Was bringen Jobportale im Internet?

Millionen Menschen nutzen Jobportale im Internet. Aber was bringt ein Profil auf Xing, Monster.de oder LinkedIn überhaupt? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zum digitalen Netzwerk

Unser Experte: Branko Woischwill, 39, ist Karriereberater und weiß genau, wie Bewerber von Job-Netzwerken profitieren und im Idealfall sogar ihren Traumjob ergattern.

Braucht heute jeder ein Profil in einem beruflichen Netzwerk?

Sogar im Zeitalter der digitalen Kommunikation geht es noch ohne Profil bei Xing und Co. Aber es ist ein Angebot, das Karriereberater Branko Woischwill ausdrücklich empfiehlt: "Firmen suchen interessante Bewerber längst nicht mehr nur über klassische Annoncen." Wer sich im Netz gut präsentiert, gewinnt eine Zusatzchance. Er schätzt, dass nur etwa 30 Prozent aller neuen Jobs über Stellenanzeigen vermittelt werden. "Der Rest funktioniert über Initiativbewerbungen und Kontakte – und die können Arbeitnehmer in diesen Netzwerken gezielt knüpfen."

Für wen lohnt sich ein Profil besonders?

In den beruflichen Netzwerken tummeln sich vom Berufsanfänger bis zum Geschäftsführer alle, die Arbeit suchen, anbieten oder vermitteln. Auch Experten aller Branchen sind dort vertreten. "Bevor man sich bei einem Portal anmeldet, sollte man darüber nachdenken, ob es für die eigenen beruflichen Ziele sinnvoll ist", sagt Woischwill. "Wer beim Handwerksmeister um die Ecke eine Arbeit sucht, der muss dafür nicht ins Internet." Wenn Sie sich jedoch für große Dax-Konzerne und Unternehmen der Kreativ- oder Medienbranche interessieren, dann sollten Sie auf jeden Fall ein Job-Netzwerk nutzen. "Diese Firmen sind im Umgang mit Xing geübt und suchen dort gezielt nach Fachkräften."

Welches Netzwerk eignet sich für mich am besten?

Im Dschungel von Monster.de, Xing, LinkedIn und diversen anderen Jobportalen können Berufstätige schnell den Überblick verlieren. Woischwill rät: "Nicht wahllos überall anmelden!" Das kostet Zeit und verspricht wenig Erfolg. Für die internationale Karriere eignet sich ein Profil auf LinkedIn. Es ist mit 175 Millionen Mitgliedern weltweit die größte der Job-Plattformen und inzwischen auch auf Deutsch verfügbar. Dort steht Networking ebenso im Zentrum wie bei Xing, der Plattform für den deutschsprachigen Markt. Monster.de dagegen ist auf die Stellensuche spezialisiert. Hier lohnt es sich, gezielt die Stellenanzeigen zu durchforsten oder ein eigenes Gesuch aufzugeben. Des Weiteren existieren viele Nischen-Netzwerke: Sie bieten regionalen Austausch oder vermitteln innerhalb einer bestimmten Branche.

Wie sollte mein Profil aussehen?

"Wichtig ist, sein eigenes berufliches Profil genau zu beschreiben", sagt Woischwill. Im Profil sollten Sie Ihre Stärken klar formulieren, seine Spezialisierung definieren und die Qualifikationen hervorheben. Statt "vielseitige Fähigkeiten" zu nennen, preisen Sie lieber Ihre Erfahrung in einem konkreten Arbeitsbereich an. Es bringt wenig, wenn Sie wahllos aufschreiben, wo und was Sie im Leben schon gearbeitet haben. "Zukünftige Chefs möchten einen Roten Faden erkennen können." Ebenfalls wichtig sei das Profilbild. "Ein Urlaubsfoto eignet sich höchstens, wenn Sie Animateur im Ferienclub werden möchten, ansonsten ein No-Go." Stattdessen sollte das Bild von einem professionellen Fotografen gemacht sein, die Kleidung sollte zum Beruf passen – "und bitte nicht mürrisch gucken, ein sympathischer Ausdruck ist wichtig, denn das Foto ist der erste Eindruck."

Unangebracht ist es auch, das eigene Facebook-Profil zu verlinken, auf dem der potenzielle Chef seinen Bewerber noch betrunken auf der letzten Party sehen kann. Vorsicht auch beim Umgang mit früheren Arbeitgebern: "Es macht sich nicht gut, wenn man seinen ehemaligen Chef schlecht redet", warnt Woischwill. "Seriosität und Integrität sind auch im Internet selbstverständlich."

Darf ich denn gar keinen Einblick in meine Persönlichkeit geben?

"Doch", betont Woischwill. "Man darf in Jobportalen auch Mensch sein!" Er selbst gibt auf Xing zum Beispiel seine Vorliebe für italienisches Essen preis. Bleiben Sie dabei aber möglichst authentisch. Es bringt nichts, elitäre Hobbys wie Polo oder Jachten anzugeben, nur um seinen Chef zu beeindrucken. "Spätestens beim Vorstellungsgespräch könnte das auffliegen," warnt der Karriereberater. "Sport passt eigentlich immer, jeder Arbeitgeber mag fitte Mitarbeiter."

Dürfen Frauen auch angeben, dass sie in der Freizeit gern mit ihren Kindern spielen?

Die Familie ist in Job-Netzwerken eine heikle Angabe. "Familiäre Werte sind zeitlos wichtig. Betonen Sie die eigenen Kinder jedoch zu sehr, so werden manche Chefs schlussfolgern, dass Überstunden mit Ihnen nicht machbar sind.", sagt Woischwill. Andererseits müsse man sich aber fragen, ob man für ein solches Unternehmen überhaupt arbeiten wolle. Inzwischen gibt es immer mehr Firmen, die familiäre Werte unterstützen und die Vereinbarkeit mit dem Beruf sogar fördern.

Das Profil ist angelegt - wie mache ich auf mich aufmerksam?

"Selbstmarketing wird immer wichtiger", beobachtet Woischwill. Jobs fallen nicht vom Himmel, auch nicht, wenn Sie in einem Jobportal angemeldet sind. "Sein angelegtes Profil muss man aktiv nutzen." Zum Beispiel, indem Sie sich in digitalen Diskussionsgruppen als Expertin hervortun und Ihr Wissen unter Beweis stellen. "Es kann auch nicht schaden, Firmen anzusprechen, selbst wenn das eigene Jobprofil nicht hundertprozentig auf eine ausgeschriebene Stelle passt."

Wie verhalte ich mich im Netz gegenüber meinem Chef?

"Berufliche Netzwerke sind nicht zu verwechseln mit privaten sozialen Netzwerken", warnt Woischwill. Es sei nicht immer ratsam, dem Chef seiner (Traum-)Firma sofort eine Nachricht zu schicken. "Vorher nachschauen, ob sein Profil zu meinen Zielen passt: Sucht er, was ich biete?" Achten Sie bei Ihrem Anschreiben unbedingt auf Individualität. "Bitte keine Massenmails nach einem einzigen Textmuster verschicken!"

Werden Online-Bewerbungen das klassische Postanschreiben bald ersetzen?

Die klassischen, brieflichen Bewerbungen werden weniger, viele Firmen nutzen bereits Online-Bewerbungen oder sogar vorgefertigte Onlineformulare. "So schnell wird die klassische Bewerbung aber nicht verschwinden", glaubt Woischwill. Auch die Telefonbewerbung ist noch immer erfolgversprechend. "Aber ich lese in Stellenanzeigen immer häufiger: ‚Bewerbung bitte per E-Mail’ oder ‚Haben Sie ein Xing-Profil?’"

Fazit

Jobportale sind die moderne Form der Kontaktpflege. Sie machen es Berufstätigen leichter, ihr berufliches Netzwerk aufrecht zu erhalten. "Wichtig ist aber, eine Brücke zur realen Welt zu schlagen", sagt Woischwill. Er trifft sich zum Beispiel mit seiner digitalen Promotionsgruppe zum realen Workshop. Viele Menschen können sich im Internet gut darstellen, aber nur im Gespräch erkennt man die echten Qualitäten. "Vertrauen entsteht durch persönlichen Austausch – also verknüpfen Sie die virtuelle Welt mit Ihrer echten!"

Text: Lisa Rokahr
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