Du willst einen neuen Job? Diese 7 Schritte helfen beim Neustart

Wer innerlich gekündigt hat, sollte über einen Berufswechsel nachdenken. So kannst du herausfinden, welcher Job besser zu dir passt.

Laut Umfragen ist fast jeder Vierte in Deutschland unglücklich in seinem Job. Zu viel Frust kann aber krank machen - also tut etwas dagegen! Mit diesen sieben Fragen und Tipps des Ratgeber-Autors Tom Diesbrock findet ihr heraus, welche Schritte für den Berufswechsel nötig sind, wo Gefahren drohen und warum es sich trotzdem lohnt, diesen Weg zu gehen.

1. Gehen oder bleiben?

Wenn ein Pferd tot ist, sollte man absteigen und sich ein lebendiges suchen. Das gilt auch für den Job. Nur: Woran merkt man, dass es Zeit für eine berufliche Veränderung ist? Beim ersten Schritt geht es darum, Bilanz zu ziehen und herauszufinden, wir gut der alte Job noch zu einem passt.

Das hilft: Kannst du dir vorstellen, deine jetzigen Tätigkeit noch in fünf Jahren unverändert nachzugehen? Beantworte diese Frage ehrlich, und achte dabei auf deine Gefühle. Denn es können noch so viele vernünftige Argumente für den Job sprechen - wenn Unzufriedenheit, Langeweile und Frust zu groß werden, ist es Zeit für einen Wechsel.

Achtung Stolperstein! Manchen Menschen ist schon lange bewusst, dass ihr alter Job sie nicht mehr glücklich macht. Doch sie haben Angst vor Veränderung und finden deshalb immer neue Argumente, um zu bleiben, wo sie sind. Das kann gefährlich werden. Denn missachtet man die Warnzeichen, drohen chronische Unzufriedenheit, nachlassende Leistung und womöglich Burn-out.

2. Ich will endlich loslegen

Jetzt weißt du, was du NICHT mehr willst. Der nächste Schritt ist, selbst den Startschuss zum Handeln abzufeuern. Das ist gar nicht so leicht, wie es sich anhört. Viele Menschen meinen, sich jetzt sofort entscheiden zu müssen, aber sie wissen nicht, wie sie das angehen können.

Das hilft: Strukturiere dich. Mache dir schon mal für die nächsten Schritte einen großzügigen Zeitplan. Rund drei Monate solltest du für deine Neuorientierung einplanen, eine Entscheidung wird erst am Ende fällig.

Achtung Stolperstein! Keine oder nur unklare Ideen machen uns grundsätzlich Angst. Deshalb wächst jetzt wahrscheinlich der innere Widerstand gegen die Veränderung. Doch nicht zu wissen, was man will, ist kein Alibi für Untätigkeit!

3. Was kann ich, und was will ich wirklich?

Nun beginnt die kreative Suche: Statt eine Entscheidung zu forcieren, sollten wir uns jetzt viel Zeit nehmen und uns in Ruhe fragen: Was würde ich am liebsten tun? Wovon träume ich? Wo liegen meine Stärken?

Das hilft: Denke nicht immer nur an das, was du ohnehin schon kennst. Wichtig ist, auch das Verrückte und Ungewohnte zuzulassen. Das braucht Mut! Aber auch scheinbar abwegige Ideen enthalten manchmal Optionen, die wir tatsächlich realisieren können.

Achtung Stolperstein! Dieser Prozess braucht Geduld! Unruhige Menschen stürzen sich jetzt lieber in Stellenbörsen und verschicken massenweise Standartbewerbungen. Widerstehe diesem Drang. Sonst sitzt du am Ende womöglich wieder in einem Job, der dich nicht glücklich macht.

4. Was kommt für mich konkret in Frage?

Wenn du den vorigen Schritt ernst genommen hast, liegen jetzt wahrscheinlich viele Möglichkeiten vor dir. Einige sind leichter umsetzbar, andere brauchen mehr Zeit und Energie oder sind scheinbar unrealistisch. Daraus solltest du nun die wichtigsten heraussuchen.

Das hilft: Mache zu jedem Job einen Plan, wie du diesen ganz konkret erreichen kannst. Und wenn dir eine verrückte Idee am Herzen liegt: Recherchiere gründlich, wie du diese umsetzen kannst. Vielleicht ist sie gar nicht so abwegig, wie anfangs gedacht.

Achtung Stolperstein: Hier droht die Gefahr, dass du zwar weiter sehr kreativ auf immer neue Ideen kommst, aber dabei nie konkret wirst. Eine Job-Idee, die du wirklich umsetzten möchtest, braucht klare Konturen, sonst hat sie keine Chance!

5. Wofür will ich mich entscheiden?

Hast du wirklich alle Optionen gründlich überprüft? Hast du genug recherchiert und ein klares Bild davon? Dann steht jetzt die Entscheidung an: Welches ist dein Wunschjob?

Das hilft: Mache eine Liste der Kriterien, die dir bei deiner neuen Tätigkeit besonders wichtig ist. Zum Beispiel: Finanzen, Freiheit, Arbeitszeiten, soziales Miteinander, Sicherheit oder Ansehen.

Achtung Stolperstein! Bisher war alles graue Theorie. Was du jetzt tust, wird aber Konsequenzen haben! Wenn du dich für Job A entscheidest, verzichtest du auf Job B und C. Hier schrecken manche Menschen zurück und trauen sich nicht, auch umzusetzten, was sie bisher erarbeitet haben.

6. Wie bekomme ich meinen Wunsch-Job?

Wenn du dich für einen Job entschieden hast, den du mit ganzem Herzen willst, hast du bereits zwei wichtige Motoren: Deine Entschlossenheit und Begeisterung! Jetzt braucht es auch Energie und Kreativität, um einen Arbeitsplatz zu finden, oder eine Existenz zu gründen.

Das hilft: Besonders wichtig ist es jetzt, viele Kontakte zu suchen. Der neue Job kommt nicht von allein auf dich zu. Habe keine Scheu, Menschen und Unternehmen anzusprechen und dich initiativ zu bewerben. Hole dir Rat und Hilfe von Experten, wenn du dich selbständig machen willst.

Achtung Stolperstein! Vielen fällt genau dies schwer. Sie warten lieber auf die passende Stellenanzeige, weil sie sich nicht trauen, einfach so den Kontakt zu suchen. Aber das ist die Strategie von vorgestern! Auch wenn es schwerfällt: Wir sollten auch an Türen klopfen, wenn wir nicht sicher sind, ob jemand aufmacht.


7. Jetzt starte ich durch:

Du hast es geschafft - die Suche und die Arbeit haben sich gelohnt, und du startest endlich in den neuen Job! Vielleicht wird es nicht genau so, wie du es dir vorgestellt hast. Möglicherweise erlebst du die eine oder andere Enttäuschung. Es dauert oft eine Weile, bis wir uns an die neue Situation wirklich gewöhnt haben.

Aber wenn es einmal geschafft ist, sich neu zu erfinden, ist es sehr wahrscheinlich, dass Veränderung dein ständiger Begleiter wird. Und damit bist du gut gerüstet für die Herausforderungen deines weiteren beruflichen Weges!


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Interview mit Tom Diesbrock, Autor des Ratgebers "Ihr Pferd ist tot? Steigen Sie ab!"

BRIGITTE.de: Herr Diesbrock, saßen Sie beruflich schon mal auf einem 'toten Pferd'?

Tom Diesbrock: Oh ja! Mein erstes Studium - Medizin - war von Anfang an ein totes Pferd. Ich wollte es nur nicht wahr haben und machte immer weiter. Später hielt ich lange an einem vermeintlich sicheren Job als Redakteur fest, bis ich endlich wagte, mich als Psychologe selbstständig zu machen. Ich habe es nie bereut. Denn tote Pferde sind nun mal keine guten Transportmittel!

BRIGITTE.de: Warum quälen sich Menschen oft weiter mit ihrem alten Job, obwohl sie innerlich längst gekündigt haben?

Tom Diesbrock: Meistens spielt Angst dabei die zentrale Rolle. Jede neue Möglichkeit ist erst einmal ungewiss und birgt Risiken - kalte Füße gehören zu jeder beruflichen Umorientierung. Verhängnisvoll ist nur, wenn sich die Angst hinter scheinbar vernünftigen Argumenten versteckt und wir überzeugt sind, zu alt oder zu inkompetent zu sein. Und deshalb jede berufliche Alternative pauschal als "unrealistisch" abtun. Das erlebe ich sehr häufig!

BRIGITTE.de: In Ihrem Buch schreiben Sie, man reagiere oft "unerwachsen", wenn Ängste im Spiel sind. Wie meinen Sie das?

Tom Diesbrock: Unsere Ängste sind meistens sehr alt. Wir haben Angst zu versagen, kritisiert und bloßgestellt zu werden und dass es schrecklich enden wird, wenn wir ein Risiko eingehen. Wenn uns solche Ängste im Griff haben, denken und fühlen wir wie ein Kind. Man spricht dann von einem Kind-Ich-Zustand. Das ist ganz normal. Wir sollten nur immer versuchen, auch unser erwachsenes Verständnis einzuschalten und nicht aus kindlichen Katastrophen- und Versagensängsten zu handeln und zu entscheiden. Sonst bewegen wir uns nicht vom Fleck.

BRIGITTE.de: Was, wenn ich so blockiert bin, dass ich einfach nicht aus der Misere rauskomme? Kann ich das überhaupt aus eigener Kraft schaffen?

Tom Diesbrock: Nicht jeder schafft es ganz allein. Wenn ich in meinem Job nur noch leide, aber keine Alternative sehe, ist das purer Stress, der mich auf Dauer krank machen wird. Durch wachsenden inneren Druck wird mein Tunnelblick immer enger, sodass ich irgendwann allein keinen Ausweg aus diesem Teufelskreis mehr finden kann. Dann brauche ich dringend Unterstützung, etwa von einem Coach oder Psychologen.

BRIGITTE.de: Sie sagen, man brauche "innere Freiheit", um beruflich weiterzukommen. Wie erreiche ich die?

Tom Diesbrock: Wenn ich für mich keine beruflichen Alternativen sehe und nur starr an dem festhalte, was ich habe und tue, ist meine innere Freiheit gleich null. Um das Steuer meiner Karriere in die Hand nehmen zu können, brauche ich einen klaren Blick für meine Möglichkeiten und die innere Erlaubnis, sie auch nutzen zu dürfen. Dafür muss ich lernen, meine Ängste und negativen Selbstbilder zu hinterfragen und erwachsen mit ihnen umzugehen. So wächst meine innere Freiheit. Das ist nicht einfach - aber durchaus möglich.

BRIGITTE.de: Sie haben beobachtet, dass die Jobkrise vor allem Menschen zwischen 35 und 45 ereilt. Woran liegt das?

Tom Diesbrock: Nach Schule, Ausbildung und Uni steht für viele Menschen im Mittelpunkt, sich zu beweisen, ordentlich Geld zu verdienen und möglichst schnell die Karriereleiter aufzusteigen. Dafür stellt man auch persönliche Interessen zurück und hat keine Probleme mit einer 50- oder 60-Stundenwoche. Aber zwischen 35 und 45 sind diese Ziele meist mehr oder weniger erreicht. Gleichzeitig verändern sich unsere Werte und Ziele, und es ist nicht mehr so wichtig, was einmal zentral für unser berufliches Selbstverständnis war. Dann geraten viele Menschen in eine Krise, weil sie noch keine Antworten für diese Situation haben.

BRIGITTE.de: Heute arbeitet kaum noch jemand ein Leben lang bei einem Arbeitgeber, häufige Jobwechsel sind normal geworden. Macht es das nicht leichter, sich selbst auch neu zu orientieren?

Tom Diesbrock: Auf jeden Fall! Leider sehen viele Menschen nur die Unsicherheit und Risiken dieser Entwicklung. Dabei haben wir heute viel mehr Chancen, das zu tun, was uns liegt und Freude macht. Wir können den Job unseren verändernden Lebensbedingungen anpassen. Früher war man stolz, mit seinem Unternehmen verheiratet zu sein. Heute gilt als verdächtig, wer zu lange an seinem Job klebt.

Tipps: Tom Diesbrock Interview: Michèle Rothenberg

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