Kind und Karriere: So klappt es

Manche lassen sich einiges einfallen, um als Mutter professionell zu arbeiten. Anderen ist es eher peinlich, dass ihre Kinder Zeit und Nerven kosten. Aber warum bloß, fragt BRIGITTE-Mitarbeiterin Gudrun Sonnenberg.

Abteilungsleiterin mit Kind

Angela Mühlpfordt, Abteilungsleiterin

"Erwähnen Sie Ihre Kinder besser nicht so oft, wenn Sie Karriere machen wollen. Sie haben doch noch so viel vor sich!" Diesen Rat bekam Angela Mühlpfordt von einer Kollegin. "Sie machen jetzt sicher eine lange Pause", hörte Maria-Christina Nimmerfroh immer öfter, je größer ihr Bauch wurde. Dumm ist nur, dass Mütter so viel Entlastung oft gar nicht wollen. Sie möchten ernst genommen werden.

In Sachen Eigen-PR geht die 36-Jährige jetzt geschickter vor. So sendet sie E-Mails gern schon frühmorgens vor acht an die kinderlosen Kollegen. Die sollen nämlich mitbekommen, dass Angela Mühlpfordt nicht nur vor ihnen nach Hause geht, sondern dass sie auch vor ihnen wieder im Büro sitzt. Schließlich ist sie die Chefin und will ihre Leute motivieren. Keinesfalls sollen ihre Mitarbeiter denken, sie sorge sich mehr um ihre Kinder als um sie.

Aber hängt die Akzeptanz berufstätiger Mütter wirklich von der Anzahl ihrer Arbeitsstunden und maximaler Verfügbarkeit ab? "Nein", sagt die Hamburger Management-Trainerin Doris Hartmann, "aber der Aufmerksamkeitswert muss stimmen." Was heißt: Mütter sollen ihre Kinder nicht verleugnen, können auch ruhig mal die Arbeitszeit reduzieren. Wichtig ist, dass sie Beruf und Privatleben streng auseinander halten. "Manche Frauen tragen ihr Herz auf der Zunge und reden ständig von den Kindern", weiß Doris Hartmann. "Da haben Kollegen oder Geschäftspartner schnell den Eindruck, dass diese Mütter ihnen keine hundertprozentige Aufmerksamkeit schenken.

Das Baby kommt mit!

Wenn Kinder stören, droht Kontrollverlust, die meistgefürchtete Katastrophe im Berufsalltag. Doris Hartmann rät deswegen: "Bauen Sie zur Sicherheit möglichst viele Puffer ein. Und organisieren Sie das alles rechtzeitig. Nachbarn, Freunde, Babysitter - Hilfe gibt's genug, wenn eine Mutter dazu steht, dass sie immer wieder Prioritäten setzen muss."

Maria-Christina Nimmerfroh, IT-Trainerin

Was für ein Aufwand! Schließen sich denn mütterliche Fürsorge und Engagement im Job zwangsläufig aus? Maria-Christina Nimmerfroh wollte das nicht glauben. Statt sich über alle möglichen Betreuungsmodalitäten den Kopf zu zerbrechen oder monatelang zu pausieren, nahm die freiberufliche IT-Trainerin ihren Sohn Konstantin schon wenige Wochen nach der Geburt einfach mit ins Seminar. "Das ist mein Assistent", verkündete die 28-Jährige und stellte die Babywippe neben dem Overheadprojektor ab. Dort schlummerte Konstantin friedlich vor sich hin, während seine Mutter ihre Zuhörer in die Geheimnisse von HTML oder E-Commerce einweihte.

Bei den Teilnehmern erntete sie Bewunderung. Vor allem Mütter kamen in den Pausen auf die IT-Trainerin zu. "Das hätte ich so nicht geschafft", sagten sie. Väter sprachen eher wehmütig davon, welche Gelegenheiten ihre Frauen im Job womöglich verpasst haben. Und die Auftraggeber, die anfangs reichlich skeptisch waren, warteten vergeblich auf Klagen. "Bringen Sie den kleinen Konstantin ruhig wieder mit!", stand kürzlich sogar als PS unter dem Auftragschreiben eines Seminaranbieters. Aber das macht Maria-Christina Nimmerfroh jetzt immer seltener. Wie alle anderen Kinder auch wird Konstantin mit zunehmendem Alter unabhängiger und babysitterfähiger. Und wie alle anderen ist auch seine Mutter eigentlich ganz froh, wenn sie ohne Kind arbeiten kann.

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