Heikle Fragen im Bewerbungsgespräch - und die perfekte Antworten

Manche Fragen im Bewerbungsgespräch sind wirklich gemein. Wir haben einige typische Fragen gesammelt und erklären, was Sie darauf am besten antworten.

"Was sind Ihre Schwächen?"

Jeder Mensch hat Schwächen, das wissen Sie genauso wie die Leute, die Sie einstellen wollen. Also bleiben Sie locker und sagen Sie sich, dass ein selbstreflektierter Mensch meist besser ankommt als ein stolzer Gockel. Das heißt aber nicht, dass Sie sich selbst geißeln sollen. Versuchen Sie lieber, eine Schwäche zu wählen, die Sie gleichzeitig auch als Stärke verkaufen können, rät Bewerbungscoach Diana Ochs. "Wenn man beispielsweise Probleme damit hat, Arbeit abzugeben, heißt das auf der anderen Seite, dass man gerne die Fäden in der Hand hat und den Überblick behält", erklärt sie. "Das sollte man im Gespräch auch so präsentieren." Sie können auch eine Schwäche nennen, die für Ihre Arbeit nicht so relevant ist. "Für eine Landschaftsgärtnerin etwa ist ein mangelnder Ordnungssinn vielleicht nicht so dramatisch", so Ochs. Eine dritte Möglichkeit ist zu erklären, wie man mit der Schwäche umgeht. Hat man zum Beispiel Kurse besucht, um zu lernen, sich selbst besser zu organisieren? Dann sagen Sie das ruhig, denn Sie zeigen so gleichzeitig, dass Sie lösungsorientiert sind und an sich selbst arbeiten.

"Was war Ihr größter beruflicher Misserfolg?"

Auch hier kommt es gut an, wenn man Ehrlichkeit zeigt, aber gleichzeitig erklärt, welche Lehren man daraus gezogen hat. Wichtig ist, dass Sie die Geschichte selbstbewusst vortragen. Wenn Ihnen die Angelegenheit immer noch so peinlich ist, dass Sie schon beim Gedanken daran rote Ohren kriegen, sollten Sie vielleicht eher einen harmloseren Misserfolg wählen, rät Bewerbungstrainerin Diana Ochs. Ein Desaster in der künftigen oder früheren Hauptaufgabe solle man nicht präsentieren, etwa, wenn man als Budgetverantwortliche Misswirtschaft betrieben hat. Gegenfragen können helfen auszuloten, was der Gesprächspartner als problematisch empfinden würde: 'Was bewerten Sie denn als Misserfolg?'

"Wenn Sie Nachwuchs bekämen, würden Sie weiterarbeiten wollen?"

Kein Arbeitgeber darf Sie aufgrund Ihrer Familienplanung diskriminieren. Sie können also auch problemlos angeben, dass Sie gar kein Kind wollen. Allerdings ist das womöglich gar nicht nötig. Schauen Sie sich vorher die Einstellung des Unternehmens an: Wirbt es mit seinen familienfreundlichen Arbeitsbedingungen? Dann können Sie davon ausgehen, dass Sie nicht gleich aussortiert werden, weil Sie eine Familie gründen möchten. Falls Sie unsicher sind, ob Ihr Gegenüber Kinder problematisch findet, rät Diana Ochs: "Antworten Sie am besten diplomatisch, dass ein Kind aktuell kein Thema sei. Und wenn es soweit käme, würde man sicher eine konstruktive Lösung für alle Beteiligten finden." Aussagen über die Dauer der Babypause oder die gewünschte Arbeitszeit müssen und sollten Sie hier auf keinen Fall treffen.

"Wofür steht unsere Firma in Ihren Augen?"

Eine wichtige Frage, auf die Sie sich gut vorbereiten können und sollten. "Wer hier stammelt und nicht über das Unternehmen informiert ist, steht ganz schlecht da", sagt Diana Ochs. Also studieren Sie auf der Homepage das Unternehmensprofil, aktuelle Pressemitteilungen, die Geschichte, die neuesten Entwicklungen, Produkte, Leitbilder, Kampagnen und so weiter. So finden Sie heraus, wie das Unternehmen selbst gesehen werden will. "Wichtig ist zu zeigen, dass man diese Inhalte auch verstanden hat", so Ochs. Also nicht einfach auswendiglernen, sondern versuchen, das Gelesene in eigenen Worten wiederzugeben und seine eigene Haltung dazu zu erläutern.

"Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?"

Den meisten Arbeitgebern ist es wichtig, dass man dem Unternehmen treu sein will. Statt 'Mal sehen, wohin der Wind mich trägt' sollten Sie also lieber 'Hoffentlich in diesem Unternehmen!' antworten, auch wenn die Stelle befristet ist. Der Wunsch nach Weiterentwicklung kommt auch immer gut an. Sei es, dass man eine Führungsposition anstrebt oder sich fachlich weiterbilden will, dass man offen ist für neue Aufgaben und neue Projekte. An diesem Punkt können Sie auch gut die Gegenfrage stellen, ob die Firma denn eine langfristige Perspektive bietet.

"Wie gehen Sie mit Veränderungen um?"

"Jeder Arbeitgeber möchte gerne hören, dass Sie lernbereit und flexibel sind", sagt Diana Ochs. Grundsätzlich sollten Sie also signalisieren: Veränderungen betrachte ich als Teil meines Jobs und ich will dazu beitragen, dass sich daraus etwas Positives entwickelt. Bei einer Führungsposition sollten Sie dies noch etwas mehr ausführen, denn es wird womöglich Ihre Aufgabe sein, diese Veränderungen mitzuentwickeln. Zeigen Sie, dass Sie Spaß an neuen Ideen haben, dass Sie neugierig sind, und dass Sie auch mit Krisen umgehen können. Wenn es dazu Beispiele aus Ihrer Berufserfahrung gibt - umso besser. So füllen Sie die Worte mit Leben.

"Warum wollen Sie Ihre jetzige Firma verlassen?"

Ganz wichtig: Bleiben Sie Ihrem alten Unternehmen gegenüber loyal. Auch wenn Ihre Chefin eine cholerische Ziege ist oder das Betriebsklima die Hölle. "Kein Arbeitgeber sieht es gerne, wenn Sie schmutzige Wäsche waschen, da er selbst ja auch Loyalität erwartet", so Diana Ochs. Versuchen Sie lieber, es positiv zu formulieren: Was hat der neue Job, was Ihr alter nicht hat? War es vielleicht schon immer Ihr Traum, bei diesem Unternehmen zu arbeiten? Falls Sie schon lange bei Ihrer alten Firma sind, können Sie gut sagen, dass Sie sich eine Veränderung wünschen und Lust auf etwas Neues haben. Zu Ehrlichkeit rät Diana Ochs, falls ungünstige Arbeitszeiten der Grund für den Wechsel sind. "Wenn Sie um 17 Uhr Ihr Kind abholen müssen, dann sollten Sie das auch sagen. Denn falls der Arbeitgeber erwartet, dass Sie bis 19 Uhr im Büro sind, hat am Ende keiner etwas davon."

"Was macht Sie besser als andere Bewerber?"

Angesichts der Anforderungen, die im Stellenprofil stehen, werden die meisten Bewerber vermutlich ähnliche Qualifikationen mitbringen. "Versuchen Sie, aus diesem Durchschnitt herauszustechen und Ihre persönliche Sahnehäubchen zu präsentieren", so Diana Ochs. Überlegen Sie sich, welche sozialen Kompetenzen Sie haben. Können Sie vielleicht Konfliktparteien gut zusammenführen? Denken Sie sehr innovativ? Oder haben Sie besondere Qualifikationen, die dem Unternehmen nützen könnten? Können Sie vielleicht eine besondere Fremdsprache? Denken Sie dabei an Situationen zurück, in denen Sie gelobt wurden oder besonders erfolgreich waren. Manchmal hilft es auch, sich darüber mit einer Person zu unterhalten, die Sie gut kennt und von außen beurteilen kann.

"Warum hat Ihr Studium so lange gedauert?"

"Versuchen Sie, diese langen Zeiten durch eine gute Begründung zu unterfüttern", sagt Diana Ochs. Dass Sie Stammgast in der Campuskneipe waren oder eine Lernblockade hatten, sollten Sie besser für sich behalten. "Aber wenn Sie lange studiert haben, weil Sie im Ausland waren oder weil Sie nebenher arbeiten mussten, ist das alles andere als ein Makel." Das Gleiche gilt, wenn Sie Kinder bekommen haben oder sich um andere Familienangehörige kümmern mussten. Schwieriger wird es bei einer langen Krankheit. "Wenn ich vor zehn Jahren mal länger krank war und ansonsten einen Top-Lebenslauf habe, dann kann ich das auch sagen", so Ochs. "Liegt die Krankheit noch nicht so lange zurück, würde ich mir lieber eine andere Antwort einfallen lassen. Denn sonst bleibt schnell der Eindruck hängen, dass ich aktuell noch nicht so belastbar bin."

Welche Fragen sind in Bewerbungsgesprächen nicht zulässig?

Es gibt Informationen, die Arbeitgeber in einem Vorstellungsgespräch nicht abfragen dürfen. Dazu zählen die Fragen nach einer bestehenden Schwangerschaft, nach Krankheiten, dem religiösen Glauben, Gewerkschaftszugehörigkeit, Vermögensverhältnissen oder nach der sexuellen Orientierung. "Wenn solche offensichtlich diskriminierenden Fragen gestellt werden, darf man im Grunde sogar lügen, ohne im Nachhinein rechtlich belangt werden zu können", erklärt Diana Ochs. "Allerdings kann eine Lüge auch das Vertrauensverhältnis zum Arbeitsgeber erschüttern. Das ist nicht unbedingt ideal für den Start in einen neuen Job." Sie empfiehlt daher ein diplomatisches Vorgehen. Zum Beispiel: 'Religion ist doch eine sehr persönliche Angelegenheit. Ich halte die Glaubensfrage für meine Tätigkeit nicht für relevant.' Oder: 'Sie und ich wissen, dass diese Frage eigentlich nicht gestattet ist, aber ich antworte Ihnen trotzdem.' So kann man dem Arbeitgeber widerspiegeln, dass man sich vorbereitet hat.

In Ausnahmen können aber auch diese 'nicht legalen' Fragen zulässig sein, etwa wenn Sie sich als Laborantin in einem Chemieunternehmen bewerben, das keine Schwangeren in dieser Tätigkeit beschäftigen darf oder wenn Ihr Arbeitgeber einen kirchlichen Hintergrund hat. "Es lohnt sich also, vorher zu recherchieren, ob es für solche Informationen ein so genanntes berechtigtes Interesse des Arbeitgebers gibt", so Ochs.

Tipp: Weichen Sie vom Standard ab!

Eine gute Vorbereitung ist wichtig, klar. Aber Diana Ochs rät: "Bleiben Sie trotzdem authentisch und verbiegen Sie sich nicht zu sehr." Wer einfach nur das Einmaleins der perfekten Bewerbung runterbetet, fällt in der Masse nicht auf und wird im schlimmsten Fall nicht ernst genommen. "Jedes Unternehmen möchte eine Persönlichkeit einstellen und nicht nur eine fachliche Qualifikation." Trauen Sie sich also, auch mal zu überraschen. Gerade Menschen, die eine Führungsposition anstreben, können punkten, indem sie interessante Positionen vertreten oder auch mal eine kritische Gegenfrage stellen.

Unsere Expertin

Diana Ochs - freiberufliche Trainerin, Coach und Beraterin - ist Spezialistin für die Themen weiblicher Fach- und Führungskräfte. Im Fokus Ihrer Arbeit stehen die Themen Wiedereinstieg und Vereinbarkeit, Positionierung von Frauen in Männerteams, Jobsuche und Einstieg in den neuen Job, Perspektiventwicklung und der Umgang mit schwierigen Arbeitssituationen wie z.B. Mobbing.Infos und Kontakt: www.dunkelrot-beratung.de


Michèle Rothenberg

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