter zur Berufskunde, Bestellziffer BzB1 - VIII A 104.

Bibliotheksassistentin

Jobprofil: Bibliotheksassistentinnen unterstützen die Bibliothekarinnen in ihrer Arbeit. Sie beschaffen Bücher, Zeitschriften und andere Medien und systematisieren sie in Katalogen. Sie übernehmen die mit dem Verleih verbundenen Arbeiten und beraten die Bibliotheksbenutzer. Außerdem warten sie die Bestände. Ausbildung: zur Bibliotheksassistentin oder Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste.

Verdienst: BAT VI B, ab etwa 1800 Euro.


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