Kommunikations-Tricks: "Bloß nicht naiv sein!"

Günther Beyer, Coach und Buchautor, gibt in seinem Buch "Der Ferkel-Faktor" Tipps gegen fiese Rhetorik-Tricks. Im Interview erklärt er, warum wir heute ständig damit rechnen müssen, manipuliert zu werden.

BRIGITTE.de: Herr Beyer, setzen heute mehr Menschen bewusst Kommunikationstricks ein, um ihre Ziele im Job zu erreichen?

Günther Beyer: Tatsächlich werden viele Tricks unbewusst eingesetzt und gehören zum Repertoire fast aller Menschen - im Buch spreche ich von der intuitiven Täterschaft. Da aber in den vergangenen Jahren das Klima immer härter geworden ist, greifen aus der Not heraus immer mehr Menschen bewusst auf solche schmutzigen Tricks zurück. Selbst Leute, die das freiwillig nie mitmachen würden, müssen es tun, weil sie anders in ihrer Firma nicht weiterkommen. Ihre inneren Skrupel überwinden sie, indem sie sagen: "Die anderen machen das ja auch."

BRIGITTE.de: In Ihrem Buch werben Sie deshalb dafür, die Tricks nur defensiv einzusetzen.

Beyer: Wenn immer mehr Leute gezwungen sind, mit den Wölfen mitzuheulen, denke ich, das kann auf Dauer nicht gut gehen. Jemand, der sieht: "Wer solche Tricks anwendet, hat Vorteile und ich bin der Dumme", dem macht diese Erkenntnis Mut, es auch selbst mit Tricks zu versuchen. Ich möchte mit dem Buch erreichen, dass man sich gegen die Tricks besser wehren kann - und dass sie dadurch nach und nach wieder verschwinden. Denn wenn jeder sie durchschaut und abblockt, nützen sie nichts mehr.

BRIGITTE.de: Frauen gelten im Berufsleben eher als harmonieorientiert und als weniger machtbewusst. Sind sie damit besonders leicht Opfer schmutziger Kommunikationstricks?

Beyer: Die Tricks stammen eher aus der Männerwelt. Frauen möchten mit dem ganzen Thema am liebsten nichts zu tun haben. Selbst wenn man ihnen erklärt, dass sie die Tricks als Defensivwaffen nutzen können, sagen sie: "Das ist nicht meine Welt". Mit dieser Sichtweise sind sie natürlich leichter Opfer. Auf der anderen Seite: Wenn Frauen Tricks anwenden, dann sind sie damit meist sogar erfolgreicher als Männer - weil sie viel subtiler arbeiten.


BRIGITTE.de: Wenn Frauen viel subtiler manipulieren können als Männer - haben sie auch besseres Gespür dafür, wenn jemand einen Trick bei ihnen versucht?

Beyer: Im Prinzip haben die meisten Frauen sehr viel feinere Antennen als Männer. Das gilt für die Dirty Tricks, die ich in meinem Buch vorstelle, aber nicht unbedingt, weil diese aus der Männerwelt stammen. Sie widersprechen so sehr dem Weltbild vieler Frauen, dass sie gar nicht damit rechnen, dass jemand so etwas tatsächlich tut.

BRIGITTE.de: Haben Sie auch einen allgemeinen Rat, wie man am besten reagiert, wenn man merkt, man wird manipuliert?

Beyer: Nicht naiv sein - in dem Sinne, dass ich dem anderen einen Trick nicht zutraue. In der heutigen Zeit sollte man im Zweifel immer eher davon ausgehen, dass solche Tricks laufen. Die erste Reaktion, wenn ich einen Trick erkenne, ist natürlich: Ich lasse mich gar nicht erst manipulieren. Die zweite Stufe ist: Ich habe den Trick erkannt und sage dem anderen mit einem Augenzwinkern: Mit mir nicht! Dann entsteht manchmal sogar eine Art Seelenverwandtschaft. Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, dass der andere mit einem Trick anfängt und ich den gleichen Trick anwende - als Defensivwaffe, um Waffengleichheit herzustellen.

BRIGITTE.de: Gibt es Situationen, in denen es legitim ist, selbst offensiv einen schmutzigen Trick zu benutzen?

Beyer: Das muss jeder selbst mit seinen Skrupeln ausmachen. Wenn es darum geht, die Familie zu ernähren, einen Kredit für ein Haus zu bekommen, dann greifen viele zu Tricks. Aber ich wünsche mir, dass die Leute da umdenken.

Fangfragen, Vorwürfe, Körpersprache - hier finden Sie eine Auswahl von Tricks und Abwehrstrategien aus Günther Beyers Buch!

Günther Beyers Buch "Der Ferkel-Faktor. Die schmutzigen Tricks der Kommunikation" ist im Econ Verlag erschienen und kostet 16,90 Euro.

Interview: Swantje Wallbraun Foto: Die Beyer-Seminare GmbH

Wer hier schreibt:

Swantje Wallbraun
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