Netzwerken: Frauen, macht euch sichtbar!

Wer im Job vorankommen will, muss klarmachen, was er kann und wohin er will. Und er braucht Verbündete. Zwei Frauen über Coaching-Tipps, die ihnen wirklich geholfen haben.

De Erkenntnis, dass Fleiß und Talent für eine Karriere als Spitzenforscherin wohl nicht reichen würden, kam Terry-Lisa Ly, 27, Doktorandin der Medizin, während eines Blockpraktikums. "Ihr wollt in die Forschung?", fragte die Dozentin, eine erfahrene Oberärztin, Ly und ihre Kommilitoninnen. "Dann macht Euch nichts vor: Mit Eurem Können allein kommt Ihr nicht weit. Schon gar nicht als Frauen. Erfolg werdet Ihr nur haben, wenn Ihr Euch vernetzt. Sucht Euch Verbündete, werdet sichtbar. Und fangt am besten noch heute damit an."

Terra-Lisa Ly war erst ernüchtert. Dann wütend. Schließlich begeistert. Die Frau redete endlich mal Klartext! Und sie hatte ja so recht: Wenn wir Forscherinnen uns nicht zusammenschließen, werden wir es nie an die Spitze schaffen." Wenige Wochen nach dem Seminar trat sie "scientam vivamus" bei, einer Initiative Kölner Nachwuchswissenschaftlerinnen, die sich mit selbst organisierten Coachings und Mentoring-Veranstaltungen für den Aufstieg fit machen. Und gleich das erste Seminar, das Ly der Gruppe vermittelte, war eines zum geschickten Networking.

Tatsächlich ist das Knüpfen kluger Seilschaften heute so wichtig wie noch nie. Nicht nur, wenn man wie Terry-Lisa Ly in einer männerdominierten Branche ganz nach oben möchte. Digitalisierung und globaler Wettbewerb machen selbst Durchschnittskarrieren inzwischen zur Achterbahnfahrt. Statt das komplette Berufsleben in einem Unternehmen zu verbringen, werden die meisten Menschen zukünftig alle paar Jahre den Job wechseln, unter unterschiedlichen Chefs arbeiten, in unterschiedlichen Teams, an unterschiedlichen Projekten. Kommunikationsscheue Einzelkämpfer haben es unter solchen Bedingungen schwer. Wer aber mit genügend Kolleginnen und Kollegen verbandelt ist, die mit Erfahrungen oder Insiderinfos weiterhelfen, Aufträge oder Kontakte vermitteln, kann von der Flexibilität und Durchlässigkeit der neuen Arbeitswelt enorm profitieren.

Wenn man ein Netzwerk braucht, muss es da sein

"Das Gute ist ja: Netzwerken ist so demokratisch wie nie zuvor", sagt die Kölner Coachin Ute Blindert. "Mit einem Profil auf Xing oder LinkedIn ist man für Arbeitgeber überall auf der Welt sichtbar. Umso wichtiger ist es, dass man auf solchen Portalen unmissverständlich klarmacht, was man kann und wohin man will." Terry-Lisa Ly hatte im vergangenen Sommer einen von Ute Blinderts Workshops über digitales Netzwerken für sich und ihre Kommilitoninnen gebucht. Einen Tag lang nahmen sie mit der Expertin ihre digitalen Profile kritisch unter die Lupe, feilten an Botschaften und Schwerpunkten. Heute lacht einen auf der Xing-Seite von Terry-Lisa Ly ein professionell gemachtes Foto der Studentin an, ihr Lebenslauf ist übersichtlicher und präziser geworden. Auf Facebook ist sie nicht mehr nur privat unterwegs, sondern verfolgt gezielt die Postings von Berufsverbänden und Stellenbörsen. Auch ihre Kontakte zu den anderen Nachwuchswissenschaftlerinnen pflegt sie weiterhin - obwohl es bis zu ihrem Start ins Berufsleben noch ein Jahr dauert. "Wenn man ein Netzwerk braucht, dann muss es schon da sein", hatte Ute Blindert den Studentinnen eingebläut. "Sonst wird das Kontakteknüpfen unentspannt." Ly sagt, ihrer Jobsuche blicke sie nun gelassen entgegen.

Auch Ileana Kasper, Vorstandssekretärin einer Bank, fühlt sich in ihrem Berufsalltag heute souveräner. Bei der Hamburger Psychologin Dr. Eva Wlodarek hatte die 47-Jährige vor drei Jahren einen zweitägigen Charisma-Workshop gebucht und dort trainiert, sich auch in stressigen Zeiten ihrer Stärken bewusst zu sein. Wenn sie jetzt das Gefühl hat, dass ihr im Büro alles über den Kopf wächst, stellt sie sich gern vor einen Spiegel und redet sich ins Gewissen: "Was du gemacht hast, ist schon in Ordnung. Du musst nicht perfekt sein. 80 Prozent reichen völlig."

"Es mag seltsam klingen", sagt sie. "Aber ich werde dann sofort gelassener. Das strahle ich auf andere aus, die reagieren positiv auf mich. Es ist wie ein Selbstläufer." Und der beeinflusst auch das berufliche Vorankommen, ist Eva Wlodarek überzeugt: "Bei gleichen fachlichen Voraussetzungen entscheidet die Persönlichkeit, wer den größeren Erfolg hat oder befördert wird. Und mit einer positiven Ausstrahlung punktet man immer."

Ohnehin ist das die beste Strategie, um auch in stürmischen Zeiten beruflich auf Kurs zu bleiben: Ruhe bewahren, wenn andere in Hektik geraten. Sich für Neues begeistern, wenn die Welt ringsum in Zukunftsangst erstarrt. Und dann ganz entspannt Richtung Erfolg segeln.

Text: Kristina Maroldt Ein Artikel aus der BRIGITTE 13/2016

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